Chöre leisten bei Meisterwerk Schwerstarbeit

Mit der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach haben am Mittwoch 129 Musiker in der Auerbacher St.-Laurentius-Kirche einen Meilenstein ohne Parallelen aufgeführt.

Auerbach.

Hörgelegenheiten wie diese gibt es im Vogtland selten. Entsprechend viele Liebhaber geistlicher Musik füllten am Mittwoch die Auerbacher St.-Laurentius-Kirche. Im Spielplan stand Johann Sebastian Bachs Hohe Messe in h-Moll und damit eines der anspruchsvollsten Werke, das je ein Komponist zu Papier gebracht hat. 129 Musiker brauchte es, um die Messe aufführen zu können. Seite an Seite saßen und standen der Auerbacher Kammerchor und der Evangelische Singkreis Plauen, das Telemannische Collegium Michaelstein und vier Solisten aus Sachsen und Thüringen: Donata Burckhardt (Sopran), Dorothea Zimmermann (Alt), Nico Eckert (Tenor) und Wolf Matthias Friedrich (Bass).

Aufgrund seines Status als eines der größten Meisterwerke hatten sich die Organisatoren entschieden, Bernd Koska vom Leipziger Bach-Archiv für eine halbstündige Messe-Betrachtung vor Konzertbeginn einzuladen. Ihn selbst fasziniere insbesondere die "monumentale Klangfülle", sagte der 35-jährige Wissenschaftler. Außerdem die unkonventionelle Herangehensweise: Bach habe in den verschiedenen Sätzen unterschiedliche Kompositionstechniken verwendet und die Messe nicht in einem Stück geschrieben, sondern mehrmals verändert und ergänzt. Das zog sich über zwei Jahrzehnte hin. 1733 setzte Bach die Feder erstmals an, 1749 gab er seiner Messe den letzten Schliff. Also ein Jahr vor seinem Tod.

Johann Sebastians Bachs Messe-Partitur gehört zum Unesco-Weltdokumentenerbe. Sie sei auch das am schlechtesten erhaltene Werk der Sammlung, sagte Bernd Koska. Im Jahr 2002 wurde versucht, den Verfallsprozess mittels Handschrift-Restauration aufzuhalten. Obendrein lässt es Raum für Spekulation und ist laut Koska nach wie vor "ein Prüfstein für die Forschung". Koska geht davon aus, dass der Komponist sein Meisterstück selbst nie hörte. "Ob es wirklich mal zu Bachs Zeiten aufgeführt worden ist, lässt sich nicht belegen", sagte er. Ein erster Nachweis für die Gesamtpräsentation stammt aus dem Jahr 1835.

Nach der Aufführung in Plauen am 10. November und jetzt in Auerbach wird die gut zweistündige Hohe Messe in h-Moll nicht so bald wieder aufgeführt. Das hat Ulrich Meier zufolge vor allem mit ihrer anspruchsvollen Umsetzung zu tun. Er und Susanne Häußler teilten sich die Leitung. "Es ist unheimlich viel, was der Chor hier leisten muss", sagte Meier. Von den 25 Sätzen entfielen 18 auf die beiden Laienchöre. "Sie müssen also immer hellwach sein und können zwischendurch nicht mal abschalten."

Marianne Tauscher hatte sich lange auf die Messe gefreut. "Ich musste 74 Jahre alt werden, um das endlich mal zu hören. Bis jetzt hat es nie geklappt", sagte sie. Und fand: "Schade, dass es so etwas nur selten gibt. Ist aber verständlich bei dem Umfang. Man kann auch als Laie erkennen, dass die Messe sehr anspruchsvoll ist."

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...