"Digitalisierung ist unverzichtbar"

Daniel Hirsch, Chef des vogtländischen Regionalbauernverbandes, spricht über Probleme der Landwirte

Seit einem Jahr steht Daniel Hirsch, Vorsitzender der Agrargenossenschaft "Am Kuhberg" aus Coschütz, an der Spitze des Regionalbauernverbandes Vogtland. Kürzlich traf sich der Verband zur Jahreshauptversammlung. Silvia Kölbel fragte den Verbandsvorsitzenden aus diesem Anlass, welche Themen die Landwirte zurzeit am meisten beschäftigen.

Freie Presse: Mit welchen Problemen hatte die Landwirtschaft 2018 zu kämpfen?

Christoph Ulrich

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Daniel Hirsch: Das größte Problem war voriges Jahr die Dürre. In einigen Betrieben stand bis zu 60 Prozent weniger Futter zur Verfügung als in durchschnittlichen Jahren. Überdurchschnittlich viele Schlachtungen mit Preisverfall waren die Folge. Für viele Berufskollegen ist außerdem die Art und Weise, wie in Deutschland über Themen wie Insektensterben, Glyphosateinsatz oder Tierwohl diskutiert wird, zunehmend ein Problem.

Wie beeinflusst die Preisbildung des Lebensmitteleinzelhandels die Einkommenssituation in der Landwirtschaft?

Negativ. Der Berufsstand der Landwirte ist von der Lohnentwicklung in Deutschland längst abgehängt. Das Üble an der Preispolitik des Einzelhandels ist, dass das Geld nicht mit, sondern an der Landwirtschaft verdient wird. Landwirtschaft und Einzelhandel begegnen sich nicht auf Augenhöhe. Die Verbraucher sind teilweise bereit, für regionale Produkte mehr zu zahlen. Doch von "Mehr" kommt beim Landwirt nur ein Siebtel an. Das ist zu wenig.

Welche Bedeutung hat schnelles Internet (Breitband) für die Landwirtschaft?

Um die Digitalisierung und damit den Fortschritt in der Landwirtschaft nutzen zu können, brauchen wir den Breitbandausbau. Ein Beispiel: Seit vorigem Jahr können die Landwirte ihre Förderanträge nur noch übers Internet bearbeiten und übermitteln. Die Kapazität der vorhandenen Anschlüsse reicht an manchen Orten aber gar nicht aus, um so große Datenmengen zu verarbeiten. Der Breitbandausbau ist für die gesamte ländliche Region unverzichtbar. Es geht um gleichwertige Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land.

Welche Konsequenzen hat der hohe Flächenverbrauch in Sachsen von 4,3 Hektar pro Tag für die Landwirtschaft?

Die Aufgaben, die wir auf landwirtschaftlichen Flächen realisieren sollen, wachsen ständig. Neben der Produktion von Lebensmitteln stehen die Forderungen des Bodenschutzes, des Wasserschutzes, des Naturschutzes und dabei insbesondere des Insektenschutzes im Raum. Die Flächen, die uns zur Umsetzung dieser Aufgaben zur Verfügung stehen, werden jedoch jedes Jahr weniger.

Welche Forderungen der Landwirte sollten aus Ihrer Sicht in der neuen Förderperiode der EU nach 2020 unbedingt berücksichtigt werden?

Es geht vor allem um die Forderungen der Gesellschaft an uns Landwirte. Grundsätzlich sind wir bereit, Forderungen zu erfüllen. Wenn es gewünscht wird, legen wir beispielsweise auch die Hälfte unserer Flächen still und stellen sie dem Naturschutz zur Verfügung - vorausgesetzt, wir bekommen das bezahlt. Ich rede hier aber nicht von einem Ausgleich, sondern davon, dass wir als wirtschaftliche Unternehmen Gewinn erzielen müssen. Die Finanzierung dieser gesellschaftlichen Forderungen wiederum muss Bestandteil der Förderrichtlinien sein.

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