Der doppelte Tony Gentsch

Der Führungskader der Partei Der Dritte Weg tritt zur Wahl als Kraftfahrer aus Elsterberg und Fleischer aus Plauen an. Da staunt auch der Bundeswahlleiter.

Plauen.

Der Dritte Weg redet viel und laut davon, deutsche Werte in einer von links und von außen bedrohten Welt zu verteidigen. Doch ausgerechnet Tony Gentsch, Frontmann der rechtsextremistischen Kleinstpartei im Vogtland, hat jetzt kein gutes Beispiel für deutschen Ordnungssinn, für Klarheit und Geradlinigkeit geliefert. Der Führungskader des Dritten Weges im Vogtland verursachte ein Kuddelmuddel, das sogar den Bundeswahlleiter auf den Plan rief und zu einer Überprüfung veranlasste.

Gentsch kandidiert bei den Wahlen am 26. Mai mehrfach. Doch ist der Plauener Stadt- und Kreistags-Kandidat Tony Gentsch überhaupt identisch mit jenem Tony Gentsch, der bei den Wahlen fürs EU-Parlament antritt? Die Wahlunterlagen lassen das nicht erkennen. Im Gegenteil. Kommunalwahl-Bewerber Gentsch ist ein Fleischer aus Plauen. Europa-Kandidat Gentsch ist hingegen Kraftfahrer und wohnt in Elsterberg. Wie kommt das zustande?


So richtig gefällt das Tony Gentsch selbst nicht, doch er wiegelt ab. "Alles in Ordnung", sagt er auf Anfrage der "Freien Presse". Die Listen seien vom Parteitag bestätigt, die unterschiedlichen Angaben könne er erklären. 2018 habe er noch in Elsterberg gelebt und sei als Kraftfahrer tätig gewesen. In diese Zeit fiel auch die Kandidatur fürs EU-Parlament. Dann zog er nach Plauen um und sei dort beruflich als Fleischer tätig. "Das ist alles abgestimmt", sagt Gentsch. "Ich bin doch nicht von China nach Plauen umgezogen."

Doch die von einem Plauener bei Bundeswahlleiter Georg Thiel in Wiesbaden vorgebrachte Beschwerde wird dort ernst genommen. "Ihre Kritik ist grundsätzlich berechtigt und betrifft eine Situation, die möglichst vermieden werden sollte", erklärt Angela Kolbe in Thiels Auftrag. "Die Angelegenheit" wurde geprüft, es gab Rücksprache mit der Stadt Elsterberg. Die Daten stimmten zur jeweiligen Zeit, als die Kandidatur erklärt wurde. Eine Korrektur veralteter Angaben sei spätestens bis zum 48. Tag vor der Wahl möglich, "jetzt leider nicht mehr".

Der Plauener Wahlleiter Steffen Kretzschmar bestätigt, dass Gentsch zum Zeitpunkt der Bewerberaufstellung in Plauen gemeldet war. Eine Aussage vom Pass- und Meldewesen liege ihm dazu vor. Dass jetzt der Eindruck entstehen könnte, es handele sich um verschiedene Bewerber gleichen Namens, vermittelt aus seiner Sicht "kein gutes Bild", ließe sich aber vermeiden. Dazu müsste es einen Datenabgleich der Wahllisten geben. Der ist aber bislang nicht vorgesehen. Ob dies die Anfechtung einer Wahl rechtfertigt, hält Kretzschmar für unwahrscheinlich. "Der Rechtsweg steht aber jedem offen."

Gentsch ist seit Jahren als Neonazi und Führungskader rechtsextremistischer Kameradschaften in der Szene bekannt. Nach dem Verbot des Freien Netzes Süd emigrierte er sozusagen von Bayern ins benachbarte Sachsen. Bislang konnte er einigermaßen ungestört den Dritten Weg etablieren. Seit den Vorfällen vom 1. Mai in Plauen mit verstörenden Bildern, die an einen SA-Aufmarsch erinnern, versucht das demokratische Vogtland, die Scherben zusammenzukehren und den Imageschaden zu begrenzen.

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