Diakonie: Ex-Vorstand sieht Führungsversagen

Gernot Dörfel hatte bis 2016 das Hospiz mit konzipiert. Er ist geschockt von den Ereignissen um den Suizid einer Pflegerin und sieht den Aufsichtsrat in der Pflicht.

Falkenstein/Oschatz.

Der Hospiz-Skandal zieht weiter Kreise: Nachdem bekannt wurde, dass die Diakonie juristisch gegen zwei Ex-Mitarbeiterinnen vorgeht, um diese zur Verschwiegenheit zu zwingen, meldet sich ein früherer Vorstand zu Wort. Er sei traurig und entsetzt angesichts der Führungsmethoden in seinem früheren Wirkungsfeld, sagt Gernot Dörfel. "Der Aufsichtsrat wäre dringend angehalten, eine unabhängige Untersuchungskommission einzuberufen", appelliert er. Zu prüfen sei die Qualität der Unternehmensführung.

Der 51-Jährige zielt damit auf die Verantwortung der derzeitigen Diakonie-Vorstände Alexander Flachsbart und Sven Delitsch. Dörfel - heute Geschäftsführer der Diakonie Oschatz Torgau - war der Vorgänger von Delitsch und bildete von 2008 bis 2016 mit Flachsbart die Auerbacher Diakonie-Spitze. Nach eigenen Angaben hatte er gemeinsam mit dem Apotheker und Hospizinitiator Robert Herold seinerzeit das grobe Konzept für das Haus mit zwölf Plätzen in Falkenstein erarbeitet.

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Eröffnet wurde das Hospiz im Mai 2017 unter Diakonieführung, ohne Dörfel als Verantwortlichen. Zwei Jahre später schaut nicht nur er besorgt auf die bisherige Bilanz, sondern auch der Hauseigentümer. Angesicht einer Hospizleiterin, die nach einem Jahr wieder beurlaubt war, einer Pflegerin, die schriftlich hinterließ, wegen der Zustände im Hospiz Suizid begangen zu haben. Und von Versetzungen sowie juristischen Drohungen für all jene, die kritisch auf diese Vorgänge hinweisen, sieht Robert Herold sein "Lebenswerk zerstört". "Ich bin zutiefst schockiert von diesem Umgang in einem derart sensiblen Umfeld", sagt er.

Die Diakonievorstände und das zum Hospiz gehörende Kuratorium hatten Startprobleme im ersten Jahr eingeräumt, die Verantwortung dafür aber vor allem dem Führungspersonal vor Ort angelastet, das inzwischen ausgewechselt wurde. Unisono hieß es: Man habe den tragischen Tod der Mitarbeiterin intern aufgearbeitet, das Team habe sich inzwischen gefunden, der Betrieb laufe professionell und geordnet.

Ex-Vorstand Gernot Dörfel hakt hier wieder ein: "Auch wenn der Hospizbetrieb im Moment reibungslos läuft, entbindet das nicht von der Pflicht, die Geschehnisse zuvor aufzuarbeiten", sagt der gebürtige Vogtländer und ergänzt: "Neben allen Schwierigkeiten, die anfangs nachvollziehbar zu bewältigen waren, hätte eine solche Entwicklung verhindert werden müssen."

Noch vor drei Tagen sagte der Vorsitzende des Diakonie-Aufsichtsrates, Johannes Kaufmann, auf die Frage nach der Verantwortung für die Umstände im Hospiz: "Die Vorstände haben das Mögliche getan." Gestern hieß es auf nochmalige Anfrage: Nächste Woche werde man beraten, so der Rebesgrüner Pfarrer. Ob dann nicht nur die Ereignisse 2018, sondern auch das juristisch fragwürdige Vorgehen der Vorstände gegen zwei Ex-Pflegerinnen Thema sein wird - dazu äußerte sich Kaufmann nicht. Die zwei Frauen hatten den Abschiedsbrief der verstorbenen Kollegin auf deren Wunsch öffentlich gemacht und der Diakonieführung unter anderem vorgeworfen, sie habe sie beide zwangsversetzt.

Delitsch und Flachsbart reagierten mit anwaltlichen Abmahnungen, verbunden mit der Forderung, die Kosten zu erstatten. Rund 600 Euro soll jede der Frauen zahlen - obwohl es sich um eine arbeitsrechtliche Sache handelt, für die es per Gesetz keine Kostenerstattung gibt.

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