"Ellefelder Hof" soll als "Blaue Donau" auferstehen

Ein Berliner Bauunternehmer mit jugoslawischen Wurzeln hat große Pläne mit dem heruntergekommenen Objekt. Und im Inneren des Gebäudes ist in den letzten Monaten eine Menge passiert.

Ellefeld.

Von außen sieht man mehrere neue Fenster, Bauschutt, der neben dem Gebäude lagert, und immer wieder einen Mercedes mit Berliner Kennzeichen, der am "Ellefelder Hof" parkt. Das Auto gehört Branko Radulovic (67), Manager der Firma HGS Invest. Diese Gesellschaft hat im vergangenen Jahr die heruntergekommene Immobilie im Ellefelder Ortszentrum erworben - seitdem klotzen die Leute des Bauunternehmers im Inneren kräftig ran. "20 Container Müll haben wir rausgeschafft", sagt Radulovic. Und das Wasser habe an einigen Stellen "einen halben Meter hoch" gestanden: "Es war eine Katastrophe. Aber ich habe keine Angst vor solchen Herausforderungen." Sein großes Ziel: Er will den "Ellefelder Hof" in alter Pracht wieder auferstehen lassen - als Hotel mit Restaurant und Café, so wie es einst war. Er kann nicht verstehen, dass im Zusammenhang mit dem Gebäude immer wieder von Abriss gesprochen wird: "Warum soll man etwas abreißen, was man sanieren kann?"

Inzwischen habe man den Verfall gestoppt und vieles in Ordnung gebracht, sagt der Unternehmer, und führt gern durch die Räume. Tatsächlich bieten Flure und Zimmer zum Großteil wieder einen freundlichen, hellen Anblick - kein Vergleich mit dem Zustand vor einem Jahr. Der Raum für das Restaurant im Erdgeschoss ist weitgehend saniert, das Café Tiffany im ersten Obergeschoss scheint schon auf Gäste zu warten. Es soll auch künftig so heißen, sagt Radulovic. Hotel und Restaurant will er unter dem Namen "Blaue Donau" bewerben. "Die Deutschen lieben die Donau", meint der Unternehmer. Auch seine Heimat liegt an diesem Fluss: Er stammt aus der einst jugoslawischen, heute zu Serbien gehörenden Region Vojvodina. Noch zu jugoslawischen Zeiten kam Radulovic nach Berlin (West). Ins Vogtland verschlagen hat ihn die Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Unternehmen, das zuletzt Eigentümer des "Ellefelder Hofes" war.

Der Wahl-Berliner zeigt sich beeindruckt von der Region: "Das Vogtland ist eine der schönsten Gegenden Deutschlands - das wissen die meisten noch nicht." Und mit den Vogtländern komme er prima aus, wenn die anfängliche Zurückhaltung überwunden sei. Radulovic ist überzeugt, dass es Bedarf für sein Hotel und Restaurant gibt, man müsse es nur mit dem richtigen Konzept aufziehen. Also zum Beispiel frisch zubereitete Speisen zu moderaten Preisen anbieten. Schon im Herbst will er seine "Blaue Donau" eröffnen.

Ellefelds Bürgermeister Jörg Kerber (parteilos) spricht von einem "interessanten Projekt": "Herr Radulovic hat viele Ideen - ich hoffe, es wird was draus." Da der "Ellefelder Hof" im Sanierungsgebiet liege, sei eine Förderung möglich. Zuversichtlich stimmt den Bürgermeister auch die Tatsache, dass der Unternehmer an etlichen kritischen Punkten im Gebäude massiv mit Beton gebaut hat: "Das macht man nur, wenn das Interesse echt ist."


Bewegte Geschichte

Erbaut wurde das Haus 1870 als "Oberer Gasthof", später hieß es "Reichsadler". 1899 und 1911 brannte alles komplett ab. In der DDR-Zeit war das "Thälmannhaus" mit dem großen Saal Zentrum des kulturellen Lebens - mit Tanz, Theater, Konzerten.

1992 öffnete die Gaststätte als "Ellefelder Hof", 1994 wurde der Hotelanbau eingeweiht. 2008 schloss der Familienbetrieb. Das Gebäude wurde verkauft und als Pension genutzt.

2015/16 diente das Haus als Notunterkunft für Asylbewerber. (bap)


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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Tauchsieder
    24.01.2020

    Was ist die "Weiße Göltzsch" davor "Glücks....."?

  • 3
    2
    Glücksritter
    23.01.2020

    @Tauchsieder... Niemand mag Klugscheißer, aber die Weiße Göltzsch fließt davor. ;-)

  • 4
    1
    Tauchsieder
    23.01.2020

    Warum nur der Name "Blaue Donau", vor der Haustür fließt die Göltzsch.
    Man soll sich doch nicht mit fremden Federn schmücken.

  • 4
    1
    Echo1
    23.01.2020

    Wenn das dann so weit ist mit der Sanierung, liebe Ellefelder dann geht doch mal in den "E. Hof" essen. Nicht immer geizen. Wir wollen doch unsere Gaststätten erhalten. Das Häusel auf dem Berg brauch
    noch nicht wieder saniert werden.