Einkaufszentrum Bendelstein: Mieter wollen schnelle Lösung

Nach der Kündigung des Rewe-Marktes zum Jahresende ist die Verunsicherung bei Kunden und Gewerbetreibenden groß. Die Stadt trage eine Mitschuld an der Situation, meinen Betroffene.

Auerbach.

Die gute Nachricht zuerst: Die Vogtland-Apotheke im Einkaufszentrum an der Reumtengrüner Straße bleibt offen. "Unser Mietvertrag läuft bis Ende 2023, und wir wollen auch in Zukunft nicht weg", versichert Inhaber Detlef Löscher. Nach dem Bericht über die voraussichtlich zum Jahresende anstehende Schließung des Rewe-Marktes, der das Herz des Zentrums bildet, kämen täglich verunsicherte Menschen in seine Apotheke: "Manche weinen", so Löscher. Das sei nachvollziehbar, weil 80 Prozent der Menschen hier im Rentenalter seien, etliche schwerbehindert, viele ohne Auto.

Trotz vieler treuer Stammkunden brauchen Detlef Löscher und Ehefrau Kristina auch die Laufkundschaft, die bei Marktschließung wegfällt. Deshalb wünschen sie sich schnelle Entscheidungen dazu, wie es mit dem heruntergewirtschafteten Zentrum weitergehen soll. Nach ihren Informationen steht ein Investor in den Startlöchern, der einen neuen Markt bauen will. Und zwar an Stelle der benachbarten Halle, die schon lange leer steht. Das Problem: Vor drei Jahren gab es ähnliche Pläne. Daraufhin erließ die Stadt eine Veränderungssperre, die vor kurzem bis Dezember 2019 verlängert wurde. Das Projekt platzte, das Einkaufszentrum dämmerte weiter vor sich hin. Für die Löschers ist klar: Das Zentrum am Bendelstein wird zugunsten der Innenstadt benachteiligt. "Laut Einzelhandelskonzept gilt ja fast jedes Gewerbe als innenstadtrelevant und darf deshalb nicht hierher", sagt Detlef Löscher.


Tatsächlich sollen sich laut Konzept lediglich Anbieter von Nahrungs- und Genussmitteln, Drogeriewaren, Apothekerwaren, Schnittblumen, Zeitschriften und Schreibwaren am Bendelstein ansiedeln. "Dabei könnten wir zum Beispiel einen Optiker gut gebrauchen - stattdessen sind fünf in der Innenstadt", sagt Löscher. "Im Rathaus sagt man uns nur: Euer Gebiet ist das Filetstück, und den Markt wird es immer geben." Doch von einem Filetstück könne man längst nicht mehr sprechen. Und ob und wie es weiterhin einen Markt gebe, sei jetzt offen. "Wir fühlen uns abgehängt, Unterstützung aus dem Rathaus haben wir nie bekommen", sagt Detlef Löscher. Jetzt müsse die Stadt endlich handeln, statt weiter zu verhindern. Von seiner Kritik nimmt er Bauamtsleiter Patrick Zschiesche ausdrücklich aus. Zschiesche bekräftigte gegenüber "Freie Presse" die Notwendigkeit einer Neuordnung des Einkaufszentrums, bei der man eine "Mitte" finden müsse zwischen den Interessen des Neubaugebiets und denen der Innenstadt.

Außer der Apotheke gibt es im Zentrum derzeit Auerbachs einzige Kinderarztpraxis, außerdem Blumenladen, Reisebüro und Logopädie. Sie alle wollten bleiben, sagt der Apotheker. Das bekräftigt Kinderärztin Angela Ungethüm. "Ich fühle mich hier wohl, es würde mir schwer fallen, wegzugehen", sagt die Medizinerin. "Hier habe ich optimale Bedingungen." Ihr ist "schleierhaft", was ohne Lebensmittelmarkt aus dem Neubaugebiet werden soll. "Es wohnen so viele alte Menschen hier - wo sollen die einkaufen?" Die Stadt müsse aktiv werden: "Es wäre schade, wenn die Chance verschlafen würde, hier oben etwas zum Guten zu ändern."

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