Der rettende Engel stammt aus dem Vogtland

Mit ihrem am Freitagabend vorgestellten Buch über Holocaust-Überlebende hat Hannah Miska dem in Falkenstein aufgewachsenen Alfred Rossner ein Denkmal gesetzt. Jetzt ist die Stadt am Zuge.

Falkenstein.

Den wenigsten Anwesenden war Alfred Rossner vor dem Beginn der Lesung ein Begriff gewesen. Aber auch alle anderen lernten dazu, als Hannah Miska aus dem oberbayerischen Schliersee am Freitag in der gut gefüllten Falkensteiner Galerie "Aal am Stil" von einem Menschen erzählte, den viel mit dem bekannten Oskar Schindler verbindet. Alfred Rossner bewahrte Anfang der 1940er Jahre als Unternehmer im von Nazi-Deutschland besetzten Polen etwa 9000 Juden vor der Deportation in Vernichtungslager. Anders als Oskar Schindler bezahlte er seine Menschlichkeit jedoch mit dem Leben.

"So weit wie möglich weg von hier. Von Europa nach Melbourne - Holocaust-Überlebende erzählen" heißt das von Hannah Miska und ihrer Schwester Dora Leithold vorgestellte Buch. Eine der 17 Biografien ist Kitia Altman gewidmet. Die 1947 nach Australien emigrierte Frau verdankt Alfred Rossner sowohl ihr eigenes Überleben als aus auch das von Mutter und Bruder. Sie und Hannah Miska lernten sich im Holocaust-Museum Melbourne kennen. Dort arbeitete die promovierte Psychologin einige Jahre ehrenamtlich und kam auf die Idee, Überlebende zu porträtieren.

Alfred Rossner wurde 1906 in Oelsnitz geboren, wuchs in Falkenstein auf, besuchte die heutige Trützschler-Oberschule und ließ sich zum Kaufmann ausbilden. Als eine jüdische Familie in seiner Nachbarschaft nach Berlin zog und sich selbstständig machte, erhielt er eine Anstellung. 1938 wurde die Familie ausgewiesen und eröffnete in ihrer alten ostoberschlesischen Heimatstadt Bedzin einen Textilbetrieb. Nach der Arisierung 1940 führte ihn Alfred Rossner als Treuhänder. Über 3000 einheimische jüdische Arbeiter nähten dort Soldatenuniformen. Auch Kitia Altman. Nebenher warnte und versteckte Alfred Rossner Juden im Getto vor Deportationen. "Korrupte SS-Männer hat er mit großzügigen Geschenken bestochen", las Hannah Miska aus ihrem 2014 im Mitteldeutschen Verlag erschienenen Buch. Bald wurde die SS auf seine Rettungsaktionen aufmerksam. Alfred Rosner starb 1943 in Gestapo-Haft, Kitia Altman stand eine Odyssee durch Arbeits- und Konzentrationslager bevor.

1995 wurde Alfred Rossner von Israel posthum als Gerechter unter den Völkern geehrt. Auf dem Falkensteiner Friedhof steht seit 2010 eine unscheinbare Gedenktafel. Hannah Miska wünscht sich mehr Erinnerungsarbeit in seiner Heimat, etwa die Benennung der örtlichen Grundschule nach Alfred Rossner. Ihr Publikum begrüßte den Vorschlag. "Es ist auch ein stückweit meine Aufgabe als Bürgermeister, gegen diese Unwissenheit anzukämpfen", äußerte sich Marco Siegemund zu dem Thema. Die Idee müsse man "auf jeden Fall diskutieren". Unterstützen will er Hannah Miska auch bei ihrem Vorhaben, ein Buch über Alfred Rossner zu schreiben.

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