Die Vomag als Panzerschmiede

Bomben auf Plauen Vier der 14 Luftangriffe auf Plauen vor 75 Jahren galten dem Maschinen- und Fahrzeughersteller. Ab Ende 1940 hatte er sich zum Rüstungsbetrieb entwickelt.

Plauen.

Bevor die Vogtländische Maschinenfabrik AG (Vomag) vollständig auf Fertigung von Rüstungsgütern umgestellt wurde, fertigte das Werk in der Elsteraue Lkw, Rotationsdruckmaschinen für Tageszeitungen und Bücher, Textil- und Spezialwerkzeugmaschinen.

1941 begann die Herstellung elektrisch gesteuerter Maschinengewehr-Stände für Jagdflugzeuge, die 1942 an eine andere Firma vergeben wurde. 1942 und 1943 stellte die Vomag schwere Zugmaschinen (18-Tonner) her, gab diese Produktion 1944 an einen anderen Hersteller ab. Die Herstellung von 6,5-Tonnen-Lkw sowie modifizierter 3,5- und 4,5-Tonner endete 1944. Die Ersatzteilherstellung für ausgelieferte Fahrzeuge wurde in erheblichem Umfang beibehalten. Die Produktion spezieller Werkzeugmaschinen zum Feinstbohren von Verbrennungsmotoren war neben der Herstellung von Panzern der einzige Fertigungszweig, der sich im Zeitraum von 1942 bis 1945 vergrößerte.

Ende 1940 nahm die Vomag im Stammwerk die Produktion von Panzern auf. Ihre Entwicklung zum bedeutenden Hersteller gepanzerter Fahrzeuge erklärt sich aus dem Verlauf des Zweiten Weltkrieges und aus der wachsenden Bedeutung gepanzerter Fahrzeuge im damaligen Bewegungskrieg: Hatten materielle Verluste während des Russland-Feldzugs bis zur Schlacht von Stalingrad etwa der Ausrüstung von 50 Divisionen entsprochen, so gingen nur in dieser einen Schlacht Ausrüstung und Material von 45 Divisionen verloren. Die deutsche Seite weitete ihre Fertigung aus. Bestehende Panzerwerke wurden erweitert (Henschel & Sohn, Kassel), neue errichtet (Nibelungen Werke St. Valentin, Niederösterreich) und geeignete Hersteller auf Fertigung von Panzern umgestellt (Vomag Plauen, Maschinenfabrik Niedersachsen) sowie Produktionskapazitäten in der okkupierten Tschechoslowakei (Skoda, Pilsen, Böhmisch-Mährische Maschinenfabrik Prag) ausgenutzt.

Der Bau einer Panzermontagehalle der Vomag 1941/42 wurde dem "Adolf-Hitler-Panzerprogramm" zugeordnet. Das wurde 1942 konzipiert und ab Januar 1943 rigoros umgesetzt. Damit konnten Verluste zwar kompensiert und die Fertigung gesteigert werden, doch gelang es zu keinem Zeitpunkt des Krieges, den Produktionsausstoß der Alliierten zu erreichen. 1943 standen den von den USA, Großbritannien und UdSSR produzierten 68.000 Panzern 12.000 aus deutscher Produktion gegenüber. Die Vomag fertigte zunächst Panzer IV in Lizenz der Friedrich Krupp AG, 1373 der Ausführungen F bis J insgesamt. 1943 entwickelte sie den Jagdpanzer V auf der Basis des Panzers IV und war bis Kriegsende mit einem Gesamtausstoß von 1695 Exemplaren dessen Alleinhersteller. Auch in Lieferprogramme des Heeres, der Luftwaffe und der Marine war die Vomag auf vielfältige Weise einbezogen.

Das Plauener Unternehmen war nachweislich die einzige deutsche Panzerfabrik, die mit Auslagerung von Produktionskapazitäten bereits begann, bevor Zerstörungen durch Bomben diesen Schritt erforderlich machten. 50 Prozent der Werkzeugmaschinen für die Herstellung von Kleinteilen wurden im Verlaufe des Sommers 1944 ebenso ausgelagert (zum Beispiel in die Gardinen- und Tüllfabrik Mehltheuer und Actienbrauerei-Keller, Plauen), wie drei Viertel des Sondermaschinenbaues (in die ehemalige Elster-Porzellanfabrik Mühlhausen bei Bad Elster).

Vor dem D-Day - der Eröffnung der Westfront der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 - besaßen die Panzerfabriken im Deutschen Reich und in den von Deutschen kontrollierten Gebieten nur niedrige Zielpriorität. Erst im August, September und Oktober 1944 wurden die meisten großen Panzerfabriken systematisch attackiert.

Die Vomag AG war den Alliierten als Rüstungsbetrieb spätestens seit Ende April 1943 bekannt. Das belegen permanent aktualisierte Objektlisten der alliierten Aufklärung sowie eine Zielinformationskarte, die nach einem Bildflug der britischen Royal Air Force vom 21. April 1943 erstellt wurde. Das Werk in Plauen wurde als "Maschinenfabrik und Werk für gepanzerte Kampffahrzeuge" unter Zielchiffre GN 5020, ab Januar 1945 unter Chiffre GS 5110 B geführt und als "Minor plant in an Industry of major Importance" (kleinere Anlage in einer Branche von großer Bedeutung) bewertet.

Vor Aufnahme Plauener Zielobjekte in die alliierte Angriffsplanung Ende 1944/Anfang 1945 erfolgte mit einem weiteren Bildflug der Royal Air Force vom 20. April 1944 eine Aktualisierung. Trotz der wiederholten Luftaufklärung sowie Aktivitäten von Agenten am Boden blieb es den Alliierten bis zum Eintreffen der US-Infanterie am 16. April 1945 verborgen, wo genau welche gepanzerten Fahrzeuge montiert wurden. Bis zuletzt wurde die Montagehalle der Vomag von den Alliierten als Spinnerei der Sächsischen Zellwolle AG angesehen.

Die Panzerschmiede war neben den Anlagen des Oberen Bahnhofs Hauptangriffsziel in Plauen. Sechs der 14 gegen Plauen gerichteten Bombardements trafen das Vomag-Gelände, wobei das Werk nur bei den Flügen am 17., 19., 21. und 26. März 1945 als Sekundär- oder Primärziel galt. Bei anderen Abwürfen (12. September 1944, 8. April 1945) diente die Vomag als Ausweichziel oder wurde aufgrund ihrer Lage neben Zielen wie dem Unteren Bahnhof oder der Zellwolle getroffen.

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Die Vomag AG in Plauen: Bauliche Erweiterung und Schaffung neuer Kapazitäten ab 1935

Das gesamte Vomag-Werk erstreckte sich während des Zweiten Weltkrieges auf beiden Seiten entlang der Weißen Elster. Es bestand aus 23 Gebäuden, davon 16 Flachbauten und 7 mehrgeschossige Gebäude. Die Gesamtfläche des Werkgeländes betrug 14,2 Hektar. Davon lagen 9,7 Hektar nördlich der Elster, 4,5 Hektar südlich. Von der Gesamtfläche waren rund 46 Prozent bebaut (66.152 m).

Das Hauptwerk. Für das Vomag-Hauptwerk an der Holbeinstraße lassen sich hinsichtlich der Gebäudenutzung während des Krieges keine wesentlichen Änderungen feststellen. Die Gießerei, die Schmiede und die Klempnerei dienten allerdings fast ausschließlich der Panzerproduktion.

Das Feinstbohrwerk. Das sogenannte Feinstbohrwerk wurde zwischen 1939 und 1941 auf dem Terrain westlich der vormaligen Flussbadeanstalt errichtet. Ihm angegliedert waren eine Fräserei sowie Lager und ein Garagenkomplex. Während des Krieges wurde die Zerspanungswerkstatt zur Panzerfertigung genutzt. Mit dem Hauptwerk war das Feinstbohrwerk über zwei behelfsmäßige Fußgängerbrücken über die Elster verbunden. Fahrverkehr erfolgte über die Dürerbrücke auf Höhe Unterer Bahnhof, Dürerstraße und Uferstraße. Es ist davon auszugehen, dass beim Bau der Gebäude höchstmögliche Festigkeit gegenüber Bomben der damals bekannten Art und Sprengkraft berücksichtigt wurde.

Das Reparaturwerk. 1942 errichtete die Vomag am Standort Talbahnstraße einen aus drei Gebäuden bestehenden Neubau in Eisenbeton, in dem Nutzkraftfahrzeuge, vor allem aber beschädigte Panzer instandgesetzt wurden. Kelleranlagen unter zwei Gebäuden dienten Luftschutzzwecken und verfügten über einen Bunkernotausgang.

Die Metallfabrik Vometall. Die zur Vomag AG gehörende Tochterfirma Vometall befand sich auf dem Areal des früheren Vomag-Werks an der Dürer- und Trockentalstraße. Sie stellte Propeller und Getriebe vor allem für Sturzkampfflugzeuge her. Die für die Produktion notwendigen Gebäude wurden 1938-1939 errichtet.

Die Panzerhalle. Die sogenannte Panzerhalle wurde südwestlich des "Weißen Stein" bis zur Leuchtsmühle errichtet. Die ebenerdige Halle zur Fließband-Endmontage von Nutzfahrzeugen wurde sofort nach Fertigstellung im Herbst 1942 zur Endmontage und Prüfung des Panzerkampfwagens IV genutzt. Am 11. Januar 1944 lief der seit November 1943 montierte erste Jagdpanzer IV (V) vom Band. An der Nordwest-Seite der 180 x 100 Meter großen Halle war ein viergeschossiges Verwaltungsgebäude angebaut. Südwestlich schloss sich ein separates Gebäude - die bei Kriegsende nicht vollständig fertig gestellte neue Härterei - an. Von der Grundfläche der Panzerhalle waren 45 Prozent unterkellert. Sie war als Stahlbetonbau mit einem leichten Fachwerkbinderdach errichtet. Das erwies sich, wie kalkuliert, als hinreichend widerstandsfähig gegen die Wirkung von Sprengbomben und effektiv für die rasche Wiederaufnahme der Produktion nach Luftangriffen. In der Panzerhalle wurde bis 26. März 1945 produziert. Hofbereiche und Randflächen der Gebäude waren mit bis zu 60 Zentimeter mächtigen Betondecken versiegelt. Die Panzerhalle erhielt über ein verlängertes Rangiergleis südlich der Gießerei des Hauptwerkes Bahnanschluss. Dazu wurde die noch heute existierende Panzerbrücke über die Elster gebaut. (gern)


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