Borkenkäfer treibt private Waldbesitzer in den Ruin

Auf dem Steinberg, einem Ausflugsziel, rieseln die Nadeln von den Bäumen. Braune Skelette bleiben zurück. Die Kapazitäten sind erschöpft, die Zeit läuft davon.

Steinberg.

Der Borkenkäfer ist mit fünf Millimetern Körpergröße ein Winzling. Trotzdem ist Seinesgleichen dabei, den Wald rund um die Ausflugsgaststätte am Steinberg aufzufressen. Etwa drei Hektar Wald entlang der Zufahrtsstraße am Nordhang müssen die Waldbesitzer in den nächsten vier Wochen fällen und abtransportieren, um die Schäden einzudämmen. Die Rede ist von 4000 Kubikmeter Holz. Die Folge: große kahle Flächen statt Fichtenwald. Sieben private Waldbesitzer sind betroffen. Benno von Römer aus Neumark gehört mit 360 Hektar die größte Waldfläche am Steinberg. Seinem Revierförster Torsten Kripfgans ist das Ausmaß des Befalls vor wenigen Tagen bei einem Kontrollgang klar geworden. Von Römer trommelte am Montag deshalb die privaten Waldbesitzer, den Bürgermeister und Mitarbeiter der Forstbehörde des Landratsamtes zusammen, um zu besprechen, wie der übrige Steinbergwald zu retten ist. Viel Zeit bleibt nicht, in vier Wochen startet die nächste Käfergeneration zum Anflug auf noch gesunde Bäume.

Bürgermeister Andreas Gruner (parteilos/CDU-Mandat) soll einen Holzlagerplatz finden, um lange Fahrweg zu vermeiden. Benno von Römer bringt zur Aufarbeitung des Holzes seine eigene Technik mit, die aber bei Weitem nicht ausreicht. Die Waldbesitzer wollen in Zusammenarbeit mit dem Staatsbetrieb Sachsenforst nach einer Firma suchen, die mit einem Harvester die Stämme schnell aus dem Wald holt.


Das Szenario auf dem Steinberg passt ins Bild, das der Sächsische Waldbesitzerverband in einem Notruf per Brief Ende Juli an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gezeichnet hat: der Niedergang des sächsischen Fichtenwaldes. Die Waldbesitzer fordern schnelle und unbürokratische Hilfe, denn besonders Eigentümer von kleinen Flächen seien völlig überfordert. Sie fänden keine Firma, die ihnen das Holz aufarbeitet. Gewinne seien zudem bei einem mit Schadholz überschwemmten Markt und einen auf ein Drittel des Durchschnitts gefallenen Preis kaum zu erwirtschaften. Es fehle somit das Geld für die Aufforstung.

Zu Hause in ihren Briefkästen fanden die vom Borkenkäferbefall betroffenen Waldbesitzer bereits eine Anordnung der Unteren Forstbehörde, das geschädigte Holz binnen vier Wochen zu beräumen. Normalerweise drohe die Behörde bei Nichterfüllung Strafgelder an. "Das können wir gar nicht machen, weil wir wissen, dass es nicht zu schaffen ist", sagt Revierförster Jürgen Schönfeld vom Landratsamt.

Sein Chef, Kay Oertel, Sachgebietsleiter der Forstbehörde im Landratsamt, hat den Überblick: In den 54.000 Hektar des vogtländischen Waldes stehen aktuell rund 100.000 Kubikmeter Schadholz. Revierförster Kripfgans rechnet vor: "Das ist ein Holzstapel, einen Meter hoch, am Fuß etwa 1,50 Meter breit und 100 Kilometer lang." Werner Schaarschmidt aus Wildenau, dem sieben Hektar Wald am Steinberg gehören, sagte beim Ortstermin: "Wir brauchen Hilfe."

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