Die Bernhausers - im Ort ein Begriff

In Ellefeld wird wieder geheiratet. Das ist für "Freie Presse" Anlass für einen Rückblick. Heute: Die Hochzeit eine Mannes, den im Ort jeder gekannt hat.

Ellefeld.

Gertrud und Ernst Bernhauser waren zu ihrer Zeit in Ellefeld ein Begriff. Sie haben an der Lindenstraße ein Geschäft für Bücher, Schreibwaren, Zeitungen und Ansichtskarten betrieben. Das sagt die Ellefelderin Martina Wohlgemuth. Sie ist die Großnichte von Ernst Bernhauser und hat auch das Hochzeitsbild abgegeben.

Es ist von 1934 und damit eines der ältesten Hochzeitsfotos, das in der neuen Galerie am Trausaal des Oberen Schlosses Ellefeld zu sehen sein soll. Die Bilder werden ab dem Start der neuen Trausaison im Mai 2019 in einem elektronischen Bilderrahmen gezeigt. Martina Wohlgemuth präsentiert das Bild, weil die Familiengeschichte ein Steckenpferd der Geschichtslehrerin ist.

Ernst Bernhauser lebte in Mühlgrün, bevor er 1932 wegen der Eröffnung seines Geschäftes nach Ellefeld gezogen ist. Damals war er 19 Jahre alt. Seine Frau stammte aus der Gegend um Altenburg. Sie zog um 1930 nach Ellefeld und arbeitete zuerst als Dienstmädchen in der Bäckerei Luderer. Dort lieferte sie Semmeln aus. Da sich die Bäckerei gegenüber dem Geschäft von Ernst Bernhauser befand, begegneten sich die beiden fast täglich und "irgendwann hat's gefunkt", plaudert Martina Wohlgemuth aus der Familiengeschichte. Die Hochzeit fand am 25. August 1934 in Ellefeld statt. Welcher Fotograf das Bild angefertigt hat, ist nicht überliefert.

Mit dem Fotografieren kannte sich auch Ernst Bernhauser aus. Postkarten mit Ellefelder Motiven gab er selbst heraus. In seinem Laden hat er zudem die Fotos fürs ganze Dorf entwickelt. Dafür zog sich Ernst Bernhauser immer einen ganzen Tag in seine Dunkelkammer zurück. Unter anderem in der Zeit stand seine Ehefrau im Geschäft hinter dem Ladentisch. Dort verkaufte sie auch, als er während des Zweiten Weltkrieges eingezogen war. Allerdings musste er wegen einer Krankheit nicht an die Front.

Die Großnichte beschreibt Gertrud "Gerti" als eine Frau, die ihren Mann auch bei dessen Arbeit als Vorstand der katholischen Kirche Falkenstein stark unterstützt hat. "Die beiden lebten die Ökumene. Er war streng katholisch, sie evangelisch." Die Religion spielte für Ernst Bernhauser eine so große Rolle, dass er bei Martina Wohlgemuth kontrolliert hat, ob sie regelmäßig den Religionsunterricht besucht. Das Ehepaar selbst hatte keine Kinder, dafür aber viele Neffen und Nichten. Martina Wohlgemuth erinnert sich daran, dass die Bernhausers bei ihren Verwandten sehr beliebt waren, weil sie immer für alle da waren.

Das Geschäft, zu dem auch eine kleine Bücherei gehörte, bestand bis 1978. Zu DDR-Zeiten mussten allerdings Bücher wie die der Autoren Hedwig Courths-Mahler und Hans Dominik entfernt werden. Courths-Mahler galt als "Kitschautorin". Ihre Romane waren bis 1989 verboten.

Ernst und Gertrud lebten im Haus an der Lindenstraße bis zu ihrem Tode. Der Mann starb 1981 im Alter von 68 Jahren, seine Ehefrau überlebte ihn um 20 Jahre. Sie wurde 86 Jahre alt. Das Gebäude an der Lindenstraße steht heute noch und ist bewohnt. Der Laden ist verwaist.

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