Diskussion übers Kreuz mit dem Kreuz

Bei einem Podiumsgespräch haben sich gestern in der Auerbacher Schloss- arena Vertreter von Kirche und Staat über die Bedeutung beider Einrichtungen unterhalten.

Auerbach.

Was darf und soll der Staat leisten, was die Kirche? Wo sind Grenzen gesetzt? Fragen wie diesen hat sich Sonntagmittag ein Podiumsgespräch gewidmet. Es fand im Anschluss an den gemeinsamen Open-Air-Gottesdienst der Auerbacher Kirchgemeinden in der Schlossarena statt. Reichten die 500 Stühle während der ersten Veranstaltung nicht aus, blieb zum Thema "Mit Christen Staat machen? - 100 Jahre Trennung von Kirche und Staat" noch knapp die Hälfte des Publikums sitzen.

Für Auerbachs parteilosen Oberbürgermeister Manfred Deckert existiert keine klare Trennung. "Kirchliche Einrichtungen sind Bestandteil unserer Stadt", sagte er. Dennoch würden freie Kindertagesstätten und Schulen in geringerem Umfang von Landesmitteln profitieren als staatliche, sprach Moderator Thomas Arnold von der Katholischen Akademie im Bistum Dresden-Meißen einen wunden Punkt an. Sören Voigt aus der Nachbarkommune Falkenstein räumte in seiner Funktion als CDU-Landtagsabgeordneter Nachholbedarf ein. Freie Schulen würden sehr gut angenommen, entgegnete er. "Das muss uns zu denken geben." Er hält es für notwendig, die Bedingungen endlich anzugleichen.


Rückläufige Kirchgemeinde-Mitgliederzahlen betrachten weder Manfred Deckert noch Sören Voigt als ein Indiz für mehr Abstand vom Glauben. "Wir haben generell in den Städten und Gemeinden immer weniger Einwohner", argumentierte Deckert und stellte Zahlen gegenüber: Wohnten in Auerbach samt heutiger Ortsteile 1990 noch mehr als 25.000 Menschen, sind es gegenwärtig etwa 18.400. "Wir müssen Antworten finden, wie wir weggezogene Leute zurückholen und qualifizierten Zuzug organisieren", positionierte sich Voigt.

Als etwa genauso wichtig wie steigende Einwohnerzahlen schätzten alle Diskussionsteilnehmer von Respekt und Achtung geprägtes Miteinander ein. "Das geht in der heutigen Zeit zunehmend verloren", sagte der Oberbürgermeister. Dies bestätigte die mit 19 Jahren Jüngste in der Runde. "Es ist erschreckend, wie wenig Respekt Kinder teilweise vor einer 60-jährigen Lehrerin haben. Und wie sie miteinander umgehen", sagte Christin Hermann. Sie ist Mitglied der Jungen Gemeinde und absolviert ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in einer Förderschule. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas meinte dazu: "In öffentlichen Gebäuden muss kein Kreuz hängen. Wir müssen Werte im Alltag ausleben." Und vorleben, hakte Sören Voigt ein. Wenn nötig, auch Strafen verhängen, ergänzte Magwas.

Eine klare Meinung vertrat Magwas auch zum Paragraf 219a. Werbung für Schwangerschaftsabbrüche müsse verboten bleiben, sagte Magwas, die seit wenigen Monaten selbst Mutter ist. "Das ist für mich eine rote Linie. Wir haben ein gutes System von Beratungsstellen. Die machen eine ergebnisoffene Beratung, und Frauen können am Ende selbst entscheiden." Allerdings müsse dennoch der Einzelfall betrachtet werden. Bei diesem Einwand pflichtete ihr Nikola Schmutzler bei. Sie ist Pfarrerin der evangelischen Sankt-Laurentius-Kirchgemeinde Auerbach und hatte zuvor die Predigt gehalten. "Bei jeder Abtreibung wird ein Mensch getötet", sagte sie. "Es gibt aber auch Fälle, wo es genehmigt werden muss."

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