Die Kuhkäs-Könige von Hammerbrücke sind weiblich

Leckeres Essen, eine Tradition aus dem Ort und viele neugierige Menschen: Das waren die Zutaten für das erste Hammerbrücker Kuhkäs-Fest am Samstag. Es entspringt einer alten Geschichte aus dem Dorf.

Hammerbrücke.

Von der Günnel-Liesl erzählt man sich eine Geschichte: Sie setzte sich in ihrem Gasthaus abends zu den Männern am Stammtisch, auf den Beinen die große Schüssel mit ausgedrücktem, im Wasserbad erhitztem Quark, Natron, Salz, Pfeffer, Kümmel und Butter. Sie rührte das Gemisch, schloss die Augen und tat so, als wenn sie schlummert. Die Männer dachten das und erzählten sich so Manches, was nicht für Frauenohren bestimmt war. Doch die Günnel-Liesl bekam natürlich alles mit. Weil die Männer sehr oft sehr lange nicht den Heimweg fanden, wurde auch der Kuhkäs ausgiebig gerührt. Vielleicht ein Grund, warum er so besonders schmackhaft geriet...

Die Günnel-Liesl also machte den besten Kuhkäs in Hammerbrücke und selbst nach ihrem Tod im Jahre 1986 starb er nicht aus, sondern kam und kommt auch heute noch in vielen Familien hin und wieder als traditionelles Gericht auf den Tisch. "Kuhkäs war früher ein typisches Arme-Leute-Essen bei uns im Dorf. Es hat geschmeckt und machte satt. Welche Familie konnte sich denn schon Fleisch leisten außer an bestimmten Feiertagen", sagt Dietmar Schwarzenberger. Er ist in Hammerbrücke der Vorsitzende des Dorfclubs und der wiederum hatte eine Idee: Beim Bahnsteigfest im Juni kündigten Plakate ein Kuhkäs-Fest Ende Oktober an. "Wir dachten uns, dass wir damit dem Leben im Ort einen Schwung geben, die Einwohner zusammenbringen und gleichzeitig eine Tradition pflegen", so Schwarzenberger. So kam es, dass am Samstag das Vereinshaus Schauplatz für die Premiere war.

Selbst die größten Optimisten im Dorfclub hätten nicht gedacht, dass das Kuhkäs-Fest auf so viel Zuspruch stößt. Der Saal war gerammelt voll und acht Personen oder Teams bewarben sich um den Titel "Kuhkäs-König". Sieben auswärtige und deshalb neutrale Juroren hatten die Qual der Wahl. Die meisten Besucher hingegen ließen sich den deftigen Gaumenkitzler ohne Punktevergabe munden. Wer denkt, dass Kuhkäs gleich Kuhkäs sei, der irrt gewaltig. Die oben genannten Zutaten und die Art der Zubereitung sind zwar gleich, der persönliche Pfiff jedoch unterschiedlich: mit oder ohne Kümmel, Kuhkäs pur oder mit einem Gürkchen oder Zwiebelring verziert, streichzart cremig oder etwas fester in der Konsistenz. Udo Schneider beispielsweise reichte den Kuhkäs auf selbstgebackenem mit Fenchel und Kräutern verfeinertem Brot.

Obwohl die Juroren es nicht leicht hatten, mussten sie dann doch die Zunge sprechen lassen. Sie entschieden sich so, dass niemand enttäuscht war: Sieben Teilnehmer belegten den zweiten Platz, obwohl sie auch den ersten verdient gehabt hätten, das Duo Regina Albert und Karina Albert wurden als die "Kuhkäs-Königinnen" gekürt. Ihr Siegerpreis? Ein Liter frische Kuhmilch - für den nächsten Kuhkäs natürlich! Weil die Premiere so gelungen war, lehnte sich Dietmar Schwarzenberger nicht zu weit aus dem Fenster, wenn er versprach: "Im nächsten Oktober gibt es garantiert wieder ein Kuhkäs-Fest."

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