"Es gibt einen neuen Rodewischer Stolz"

Kommunen 2019 Rodewisch investiert dieses Jahr 900 Euro pro Einwohner - Stadtchefin zieht vor Bürgermeisterwahl Bilanz

Postplatz, Schlossinsel, Rißbrücke, Rowi-Park, Busbahnhof, neue Kita: Kerstin Schöniger (CDU) hat in ihrer ersten Amtszeit städtebaulich viel angepackt. Resultat: Dieses Jahr wird die Innenstadt vielerorts zur Baustelle - und in diesem Zug der Busbahnhof und der untere Postplatz gesperrt. Wie die Bürgermeisterin das managen will und was sie über ihre wahrscheinliche Wiederwahl am 26. Mai denkt - darüber hat Susanne Kiwitter mit der 50-Jährigen gesprochen.

"Freie Presse": Frau Schöniger, Ihre städtebauliche Bilanz nach sieben Jahren im Bürgermeisteramt kann sich sehen lassen: Sie sind dabei, die kleine Stadt Rodewisch umfassend umzugestalten und bekommen dafür bundesweit Aufmerksamkeit, auch für Ihr Engagement in Sachen Bürgerbeteiligung. Doch der Übergang ins Wahljahr war holprig, Sie mussten den Bürgermeisterwahltermin wegen eines Fehlers bei der Bekanntmachung neu ansetzen ...

Kerstin Schöniger: (lacht) Das darf eigentlich nicht passieren, ist aber jetzt so. Und für die Wahlbeteiligung ist es von Vorteil, dass der neue Termin mit den Kommunal- und Europawahlen zusammenfällt.

Der Testlauf hat gezeigt, dass Sie wahrscheinlich nicht mit einem Gegenkandidaten rechnen müssen - auch ein Vorteil?

Ob es einen Gegenkandidaten gibt oder nicht, ist kein Gradmesser für meine Arbeit. Es gehört Mut dazu, gegen einen Amtsinhaber anzutreten. Fakt ist: Es würde den Wahlkampf bunter machen.

Wie lautet Ihr persönliches Fazit nach der ersten Amtszeit?

Es war eine schöne, sehr intensive Zeit. Es gab zwar Tage, an denen ich abends erschöpft war, aber keinen, an dem ich nicht gern auf Arbeit gegangen bin.

Und wie sieht das Feedback Ihrer Bürger aus?

Ich bekomme zahlreiche Rückmeldungen von Menschen, die sagen: ,Ich freue mich, dass sich Rodewisch verändert.' Es gibt einen neuen Rodewischer Stolz. Insbesondere auch von Frauen bekomme ich viel positive Resonanz.

Lassen sich positive und negative Rückmeldungen in Prozentzahlen ausdrücken?

Die kritischen Stimmen machen ungefähr zehnt Prozent aus. Ich fürchte aber, dass sich nicht alle Skeptiker bei mir melden.

Einer hatte Ihnen vor einem Jahr den Verkauf der Turnhalle im Neubaugebiet angekreidet und deshalb als Trainer den 1. FC Rodewisch samt einer kompletten Jugendmannschaft verlassen. Hat sich der Verein erholt?

Die Lücke in den betroffenen Jahrgängen lässt sich nicht schließen. Unter den Weggegangenen waren viele Talente. Das schmerzt. Umso froher bin ich, dass wir den Kunstrasenplatz verwirklicht haben.

Auch die Debatte um die Neugestaltung der Schlossinsel hat gezeigt: Veränderungen sind nicht jedermanns Sache ...

Es gibt Ängste, umso wichtiger ist: Man muss die Leute mitnehmen, ihnen die Ziele erklären.

Die Skeptiker sitzen auch im Stadtrat, was sich zuletzt bei der knappen Entscheidung für das neue Stadtwappen zeigte - auch dieses Gremium wird 2019 neu gewählt: Mit welchen Veränderungen rechnen Sie?

Voraussichtlich vier Räte treten nicht mehr an. Es gibt genügend potenzielle Nachrücker, insofern rechne ich damit, dass sich die Parteienlandschaft nach der Wahl ähnlich wie jetzt im Rat abbildet.

Und die AfD?

Das ist die große Unbekannte. Ich weiß nicht, inwiefern diese in Rodewisch aktiv ist.

Zurück zum operativen Geschäft: Die Umgestaltung des Postplatzes geht in die zweite Phase, die neue Rißbrücke kommt, auf der Schlossinsel geht es los, im Rowi-Park weiter - und die Tiefbauphase am Busbahnhof muss bis Herbst durch sein. Wie lösen Sie das verkehrstechnisch?

Einen Ausweichstandort für den Busplatz zu finden, da sind wir gerade dran. Das ist tatsächlich schwierig und wird nicht ohne Einschränkungen möglich sein. Wahrscheinlich werden wir die Haltepunkte an die Parkstraße verlegen und dort die Einbahnstraßen-Regelung und Parkmöglichkeiten dafür aufheben. Zusammen mit der Baustelle am Postplatz betrachtet, müssen wir darauf achten, dass die Geschäfte an der Auerbacher Straße von der Rützengrüner und der Wernesgrüner Straße immer erreichbar bleiben.

Mit dem Umbau des Busbahnhofes liefert Rodewisch einen wichtigen Baustein für das neue Busnetz, das im Herbst 2019 in Betrieb gehen soll. Bis der scheidende Verkehrsverbund-Chef ersetzt ist, wird es Anfang 2020 werden. Bereitet Ihnen das Sorge?

Das ist nicht optimal. Wir haben in den letzten Monaten intensiv mit den Verantwortlichen des VVV zusammengearbeitet und unser Eindruck ist: Die zweite Reihe ist kompetent und intensiv mit der Materie betraut. Auch wenn sofort ein Nachfolger für Thorsten Müller bereit stünde, könnte der sich nicht so schnell einarbeiten.


Investitionen und Vorhaben: Was die Stadt Rodewisch 2019 vorhat

Die Liste der 2019er-Investitionen in Rodewisch ist lang: Eine Million am Postplatz, für die Rißbrücke mit Zuwegung eine weitere knappe Million, für die Sanierung der Lamnitzer Straße 500.000 Euro, 850.000 Euro für den ersten Bauabschnitt Busbahnhof - das sind laut Bürgermeisterin Kerstin Schöniger die großen Posten.

Für eine neue Heizungsanlage im Gymnasium inklusive weiterer Renovierungen investiert Rodewisch ebenfalls 800.000 Euro. Die Entschlammung des Schlossinselteiches und die ersten Arbeiten dort an den Wegen schlagen mit 300.000 Euro, weitere Wegearbeiten im Park mit 250.000 Euro zu Buche. Am Wernesbach steht eine letzte Hochwasserschutzmaßnahme an - Kosten: 200.000 Euro.

"Insgesamt investieren wir 900 Euro pro Einwohner in diesem Jahr", so die Stadtchefin. Das sei gemessen an den vergleichsweise geringen Gewerbesteuereinnahmen - dieses Jahr ungefähr in Höhe von 1,4 Millionen Euro - beachtlich.

Weitere wichtige Aufgabe: Gewerbe- und Wohnbauflächen erschließen "Wir führen inzwischen Wartelisten", so Schöniger. Im Fokus hat sie aktuell Areale am Bahnhof und an der Niederauerbacher Straße. (suki)

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