Ein Lindwurm im kühlen Grund

Im Vogtland gibt es spannende Orte, über die in Führungen Bemerkenswertes erzählt wird - die "Freie Presse" nimmt ihre Leser mit auf Entdeckungstour. Heute: die Drachenhöhle in Syrau.

Syrau.

Wie war das jetzt mit den Stalaktiten? Oder sind das doch Stalagmiten, auf die Heidrun Bauer deutet? "Stalaktiten sind die von der Decke hängenden Tropfsteine", sagt die Chefin der Drachenhöhle in Syrau. Sie deutet auf ein Exemplar in der "Schatzkammer", einem Teil der Höhle mit besonders prächtigen Tropfsteinen. Stalagmiten sind die, die vom Boden her wachsen.

Touren durch die Drachenhöhle in dem Rosenbacher Ortsteil sind ein absoluter Klassiker unter den Führungen im Vogtland. Seit die Grotte vor 90 Jahren zufällig durch einen Steinbrucharbeiter entdeckt wurde, haben rund sieben Millionen Menschen die einzige Schauhöhle Sachsens besucht. Trotz des Namens haben sie dort übrigens keinen waschechten Drachen entdeckt - noch nicht. Der Zustrom aus nah und fern reißt dennoch nicht ab. Auf dem Parkplatz stehen Autos mit Dresdner, Berliner, Leipziger und Brandenburger Kennzeichen.

Zurzeit sind die Führungen durch die 350Meter lange Höhle besonders gut besucht. Dies liegt sicherlich an den Schulferien in einigen Bundesländern - und an der Affenhitze. Bei Außentemperaturen kontinuierlich über 30 Grad Celsius ist es im Syrauer Untergrund mit 10 Grad kuschelig kühl. Wann immer zurzeit eine Gruppe auf den Stufen abwärts steigt: Nach wenigen Augenblicken ist ein erleichtertes Aufatmen zu hören.

Doch die Drachenhöhle hat viel mehr zu bieten als angenehm kühle Temperaturen: einen 42 Meter langen unterirdischen See, in dessen kristallklarem Wasser sich die Lichter spiegeln. Eine Leiter, die in einem weiteren See manchmal Tauchern den Weg weist. Tiere, die sich allerdings nur spärlich blicken lassen. "Es soll hier 42 verschiedene Arten geben", weiß es Heidrun Bauer ganz genau. "Ich hab selbst aber nur fünf bis sechs gesehen." Fledermäuse waren darunter, Asseln und vielleicht gar ein Höhlenflohkrebs. Doch die Stars in 16 Metern Tiefe sind eh nicht die Tiere, sondern die Tropfsteine. Die gibt es in allen Formen und Größen. Mit Stalaktiten und Stalagmiten ist es nämlich noch lange nicht getan. Wenn die zwei von oben und unten zu einer Säule zusammenwachsen, nennt sich das Ganze Stalagnat. Wenn sie sich seitwärts entwickeln - ja, auch das gibt's - Excentriques. Es gibt noch mehr verschiedene Arten. Heidrun Bauer kennt alle. Und zeigt sie den großen und kleinen Besuchern.

Ob die alle Fachausdrücke im Gedächtnis behalten, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Doch Justus, den können sich vor allem die Kinder gut merken. So hat man nämlich den Drachen genannt, der einst in der Höhle gehaust haben soll. Neben einer großen grünen Statue am Ausgang der Grotte ist er vor allem bei der Lasershow präsent, einer der absoluten Höhepunkte der Tour. Lichtstrahlen in allen Farben des Regenbogens malen die spannende Geschichte des wilden Drachen, dem einst ein junges Mädchen geopfert werden sollte. Ihr Freund rettete seine Herzdame, indem er dem Drachen eine Mistgabel durchs Herz bohrte. Die Nibelungensage auf Vogtländisch halt.

Die leuchtende Vorführung trifft offenbar den Geschmack der kleinen Gäste. "Ich fand die Lasershow am tollsten", sagen Mila (8Jahre) und Leni (6 Jahre) mit glänzenden Augen nach der Führung. Die beiden Schwestern machen mit ihren Eltern Verena und Tobias Könning in der Region Urlaub. Die Familie stammt aus Mainz. In der Drachenhöhle war tatsächlich für jeden etwas dabei. Tobias Könning, selbst aktiver Taucher, hatte es die Leiter angetan, deren Sprossen ins Wasser hineinreichen. "Und ich fand die Gardinen am schönsten", ergänzt Verena Könning. Womit nicht die Einrichtung des Eingangsgebäudes gemeint ist. Gemeint sind prächtige Tropfsteingebilde, die im Laufe von Jahrtausenden an den Felswänden entstanden sind. Tatsächlich erinnert ihre Form an Gardinen.

Abkühlung hin oder her: Vor allem die zahlreichen Tropfsteine in unterschiedlichster Gestalt machen den Besuch der Drachenhöhle zu einem spannenden Ausflug.


Was beim Besuch der Drachenhöhle zu beachten ist

Führungen: Von April bis Oktober finden täglich von 9.30 bis 17Uhr Führungen statt. Diese dauern eine Stunde. Von Februar bis März hat die Höhle dann von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Preise: Erwachsene zahlen 8 Euro Eintritt, Kinder von vier bis 14 Jahren 5,50Euro. Unter vier Jahren kostet es nichts. Wer fotografieren will, muss zusätzlich 2,50Euro berappen.

Kleidung: Die Höhlentemperatur beträgt 10 Grad Celsius. Deshalb sollte man eine Jacke dabei haben. Da es sich um eine Tropfsteinhöhle handelt, ist es meist sehr feucht - und stellenweise rutschig. Deshalb wird festes Schuhwerk empfohlen.

Tiere: Das Mitführen von Tieren ist nicht erlaubt. Ausgenommen sind Blindenhunde.

Anfahrt: Die Drachenhöhle befindet sich im Rosenbacher Ortsteil Syrau, fast direkt an den Bundesstraße 282, wenige Kilometer von Plauen entfernt. Da zahlreiche Schilder den Weg weisen, ist sie leicht zu finden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...