Dank Finanzspritze hat Poetry mehr Spielraum

Heute Abend beginnt das dreitägige Festival im Rodewischer Stadtpark. Herzstück ist wie üblich eine Müllsammel-Aktion.

Rodewisch.

Spaß mit Ernst verbindet der Kulturverein Ars Vitae einmal pro Jahr. Und dabei richtet er sich an die Öffentlichkeit. Wem mehr oder weniger achtlos in Stadt und Natur entsorgter Unrat stinkt, kann selbst aktiv werden. Denn Kernstück des dreitägigen Poetry-Festivals im Rodewischer Stadtpark ist eine Müllsammel-Aktion. Der Startschuss fällt heute Abend, morgen ist Sammeltag.

2017 konnte ein mittelgroßer Container den in Rodewisch und Umgebung zusammengetragenen Müll kaum fassen. Manchmal müssen sogar die Hauptorganisatoren Dana Reifenberg und Tom Hoffmann angesichts der Fundstücke schlucken. Besonders in Erinnerung geblieben seien tote, in Säcken verstaute Tiere. "Das war bis jetzt das Übelste. Wir haben auch schon Schlachtabfälle gefunden und benutzte Erwachsenenwindeln", berichten sie. Zwar handelt es sich fast immer um Dinge ohne Ekelfaktor. Ganz normales Bonbonpapier zum Beispiel. Oder Zigarettenkippen. Das Entsetzen ist etwa gleichgroß. "Wir haben alles dabei, was in einer Gesellschaft anfällt, teilweise aber gar kein Müll ist." Sondern Abfall, der gesondert entsorgt gehört. Wie Möbel, Fernseher und Dachpappe.

Um die 80 Helfer finden sich normalerweise ein. Und sie kennen keine Altersgrenzen. "Wer sich zu jung oder zu alt fühlt, kann trotzdem in den Stadtpark kommen", bietet Tom Hoffmann an. Man habe schon Kinder in Tragetüchern und einen fast 90 Jahre alten Gast gehabt.

Seit 2017 feiert man nicht mehr am abseits gelegenen Poetenweg. Austragungsort ist der Stadtpark und neu diesmal, dass bis Samstagnachmittag Live-Musik zu hören ist. Zum achten Mal hat Poetry inzwischen Festival-Charakter. Der Umzug ins Stadtzentrum hatte neben der besseren Erreichbarkeit und Entfaltungsmöglichkeiten noch einen Grund: Dort ist Strom vorhanden.

Unterstützung gibt es von Göltzschtal-Städten, einer regionalen Müllentsorgungsfirma und kleinen Unternehmen. Erstmals erhielt Ars Vitae eine Förderung. 2000 Euro steuert das Bundesprogramm "Demokratie leben!" bei. "Es geht nicht nur darum, dass wir alle Generationen hier haben, sondern auch verschiedene Nationen", erklärt Tom Hoffmann. Seit einigen Jahren beteiligen sich in Rodewisch untergebrachte unbegleitete minderjährige Ausländer am Sammeln und jetzt auch an der Gästeversorgung. Die Finanzspritze befähigt den 35-Mitglieder-Verein obendrein dazu, mehr überregionale Musiker zu engagieren und eine Aufwandsentschädigung zu zahlen.

Aus dem Programm des Poetry-Festivals Freitag: 19 Uhr Musik von Project Rainfall, Polis, Konrad Küchenmeister; Samstag: 10 bis 16 Uhr Müllsammeln (Start am Eingang der Rodewischer Schlossinsel), anschließend Konzerte, unter anderem mit Re-In; Sonntag: Yoga, Tauschbörse, Musik von Mellow Park und Phosphorus.

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