Christen versorgen Bedürftige

Lebensmittel für bis zu 60 Menschen werden jeden Freitag im Falkensteiner Brotkorb verteilt. Bei der Gestaltung der Ausgabe orientiert man sich an einer Geschichte aus der Bibel.

Falkenstein.

Jeden Freitag werden in den Räumen der "Kirche im Laden" in der Falkensteiner Gartenstraße 19 die Körbe aufgebaut - gefüllt zum Beispiel mit Reis, Brot und anderen Backwaren, Letscho-Gläsern, Milch, Fischdosen, Joghurt, Obst und Gemüse, diversen Konserven, aber auch Schokolade. Das Angebot des Brotkorbs wechselt, immer gleich bleibt dagegen die Zahl der Körbe: Es sind zwölf. "Das geht zurück auf die Bibelgeschichte von der Speisung der 5000", erklärt Rainer Heydel (76) vom Leitungskreis der "Kirche im Laden". Danach hat Jesus 5000 Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen satt gemacht - und es waren noch so viele Brotbrocken übrig, dass zwölf Körbe damit gefüllt werden konnten.

5000 Menschen sind es nicht, die in Falkenstein gespeist werden, aber aktuell doch zwischen 50 und 60 Bedürftige, wie Rainer Heydel und die Brotkorb-Verantwortliche Kerstin Frank (55) berichten. Cirka 40 Abholer kommen am Freitag und decken sich hier mit dem Nötigsten ein. Wer kann, entrichtet dafür eine Spende von einem Euro. Ein Ausgeber begleitet die Empfänger von Korb zu Korb. Am Anfang sei es manchmal "chaotisch" zugegangen, meint Rainer Heydel, inzwischen aber längst "diszipliniert". Das Angebot gibt es bereits seit 2004. Bei den Brotkorb-Besuchern handele es sich zum größten Teil um Alleinstehende. Etwa die Hälfte bekäme kleine Erwerbsminderungs- oder Altersrenten und nutze deshalb diese Möglichkeit der Unterstützung. Die andere Hälfte sei aus verschiedenen Gründen kurzfristig in Not geraten. Migranten kämen inzwischen fast gar nicht mehr.

Überhaupt sei die Zahl der Empfänger in den vergangenen Jahren zurückgegangen - in der Spitze habe man bis zu 70 Menschen versorgt. "Einige sind weggezogen, andere gestorben, bei einigen hat sich die soziale Lage verbessert", schätzt Kerstin Frank ein. In den Stützpunkt in der Gartenstraße kämen außer Falkensteinern auch einige Ellefelder und Trieber, früher habe man auch Leuten in Neustadt und Kottengrün geholfen. Von Christen organisierte Brotkörbe gibt es auch in Auerbach, Treuen und Rodewisch.

Der Falkensteiner Brotkorb wird konfessionsübergreifend von den christlichen Gemeinden der Region unterstützt. Lebensmittel bekommt man von Märkten und heimischen Bäckern "so frisch wie möglich" gestellt, ein Großteil der Lebensmittel wird jedoch beim Erntedankfest gesammelt. Das sind dann natürlich haltbare Dinge wie Konserven, Nudeln, Reis. Autohäuser stellen Fahrzeuge für den Transport zur Verfügung. "Die eigentliche Ausgabe der Lebensmittel ist ja nur ein kleiner Teil der Arbeit", erklärt Kerstin Frank - die Neustädterin ist als einzige teilzeitangestellt, auf Spendenbasis. Alle anderen 15, 16 Unterstützer sind Ehrenamtler, zum Großteil handelt es sich um rüstige Rentnerinnen und Rentner. Am Donnerstag wird alles für die Ausgabe vorbereitet. Freitagmittag gibt es dann zunächst ein gemeinsames Kaffeetrinken und eine kurze Andacht. "Für viele ist dieses Treffen der soziale Höhepunkt der Woche", weiß Rainer Heydel. Die Leute seien "sehr dankbar" - und viele würden sich inzwischen gegenseitig helfen und unterstützen. Wer Geburtstag hat, bekommt zusätzlich ein kleines Geschenk, ab und zu wird durch Spenden sogar eine kleine gemeinsame Ausfahrt möglich. "Der Brotkorb ist unser aufwendigstes Angebot", sagt Heydel. Ansonsten bietet der Verein "Kirche im Laden" etwa Spieleabende und Schulkinderaktionen.


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