Die "Einflugschneise" ins Vogtland

Die A 72 ist jetzt 80 geworden. Wer an ihr wohnt, auf ihr fährt und auf ihr arbeitet, kann Geschichten erzählen. Heute: Maria Rank. Sie gehört zu den rund 12.000 Menschen, die täglich in die Region pendeln.

Rodewisch/Chemnitz.

11.999 Menschen pendeln zum Arbeiten ins Vogtland. Diese Zahl nennt die Statistik für 2017. Die meisten der Pendler dürften über die A 72 in den südwestlichsten Landkreis Sachsens "einfliegen". So auch Maria Rank. Auf ihrer Fahrt ins Vogtland für sie immer wieder der markanteste Moment: wenn sie kurz nach der Abfahrt Zwickau-West den Gasthof Voigtsgrün passiert. Von dort aus breite sich das Vogtland vor einem aus, schwärmt die 34-Jährige. "Diesen Blick genieße ich täglich aufs Neue", ergänzt sie.

Seit fast sieben Jahren pendelt Maria Rank von Chemnitz nach Rodewisch. Als sie Anfang 2012 die Öffentlichkeitsarbeit am Sächsischen Krankenhaus übernahm, dachte sie zunächst, das sei nur eine Übergangslösung - wegen der Entfernung. 70 Kilometer hin, 70 Kilometer zurück - und das mit einem 30-Stunden-Pensum mindestens an vier, manchmal fünf Tagen pro Woche. Inzwischen wohnt sie mit ihrem Mann und dem dreijährigen Sohn in einer Kleinstadt nördlich von Chemnitz. Dort hat die kleine Familie erst kürzlich ein neues Eigenheim bezogen.

Die Entfernung ist die gleiche geblieben, nur die Wege seien nun besser koordiniert: "Mein Tag ist durchgeplant", erklärt Rank. Kindergarten, Arbeit, Kindergarten - zeitliche Spielräume gebe es da kaum, denn bis 17 Uhr muss der Junior abgeholt sein. Morgens um 7.45 Uhr gibt sie ihn in der Kita ab. Wenn alles glatt geht, schafft sie die einfache Fahrt anschließend in 45 Minuten.

"Das ist schon eine ganz schöne Entfernung", sinniert die junge Frau. Doch sie werde dafür "entlohnt" - mit einem Job, der sie erfüllt. "Ich arbeite sehr gern hier. Und es gab noch keinen Tag, an dem ich das anders gesehen hätte", sagt sie. Als Pressesprecherin des Landeskrankenhauses ist Maria Rank auch für Marketing, das Bespielen von Online-Kanälen und Veranstaltungsorganisation zuständig. Ursprünglich hatte sie Anglistik, Journalistik und Pädagogik studiert und vorgehabt, in die sozialpädagogische Richtung einzuschlagen. Per Zufall landete sie jedoch in der Pressestelle der Freiberger Universität. Danach kam Rodewisch.

Und dort ist sie als Pendlerin nicht allein. Von insgesamt 650 Mitarbeitern am Landeskrankenhaus würden 145 außerhalb des Vogtlandkreises wohnen, berichtet Maria Rank. Das ist eine Quote von fast 25 Prozent.

Die langen Autofahrten nutzt Maria Rank, um zu entspannen. "Ich nutze die Zeit, um mich übers Radio zu informieren oder Sprachen-CDs zu hören." Nervig werde es nur, wenn sie in den Stau gerate oder umständliche Umleitungen die Fahrzeit verlängern. Dann komme logischerweise ihr eng getakteter Zeitplan ins Wanken. Besonders Freitagnachmittag sei hierfür die Gefahr groß, weil da das Verkehrsaufkommen besonders hoch ist.

Maria Rank ist bewusst, dass die tägliche Fahrt über eine stark befahrene Autobahn auch mit Gefahren behaftet ist. "Das ist das Risiko", sagt sie und erinnert sich: Im Winter habe sie einmal eine brenzlige Situation erlebt. Ein Lkw sei nach links ausgeschert, ohne zu blinken. Es sei glatt gewesen und sie dem Lkw fast drauf gefahren. Rank: "Hätte ich eine Millisekunde später gebremst, dann hätte es gekracht." In solchen Momenten sei die Familie das erste, woran man dann denke.

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