Bürger von Schnarrtanne sauer: Freie Flächen sind kein Bauland

An Menschen, die sich in dem Ort niederlassen wollen, mangelt es nicht. Aber auf begehrten Grundstücken darf nicht gebaut werden.

Schnarrtanne.

Die Vergabe von Hausnummern an der Vogelsgrüner Straße in Schnarrtanne wirkt bisweilen abenteuerlich: 1, 2, 3 ... dann bis zu 7 nichts als grüne Wiese. Wie kommt diese Lücke zustande? Und vor allem: Warum wird sie nicht geschlossen? Das wollte der Ortschaftsrat zur jüngsten Sitzung von Auerbachs Bauamtsleiter Patrick Zschiesche wissen. Denn für den brach liegenden Flur gibt es Interessenten. Und auch für andere Gegenden. Zum Beispiel den Sonnebergweg.

Im Flächennutzungsplan ist die Lücke als Baufläche ausgezeichnet. Allerdings spricht die Klarstellungssatzung - besser bekannt als Innenbereichs- oder Abrundungssatzung - dagegen. Und genau die ist letztendlich maßgebend. Darin heißt es: kein Bauland. "Das ist schwer nachzuvollziehen", sagte Ortsvorsteher Udo Löschner (CDU). "Es muss doch auch der Stadt schon im Vorfeld bewusst gewesen sein, dass das mal Bauland wird", meinte er. Ihm sei auf Anfrage gesagt worden, bei dem 76 Meter breiten Areal handele es sich um eine so genannte Luftschleuse. "Dabei ist das alles komplett erschlossen. Und eine befestigte Straße gibt es auch."

Zu DDR-Zeit sei es rechtens gewesen, das Gebiet als Baufläche zu deklarieren, entgegnete Patrick Zschiesche. Aktuell herrsche aber kein Baurecht auf dem Gebiet. "Die Leute können uns gerne einen Brief schreiben mit der Bitte, die Fläche in eine künftige Änderung mit aufzunehmen", riet der Bauamtsleiter. "Heute oder morgen kommen sie trotzdem nicht zum Baurecht." Denn die Situation ist kompliziert. Zwar lassen sich Klarstellungssatzungen ändern. Aber das dauert Jahre. Schließlich müssen auch übergeordnete Behörden ihr Einverständnis geben. Und Redaktionsschluss für die letzte Überarbeitung war vor über einem Jahr. "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg", reagierte Udo Löschner. Das sei richtig, so Zschiesche. Und dieser Wille sei auch da. "Aber es dauert eben." An Gesetzesvorgaben müsse und werde sich die Stadtverwaltung halten.

Seit zwei Jahren wird an der zweiten Änderung des Flächennutzungsplans gearbeitet. Bis er fertig ist, wird auch viel Zeit vergehen. "Der letzte hat fünf Jahre gedauert", sagte Zschiesche. Alle Kommunen im Mittelzentralen Städteverbund Göltzschtal sind dazu angehalten, sich gleichzeitig per Beschluss einverstanden zu erklären: Auerbach, Rodewisch, Ellefeld, Falkenstein, Grünbach, Neustadt und sämtliche Ortsteile. Danach wird der Entwurf dem Landratsamt vorgelegt. "Damit müssen sich dann 17 Abteilungen befassen und Stellungnahmen abgeben", sagte er.

Auch Patrick Zschiesche "schmecken" die Gesetze eigenen Worten zufolge nicht. "Wir wissen, dass wir auf jeden Bürger angewiesen sind", sagte er. "Aber wir können trotzdem nicht aus unserer Haut raus." Zschiesche empfahl, den Blick vielleicht etwas zu weiten. "Wir haben genügend Bauflächen in Auerbach und Umgebung", erklärte er. Wenn gewünscht, werde die Stadt zwischen Bauland-Eigentümern und Interessenten vermitteln.


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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    Freigeist14
    19.03.2020

    Bauland ist Bauland und Außenbereich ist Außenbereich .

  • 5
    0
    Tauchsieder
    19.03.2020

    Zu DDR-Zeit rechtens ..., vielleicht waren sie zu Kaisers-Zeiten auch noch anders, was für eine Argumentation.
    Die können doch froh sein, dass ihnen nicht die Fläche versiegelt wird. Da wäre zur angesprochenen DDR-Zeit keiner gefragt wurden, da hätte die Partei entschieden. Wenn man dies wieder haben will !?