"Der Mensch ist nicht der Maßstab"

Sabine Jedzig führt die Bundesgeschäftsstelle der Tierschutzpartei. Für Treibjagden, wie kürzlich eine in Auerbach stattfand, hat die Treuenerin kein Verständnis.

Treuen/Auerbach.

Für Sabine Jedzig spricht der Begriff Treibjagd Bände: Die Tierschützerin aus Treuen assoziiert damit "jemanden vor sich hertreiben, einengen, in Angst und Panik versetzen". Als Mitte Oktober im Grünheider Forstrevier eine Drückjagd - wie Treibjagden auch genannt werden - stattfand, hielt sich ihr Verständnis demzufolge in Grenzen. Postwendend schrieb sie einen Leserbrief an "Freie Presse".

Bei der Treibjagd in Auerbach hatte ein Forstwirt mit zwei Hunden das Wild aufgescheucht und vor die Flinte von 31 Jägern und Jägerinnen getrieben. Die Ausbeute: vier Rehe in zwei Stunden. Der Herbst ist die klassische Jagdsaison, im Grünbacher Revier hieß es, dass durch den Abschuss junge Bäume vor Verbiss geschützt werden sollen. Im größeren Zusammenhang geht es um das Thema Waldumbau vor dem Hintergrund des Klimawandels.

Für Sabine Jedzig kein Grund, ganze Lebensgemeinschaften im Wald in Panik zu versetzen. "Ich verurteile das scharf", sagt sie. Hält sie die Jagd generell für Tierquälerei, empfindet die 50-Jährige diese Form als besonders "hinterhältig" und "unfair". Zudem würden Forstleute damit genau das Gegenteil erreichen - denn: Nach Treibjagden würden sogar mehr Verbissschäden auftreten. Der Grund: Die Tiere seien gezwungen, ihre Reserven beinahe in Gänze zu verbrauchen, weil sie "in Todesangst" fliehen müssten. Jedzig: Um das Verbrauchte wieder auszugleichen, bleibe im Winter nicht viel Auswahl an Futter.

Wer gegenüber Sabine Jedzig mit aus dem Ruder laufenden Populationen von Wildschweinen oder anderen Plagen argumentiert, bekommt als Antwort: "Der Mensch ist nicht der Maßstab." Und: Den Tieren sei viel Lebensraum genommen worden, dafür trage nun einmal der Mensch die Verantwortung. Sabine Jedzig isst seit 20 Jahren kein Fleisch, seit zehn Jahren führt sie in Treuen die Bundesgeschäftsstelle der seit 25 Jahren existierenden Tierschutzpartei - ein Halbtagsjob.

1600 Mitglieder, 60 davon in Sachsen und bundesweit drei Mandate: in den Stadträten Magdeburg und Essen und im Bezirkstag München. "Wir sind eine kleine Partei." Die 50-Jährige weiß um die Radikalität ihrer Partei: "Wir sind alle Überzeugungstäter", erklärt sie.

Aber die Menschen seien zunehmend empfänglicher für Themen, die das Tierwohl betreffen. Lebensmittelskandale, Umwelttragödien, Klimawandel - all das mache Angst, das spüre sie deutlich, wenn sie auf Märkten ihren Stand aufschlägt. Die Tendenz lasse sich in Zahlen fassen: Noch 2014 zählte die Partei nur 1100 Mitglieder, verdeutlicht sie. Und das dritte Mandat in Bayern sei aktuell hinzugekommen. Sabine Jedzig geht davon aus, dass das Gros der Bevölkerung grundsätzlich für den Tierschutz ist. Doch es müsse viel passieren, bis jemand seine Gewohnheiten ändert, weiß sie genau.

Jetzt rüsten sich Jedzig und ihre Mitstreiter für die Europa- und auch die Landtagswahlen in Sachsen. Dafür müssten jeweils eine Menge Unterstützerunterschriften gesammelt werden. "Noch ist unser Einfluss sehr begrenzt", hält die Treuenerin fest. "Aber wir sind zäh." (mit lh)

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