Dealer kommt mit blauem Auge davon

Die Anklage lautete auf bewaffneten Handel mit Rauschgift und den Verkauf an Minderjährige. Ein Vorwurf ließ sich nicht aufrecht erhalten, ein anderer wurde als weniger schwer eingestuft.

Auerbach/Treuen.

Es waren drastische Anklagepunkte, wegen denen sich ein 26-jähriger Treuener am Dienstag vor dem Amtsgericht Auerbach verantworten musste. Die Staatsanwaltschaft legte ihm zwei Verbrechen zur Last: Bewaffneten Drogenhandel und die Abgabe von Drogen an Minderjährige. Das erste Delikt zieht eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren nach sich, das zweite mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe. Doch schon kurz nach Prozesseröffnung war klar: So hart kommt es nicht.

Nach einem Rechtsgespräch zwischen Schöffengericht, Staatsanwalt und Verteidiger wurde die Anklage wegen bewaffneten Handels fallen gelassen. Der Vorwurf lasse sich laut Aktenlage nicht aufrecht erhalten, erläuterte Richter Helmut Böhmer. Denn hier ging es konkret um einen Tresor in der Wohnung des Angeklagten, in dem außer Drogen und Geld auch zwei Schreckschusspistolen lagen. Und die waren nicht geladen. "Der Bundesgerichtshof verlangt für dieses Delikt aber eine greifbare Nähe, die Waffe muss in kürzester Zeit Gefahr verursachen können", erläuterte Böhmer. Wie zum Beispiel eine geladene Pistole im Straßenhandel, die der Dealer am Körper oder im Auto mitführe - davon sei man weit entfernt.

Auch die Drogenabgabe an Minderjährige wurden letzten Endes als minder schwerer Fall eingestuft. Tatsächlich hatte der Treuener mit zwei jungen Frauen (damals 16 und 17) in seiner Wohnung einen Joint mit Marihuana geraucht. Ein paar Tage später kamen die beiden erneut zu ihm und kauften zwei Gramm Marihuana für 20 Euro. Die Initiative sei von den Frauen ausgegangen, beide hätten schon Drogenerfahrung gehabt, und die Menge der (zudem weichen) Droge sei gering gewesen- so bewertete es das Gericht. Kurz nach der Visite der Frauen rückte die Polizei an und durchsuchte die Wohnung - das war im Februar 2018. Die Prozesseröffnung verzögerte sich seitdem mehrfach.

Der Angeklagte gab zu, dass er fünf Cannabispflanzen angebaut hatte, und das gewonnene Marihuana und Haschisch nicht nur selbst konsumierte, sondern auch verkaufte. Die Polizei fand bei ihm rund 300 Gramm so genannter weicher Drogen mit relativ wenig Wirkstoff sowie 0,75 Gramm eines Kokain-Crystal-Gemischs, dazu 620 Euro "in szenetypischer Stückelung".

Der Mann ist nicht vorbestraft und arbeitet seit vielen Jahre im selben Betrieb. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung, er bekommt einen Bewährungshelfer und hat per Screening zu beweisen, dass er tatsächlich keine Drogen mehr nimmt. Außerdem muss er 1600 Euro in Raten an den Vital-Verein Plauen zahlen.


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