Entwicklungshilfe: Auerbacher gibt Backseminare in Nigeria

Michael Trützschler ist Bäcker aus Leidenschaft und leistet auf spezielle Art einen Beitrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen auf dem afrikanischen Kontinent.

Auerbach.

Manchmal ist der Grat zwischen Freude und Traurigkeit extrem schmal: Einerseits Freude und Gewissheit, am richtigen Ort zu helfen. Andererseits Traurigkeit und Gewissheit, Leid nicht überall lindern zu können. Auf diesem Grat wandert Michael Trützschler jedes Mal, wenn ihn seine Hilfsbereitschaft nach Nigeria führt. Der junge Auerbacher Bäcker gibt dort bei Seminaren weiter, was ihn außerdem antreibt: die Passion für seinen Beruf.

Als einer von drei Vogtländern gehört Michael Trützschler seit 2018 dem Verein Entwicklungshilfe Afrika mit Sitz in Schönheide an. Bisher war er zweimal in dem westafrikanischen Land: voriges Jahr im November und dieses Jahr im Mai. Alleine reist der Juniorchef von der Auerbacher Bäckerei Trützschler nicht. Mit Vereinschef David Ikhu-Omoregbee hat er einen Freund an der Seite, der weiß, was in dem Land am dringendsten gebraucht wird. In Nigeria aufgewachsen, kam der heute 42-Jährige 2008 nach Deutschland, studierte in Dresden Hydrowissenschaft und ließ sich mit seiner Familie in Oelsnitz nieder. Heute arbeitet er als Pastor der Reichenbacher freien christlichen Gemeinde "Offenes Haus". Einer Gemeinde, die Michael Trützschler in seiner Freizeit oft besucht.


"David Ikhu-Omoregbee wusste, dass ich Bäcker bin", erzählt Trützschler. "Letztes Jahr im August hat er mich gefragt, ob ich ihm helfen könnte." Der Nigerianer stellte den Kontakt zu einer Partner-Hilfsorganisation und Bäckereischule in seiner alten Heimat her, um die Weichen zu stellen. Drei Monate später saß Michael Trützschler auf gepackten Koffern - mit dem Nötigsten für einen Zehn-Tage-Aufenthalt. "Ich war ganz verblüfft und wusste nicht, worauf ich mich einlasse", berichtet er. Aber der Hilfswille war größer als die Angst vor dem Ungewissen. Benin City, das Ziel seiner Reise, ist mit zweieinhalb Millionen Einwohnern Nigerias zweitgrößte Stadt. Im Mai brach Trützschler erneut nach Westafrika auf. Das nächste Backseminar ist für November geplant.

150 jungen Menschen im Alter von Anfang bis Mitte 20 gibt der Vogtländer in einer Bäckereischule praktischen Unterricht. Nicht wenige haben eine Odyssee hinter sich. "Sie kommen teils aus Lagern in Libyen zurück", sagt der 34-Jährige Vogtländer. Nach missglückter Flucht heimzukehren, heißt aber nicht, resignieren zu müssen: "Die Leute sind in einem Regierungsprogramm, das ihnen eine Ausbildung ermöglicht. Und ich bin ein Teil davon." Das erfüllt ihn eigenen Worten zufolge mit einem "Bestätigungsgefühl". Eben jener Gewissheit, etwas Gutes zu tun. "Ich denke, dass die Leute, die so ein Training bekommen, dann auch bleiben wollen", ist David Ikhu-Ogmoregbee überzeugt.

Mit ihrem 2017 gegründeten Verein haben die neun Mitglieder noch weit mehr vor. Sie wollen im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Menschen nicht nur ausbilden, sondern eine grundlegende medizinische Versorgung sichern und den Hunger bekämpfen. Ein passendes Grundstück in Benin City ist bereits gefunden. Aber die Kauf-Finanzierung per Spenden steht noch nicht. Etwa 30.000 Euro kostet das 2800 Quadratmeter große Gelände mit Platz für bis zu 500 Azubis. Entstehen sollen ein Bäckerei-Trainingszentrum und ein Geschäft, Werkstätten, ein Lager, eine Trinkwasserversorgung und einer Stromerzeugung.

Mehrere Rollstühle, Krücken und Blutdruckgeräte konnten bereits in das afrikanische Land geschickt werden. Jetzt folgt noch ein Container voller Nähmaschinen. Mit ihrem Projekt haben die Helfer an oberster Stelle im nigerianischen Bundesstaat Edo, in dem das Kaufgrundstück liegt, von sich reden gemacht. "Die First Lady unterstützt uns dabei", freut sich Michael Trützschler über die Unterstützung.

www.entwicklungshilfe-afrika.de

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