Der Marke Plauener Spitze gilt besonderer Schutz

Vor 30 Jahren wurde der Branchenverband Plauener Spitze und Stickereien aus der Taufe gehoben. Er hat bis heute nichts an Aktualität verloren.

Plauen.

Trotz der schwierigen Situation in der Textilindustrie blickt Andreas Reinhardt optimistisch in die Zukunft. "Die meisten Sticker haben es geschafft, mit Nischenprodukten einen relativ stabilen Umsatz zu erzielen. Sie haben Abhängigkeiten reduziert und Risiken gespreizt", sagt der Vorsitzende des Branchenverbandes Plauener Spitze und Stickereien. Nischen würden sowohl Chancen für kleine exklusive Mengen zu höheren Preisen als auch zum Bedienen kleiner spezieller Marktsegmente in interessanten Stückzahlen bieten. Plauener Spitze sei und bleibe ein exklusives Produkt. Die Stickerei ist das teuerste textile Verfahren zum Bearbeiten oder Verzieren textiler Flächen und ist zugleich textiltechnologisch besonders flexibel. Mithilfe der Stickerei wird nicht nur Spitze gefertigt. Gerade im Bereich der technischen Textilien gibt es hier zahlreiche Anwendungsgebiete. Und das man aufgrund der Kleinteiligkeit der Produktion flexibel auf aktuelle Gegebenheiten reagieren kann, zeigt die aktuelle Situation - zahlreiche Mitglieder des Verbandes nutzen das Know-how der Stickerei, um Behelfsmasken im Bereich des Mund-Nasen-Schutzes zu fertigen, so Reinhardt.

Am 21. April 1990 war in Plauen der Branchenverband Plauener Spitze und Stickereien im Spitzenmuseum gegründet worden. Er wurde als regionaler Verband für die vogtländischen Stickereiunternehmen und zugleich als Markenzeichenverband zur Fortführung des Schutzes der Plauener Spitze als regionale Gemeinschaftsmarke für ortsansässige Produzenten gegründet. Die Sicherung eines Produkts als Regionalmarke, das nicht aus dem Lebensmittelbereich kommt, wie beispielsweise Champagner, ist bis heute eine Seltenheit. "Um diese Form des Markenschutzes werden wir rückblickend von einigen Branchen beneidet", sagt Reinhardt.

Auch heute hat der Branchenverband nichts an Aktualität verloren. Er stellt nach drei Jahrzehnten immer noch einen effizienten Zusammenschluss kleiner mittelständischer Familienunternehmen im Vogtlandes dar. Insgesamt hat der Verband heute 19 Mitglieder. Allen Unternehmen gemeinsam ist, dass sie Plauener Spitze produzieren. Und nur Mitglieder des Verbandes dürfen ihr Produkt Plauener Spitze nennen. Der Schutz der Marke und damit auch die Qualitätssicherung des Produktes sieht Reinhardt als die Hauptaufgabe des Verbandes an. Plauener Spitze war und ist ein regionales Produkt, das hier im Vogtland produziert wird und das vergleichsweise hohe Qualitätsstandards erfüllt.

Über die Jahre kamen noch zahlreiche weitere Aufgaben hinzu. Man kümmert sich um die Struktur der Ausbildung, wählt die Spitzenprinzessin, die seit 1996 ein wichtiges Aushängeschild der Plauener Spitze ist und engagiert sich beim Spitzenfest. Aber auch überregionale Aufgaben, wie die Vertretung in den Textilverbänden zählen zu wichtigen Aufgabengebieten. Des Weiteren zählt die Bewahrung des historischen Erbes zu einer der Aufgaben. Denn mit der Plauener Spitze blickt Plauen und das Vogtland auf eine lange Tradition und eine ganz besondere Form der Industriekultur zurück.

In den nächsten Jahren soll der Schutz der Marke weiterhin im Vordergrund stehen. "Das sind wir unseren Mitgliedern, aber auch den Kunden schuldig", sagt Reinhardt. (fp)


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