Die Stinkbombe vom Schwammetag

Massen in doppelter Bedeutung: Der Vogtländische Schwammetag lockte am gestrigen Sonntag mehrere hundert Besucher an. In einer Ausstellung wurden mehr als 200 Pilzarten gezeigt. Die Palette reichte von schmackhaft über ungewöhnlich bis hin zu giftig und - stinkend.

Plauen/Falkenstein.

Draußen knallte die Sonne vom azurblauen Oktoberhimmel und drinnen machte Hanfried Greuther ein Gesicht wie nach fünf Tagen Dauerregen. Als der Markneukirchener in die Ausstellung kam, rümpfte er die Nase und hatte trotz des Besucherandrangs freie Bahn. Wer konnte, wich ihm aus, und das aus gutem Grund. Hanfried Greuther trug einen Teller vor sich, bedeckt mit Holzspänen, auf denen ein wundersames Gebilde lag: ein Tintenfischpilz, mit einigen langen Tentakeln wie ein Krake, blutrot und - fürchterlich stinkend.

Als er die schützende Glasglocke lüftete, roch es im ganzen Raum nach mehr noch als einem überreifen Romadur oder Harzer. Hanfried Greuther und seine Frau haben den Geruch sozusagen täglich in der Nase: "Bei uns im Garten wachsen einige Dutzend von diesen Tintenfischpilzen. Anfangs waren es nur ein paar, aber seitdem ich im vergangenen Jahr einen Weg aus Holzhäckseln angelegt hatte, wächst dort eine Unmenge." Ein Trost für ihn und seine Frau: Der Garten ist zum Glück so groß, dass sich für sie immer ein windgünstiges Plätzchen zum Kaffeetrinken findet. Natürlich war der Tintenfischpilz der absolute "Hinriecher" in der vogtländischen Schwammeausstellung, aber Hingucker gab es viel mehr. Für Otto-Pilz-Normalsammler sind Steinpilze, Rotkappen, auch Pfifferlinge und Maronen die absoluten Objekte der Begierde und gerade in diesen Tagen kommt niemand aus dem Wald mit einem leeren Korb. Mykologen - Pilzfachleute - geht hingegen das Herz umso mehr auf, je vielfältiger und rarer Pilzarten sind, die sie allein oder mit anderen Mitgliedern der Vogtländischen Arbeitsgemeinschaft Mykologie bei gemeinsamen Pirschen aufspüren. Für die Ausstellung brachten sie es auf sage und schreibe mehr als 200 Arten, darunter einige, die in der Region nicht allzu oft auftauchen.

Sandra Gruner, Pilzberaterin aus Falkenstein, berichtete, dass dazu beispielsweise der Riesen-Krempentrichterling und der Tonweiße Schüppling gehören - beides keine Speisepilze, bei Fachleuten dennoch begehrt. Gruners Kenntnisse sind gefragt, vor allem in dieser pilzreichen Saison: "Bei mir waren bestimmt schon 40 Leute mit Seidigen Egerlingsschirmlingen und wollten wissen, ob das Champignons sind - nein, obwohl sie sich ähneln." Auch der allgemeinen Annahme, dass Pilze essbar sind, wenn sie von Schnecken angeknabbert sind, widerspricht sie energisch: Was bei den Schleimigen keine Leberschäden hervorrufen kann, weil sie keine Leber haben, hat bei Menschen unter Umständen verheerende Auswirkungen.

Eine Frage, die Sandra Gruner und den anderen Pilzberatern häufig gestellt wurde: Warum gibt es zurzeit eine solche Schwamme-Schwemme? Ihre Antwort: "Wegen der Nässe und der milden Temperaturen. Außerdem ist es so, dass Pilze Bäume, mit denen sie in einer Symbiose leben, schneller und zusätzlich mit Feuchtigkeit und auch Mineralstoffen versorgen. Andererseits erhalten sie dadurch von den Bäumen Kohlenhydrate wie Zucker, die Pilze allein nicht produzieren können, und werden fruchtifiziert", erklärte sie. "Pilzgeflechte gibt es immer. Ich möchte das mit einer Wüste vergleichen: Sie ist trocken, aber wenn sie bewässert wird, kommt es zu einem Blütenmeer. So ist es zurzeit im übertragenen Sinne im Wald."www.freiepresse.de/ ratgeber/essen-trinken/pilzberater

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