Ein Hauch Alaska in Gottesberg

Mit Manfred Schröter hat sich ein Mann im Vogtland niedergelassen, der nicht nur Abenteuer in Nordamerika liebt, sondern auch Filme darüber dreht. Aber nicht nur deshalb hängt am Haus eine Kanada-Flagge.

Das Filmteam, als der Grobschnitt fertig war: Regisseur Peter Welsch (rechts) und Kameramann Manfred Schröter mit ihren Frauen Sylvia Schröter (links) und Sylvia Welsch.
Als Entdecker unterwegs Ende des 18. Jahrhunderts für die Northwest Company: Szene aus Spielfilm "Auf dem Weg nach Fort Welsh". Kameramann Manfred Schröter übernahm darin selbst eine kleine Rolle - er sitzt vorn im Bug.

Für Sie berichtet: Thorald Meisel

Die Kanada- Flagge am Haus in der einstigen Bergbausiedlung Gottesberg ist nicht zu übersehen. Ebenso wenig das Tipi im Garten, nahe der Kleinen Pyra. Ein Hauch von Klondike, der echt ist: Hier wohnen seit einem Jahr Sylvia und Manfred Schröter. Zwei, die das Abenteuer lieben - und vor wenigen Tagen mit im Mittelpunkt einer Filmpremiere standen.

Am Anfang war eine Idee: Einen zehnminütigen Werbefilm wollte Regisseur Peter Welsch für den in Meiningen ansässigen Geschichtsverein Green Heart Voyageurs drehen. Dessen Mitglieder bauen im thüringischen Wallbach mit Fort Welsh ein Museum auf. Als Kameramann wollte er Manfred Schröter haben. Der Rheinländer schwärmt seit seiner Kinderzeit als Karl-May-Fan für Nordamerika und hat selbst schon den Yukon befahren.

Genau darum sollte es gehen: Der Streifen spielt Ende des 18. Jahrhunderts im Nordamerika der Trapper und Indianer - also zu jenen Zeiten, die ein James Fenimore Cooper (1789-1851) mit seiner Lederstrumpf-Romanen einem Massenpublikum erschlossen hat. Im Mittelpunkt von "Auf dem Weg nach Fort Welsh" steht der Schweizer Ueli Manser, der für einen im Aufbau befindlichen Handelsposten die Wege erkunden soll. Parallel dazu wird die Geschichte von Katharina Sandort erzählt, die mit ihrer Zofe Babette zu ihrem Ehemann aufbricht, der Fort Welsh mit aufbaut.

"Die Dreharbeiten haben letztlich fünf Jahre gedauert - mit mehr als 50 Laiendarstellern aus Deutschland, der Schweiz, der Tschechischen Republik und Frankreich. Gedreht haben wir an zehn verschiedenen Orten in den unterschiedlichsten Ländern - bis hin nach Schottland und dem Yukon-River in Kanada und Alaska", erzählt Manfred Schröter. Aus der Idee wurde ein abendfüllender Spielfilm, der kürzlich in Meiningen seine Premiere hatte.

Filmtechnisch fertig gestellt wurde "Auf dem Weg nach Fort Welsh" letztlich im vogtländischen Gottesberg. Dort hatten sich Schröter und seine aus dem Erzgebirge stammende Frau Sylvia ein Haus gekauft, das sie nebenher noch umbauen.

Wie lange sie über dem Film saßen, haben beide nicht gezählt. Regisseur Peter Welsch, einst Stuntman und nach seinem Studium Kameraassistent in Hollywood-Produktionen wie "Indiana Jones" oder "Mad Max", und dessen Frau, die auch Sylvia heißt, kamen oft zur Postproduktion vorbei. Dabei gab es gelegentlich auch heftige Debatten. "Man lernt immer dazu", sagt Schröter im Rückblick. Am Ende stand der Erfolg. "Ein absolut großartiger Film, eine Pflicht- und Lehrstunde für alle Hobbyisten und aktiven Reenactors", so Dietmar Kügler, Verleger das Magazins für Amerikanistik.

Neben der Arbeit am Spielfilm hat Manfred Schröter inzwischen zwei weitere Streifen produziert. 2013 und 2014 war er selbst mit seinem Freund Joachim Kreuzer auf dem Yukon den Spuren der alten Entdecker gefolgt. "Wir wollten die einstigen Routen der Pelzhandels- gesellschaften zu Wasser befahren", erläutert er den Plan. Zwei Jahre hatten sie sich darauf vorbereitet. Unterwegs waren sie in Kleidung und Ausrüstung, die dem Stil des 18. Jahrhunderts entsprach - ohne jegliche Annehmlichkeiten der Zivilisation. "Das hat uns nicht nur Aufmerksamkeit eingebracht, sondern auch viel Anerkennung", sagt er.

Auch wenn sie letztlich ihr eigentliches Ziel, die Fahrt bis zur Beringsee, aufgeben mussten - es war für beide ein prägendes Erlebnis. Die daraus entstandene DVD "Auf den Spuren der alten Ent- decker" präsentiert nicht nur für Mitteleuropäer einzigartige Naturaufnahmen der Wildnis zwischen Kanada und Alaska. Dazu gibt Szenen aus Dawson-City, das 1886 zu Beginn des legendären Klondike-Goldrauschs gegründet wurde, und durch Jack London (1876-1916) Eingang in die Weltliteratur fand.

2016 entstand der Film "It's Indian Time". Dazu war Manfred Schröter mit seiner Frau Sylvia vier Wochen unterwegs - mit einem kleinen Mietwagen, e Zelt, Kartenmaterial aus Tourist-Infos und ohne technischer Ausrüstung. "Teils ließen wir uns treiben, teils folgten wir Tipps Einheimischer - immer gespannt, was uns der nächste Tag wohl bringt."

Unterlegt ist die Reisereportage mit Titeln von am Yukon groß gewordenen Folkmusikern wie Al Oster und Hank Karr sowie dem Neu-Kanadier Driftwood Holly. Letzterer heißt eigentlich Holger Haustein und stammt aus Oberwiesenthal. "Freie Presse" hatte im Januar über ihn und seine Musikprojekte mit dem tschechischen Geiger Pavel Osvald und Silly-Bassisten Jäcki Reznicek berichtet.

Gottesberg wird nach den Plänen von Sylvia und Manfred Schröter bei Filmproduktionen in den nächsten Jahren öfters ein Thema sein. In Kürze soll neben dem Schnittstudio ein mit Kinostühlen ein bestuhlter Filmvorführraum mit einer drei Meter breiten Leinwand zur Verfügung stehen. Peter Welsch steht dabei weiter als Regisseur und 2. Kameramann zur Verfügung.

www.maschindian- filmproduktion.de

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