Chef des Rebesgrüner Bades wird 60

Generationen haben bei ihm das Schwimmen gelernt. Heute feiert Ralf Voigtländer runden Geburtstag. Ins Bad hat ihn die Wende verschlagen.

Rebesgrün/Falkenstein.

Seine sportliche Karriere begann Ralf Voigtländer als Knirps: Von Schulbeginn an turnte er bei der BSG Fortschritt Falkenstein und zog das bis zum Abitur durch, anschließend studierte er Sportwissenschaften, Spezialgebiet Geräteturnen. Ab 1983 trainierte der Diplom-Sportlehrer dann die Turner des SC Karl-Marx-Stadt, drei seiner Schützlinge schafften es in die DDR-Nationalmannschaft. "1989 war ich bei der Turn-WM in Stuttgart dabei, da war die Mauer noch zu", berichtet der Mann, der heute seinen 60. Geburtstag feiert, mit einigem Stolz. Wenig später war dann die DDR am Ende - und auch Ralf Voigtländer orientierte sich notgedrungen komplett neu. "Die Hälfte aller DTSB-Trainer sollte entlassen werden, ich machte mich schon vorher auf Job-Suche."

In seiner vogtländischen Heimat waren damals drei Schwimmmeister-Posten vakant: In Rodewisch, Wildenau und Rebesgrün. Der gebürtige Falkensteiner entschied sich für Rebesgrün und übernahm im Frühjahr 1990 das Bad, das seit 1987 geschlossen war: "Es war wirklich erbärmlich. Alles war zugewachsen, Gehwegplatten lagen umher, die Umzäunung war eingefallen." In enger Abstimmung mit dem damaligen Bürgermeister Herbert Andermann erweckte Voigtländer das Bad wieder zum Leben. Schnell wurde beiden klar: Man brauchte eine Attraktion. "Damals, gleich nach der Wende, war das Hofer Bad ja als ,Sachsenwäsche' bekannt", sagt der Schwimmmeister. Große Attraktion war dort die Rutsche. Warum nicht eine nach Rebesgrün bringen? Tatsächlich habe der Gemeinderat 1991 den Bau einer Rutsche bewilligt - "für 400.000 D-Mark", erinnert sich Voigtländer. "Da war die Hölle los!" Doch die verwegene Rechnung ging auf: Das Rebesgrüner Bad wurde zum neuen Besuchermagneten. Und die seitdem veranstalteten Rutschmeisterschaften ziehen bis heute alljährlich Teilnehmer aus ganz Deutschland an. Als Sponsor gewann Voigtländer den Rutschen-Hersteller aus dem Ruhrgebiet.

Ob Wasserwichtel-Fest oder Aquafitness-Kurse - "man muss sich immer etwas einfallen lassen", meint der Schwimmmeister, der in "seinem" Bad regelmäßig neue Ideen verwirklicht, zuletzt zum Beispiel eine FKK-Liegewiese hinterm Flechtzaun. Vor allem hat er Generationen von Kindern hier das Schwimmen beigebracht - weit und breit ist er momentan der einzige Schwimmlehrer. "Wir sind hier auf sehr gutem Weg", meint Voigtländer. Seit 1992 nicht modernisiert worden ist nach seinen Angaben die Wasseraufbereitungs-Technik des Freibads: "Die ist ganz einfach, aber deshalb unglaublich robust", sagt Ralf Voigtländer. "Experten haben uns geraten, da ja nichts dran zu machen." Und so wird die Technik wohl noch ein paar Jahre ihren Dienst im Bad tun. So wie Ralf Voigtländer auch: "Mit 66 kann ich in Rente gehen, eher nicht", sagt er.

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