Der gute Geist der Göltzschtalgalerie

Am Einlass, hinter der Bar oder an der Garderobe: Karla Weiß verstärkt das Team der Nicolaikirche seit Jahren im Ehrenamt.

Auerbach.

Carla Weiß hat sie alle. Ob Kabarettisten wie Bernd-Lutz Lange, Cartoonisten wie Uli Stein, Jazzer wie Charlie Mariano, Schauspieler wie Otto Mellies, Schriftstellerinnen wie Corinne Hofmann oder den Opernsänger Gunt¸her Emmerlich: Wer in der Göltzschtalgalerie Nicolaikirche Auerbach einmal gastierte, und Karla Weiß hatte Dienst, der ist im Erinnerungsalbum der Auerbacherin mit einem Foto verewigt.

Das beginnt im Jahr 2002, und eigentlich braucht Karla Weiß das Fotoalbum nicht. Denn sie hat fast alle von ihr begleiteten Veranstaltungen parat. "Die erste war eine Ausstellungseröffnung: die Schwestern Silvia Schinko und Meike Georgie", berichtet Karla Weiß, wie ihre Zeit in der "Kulturkirche" begann.

Damals war sie 57 Jahre alt und arbeitslos. "Zuhause hocken - das wollte ich auf keinen Fall, ich musste unter Menschen", berichtet die ehemalige Maschinenbauzeichnerin, die nach der Wende in Auerbach noch als Verkäuferin tätig war, wie alles begann. Ihr war egal, was sie für eine Aufgabe erhielt: Reinigungsarbeiten, Einsatz an der Garderobe oder hinter der Bar, bei der Versorgung der Künstler oder beim Betreuen einer Kinderveranstaltung - "sie hat sich überall reingefitzt. Auf Karla ist Verlass", lobt Galeriechefin Romy Hartwig den "guten Geist der Göltzschtalgalerie".

Von Berufs wegen und von klein auf eher technischen Dingen zugetan, fand die kommunikative Frau schnell Gefallen an der neuen Tätigkeit im kulturellen Bereich. Die wurde erst über ein Förderprogramm finanziert, später über die Vogtland Kultur GmbH. Bis zum Renteneintritt mit 65 Jahren - seitdem engagiert sich Karla Weiß ehrenamtlich - inzwischen auch schon wieder neun Jahre.

"Ich bin für alles aufgeschlossen. Und wenn ich Zeit habe und es in meinen Terminkalender passt, bin ich bereit, einzuspringen. Das weiß Romy Hartwig auch", sagt Karla Weiß. Nur wenn Tochter und Enkel, die in Nürnberg leben, nach Mutter und Oma verlangen, geht die Familie vor.

Oder das August-Horch-Museum in Zwickau. In dessen Förderverein kümmert sich Karla Weiß um die Mitgliederbetreuung; zwei Tage in der Woche sind dafür reserviert. "Dazu bin ich über meinen inzwischen verstorbenen Mann gekommen, der war ein großer Oldtimerfan und hat mich mit seiner Leidenschaft angesteckt."

Doch Karla Weiß schwärmt nicht nur für Oldtimer, sondern auch für Reinhard Mey. Den hat sie zwar noch nicht in Auerbach erlebt, dafür im Konzert in Nürnberg. Ein Geschenk der Tochter. Und dann stockt ihr doch der Redefluss: Denn der Liedermacher erinnert sie an den jüngst verstorbenen Thomas Groth, der mit seinen Reinhard-Mey-Programmen in der Nicolaikirche bei ihr ebenfalls einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hat: "Das waren tolle Abende. Unglaublich intensiv, wie der Thomas Groth die Lieder gesungen hat."

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