Dorf-Hochzeit vor dem Aus?

Warum die Einheitsgemeinde zwischen Theuma und Tirpersdorf zu scheitern droht - die Bürgermeister geben Auskunft.

Theuma/Tirpersdorf.

Dass der 1.Januar als avisierter Termin für die Gründung der Einheitsgemeinde zwischen Theuma und Tirpersdorf nicht zustande kommt, steht mittlerweile fest - aber sonst nicht viel. Die Bürgermeister Ulrich Sörgel (SPD, Theuma) und Reiner Körner (parteilos, Tirpersdorf) wollten zwar weiter Gespräche mit den Bürgern führen, aber einen Zwang empfänden sie nicht, sagten sie jetzt im Gespräch mit "Freie Presse". Es stehe ja schließlich keine verordnete Gebietsreform vor der Tür.

"Unser Zusammenschluss wäre freiwillig und zukunftsweisend", glaubt Körner. Doch vor allem die Theumaer haben wohl Bedenken, untergebuttert zu werden. "Hätten unsere Vorfahren auch gedacht, dass alles immer beim Alten bleiben soll, es hätte sich nie etwas geändert", lautet Körners pragmatische Begründung. Als selbstständiger Spediteur sei er taktisches Agieren gewöhnt und müsse auch beruflich an das Morgen denken, sagt der ehrenamtliche Tirpersdorfer Bürgermeister. Amtskollege Sörgel kennt das Anwenden von Strategien und Diskutieren wiederum vom Fußballplatz, wo der ehemalige Lehrer regelmäßig als Schiedsrichter steht.

Beiden Ortschefs ist klar, dass die Theumaer und Tirpersdorfer durch die Hochzeit ihre Eigenständigkeit verlieren würden, beide gewännen aber auch dazu. Im Falle der aufgrund des Turnhallenbaus in der Kreide stehenden Kommune Theuma mit ihren über 1000 Bürgern würde sich die Pro-Kopf-Verschuldung halbieren. Gewerbetreibende müssten wegen niedriger Hebesätze zudem weniger Steuern zahlen. Denn dem weniger Einwohner aufweisenden Tirpersdorf geht es finanziell prächtig. Das Argument allein zähle jedoch nicht. Im Gegenteil, würden doch im Netz Parolen wie "deimisch und frei" kursieren. Sörgel sagt, das habe er gehört.

Der nächstmögliche Stichtag für die Eheschließung der Orte zu einer Gemeinde Jägerswald ist nun der 1.Januar 2020. Zuvor findet aber am 26. Mai nächsten Jahres die Kommunalwahl statt. Das könnte laut Reiner Körner eine Chance sein: " Neue Gemeinderäte haben vielleicht auch neue Gedanken", so der Unternehmer aus Lottengrün. Ein neuer Termin für die jüngst abgesagte Bürgerversammlung werde anberaumt, wenn die Richtung klar ist, in welche die Gemeinden gehen wollen. Beschlossen werde ohnehin erst, wenn alle Fragen umfassend beantwortet sind. Als in den Jahren 2010 und 2011 erste Gespräche zur Einheitsgemeinde liefen, hätte es eine "Hochzeitsprämie" von 500.000 Euro gegeben. Auf diese Mitgift des Freistaates Sachsen können die Kommunen nicht mehr hoffen.


Kommentar: Reisegestoppt

Vergleicht man die mögliche Einheitsgemeinde von Theuma und Tirpersdorf mit einer Reise, die schon gut Fahrt aufgenommen hat, dann wird die jetzt abrupt gestoppt. Warum? Jemand zieht die Notbremse, obwohl es kein sichtbares Hindernis auf der Strecke gibt. Die durcheinandergewirbelten Passagiere und Reisebegleiter werden sich vom Schreck erholen. Vor allem aber werden sie spekulieren, was denn eigentlich los war. Bestimmt etwas Schlimmes, so wird getuschelt. Bei aller Vorsicht und mancher Reiseangst: Wer nicht vorankommt, verpasst naturgemäß irgendwann den Anschluss.

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