Extreme Dürre: Fichten in höchster Not

Stürme und Trockenheit haben den Bäumen zu- gesetzt und zur explosionsartigen Vermehrung des Borkenkäfers geführt. Der Revierförster spricht von der "Dimension einer Katastrophe". Wald- besitzern drohen hohe finanzielle Einbußen.

Kottengrün.

Solch einen Andrang hat Revierförster Karsten Scharschmidt bei seinen Schulungen noch nie erlebt: Rund 30 private Waldbesitzer sind am Freitag in den Forst nahe Kottengrün gekommen. Es geht um ein "Brandthema": den Borkenkäfer. "Wer hat Probleme mit dem Käfer?", fragt Scharschmidt. Die Hälfte aller Teilnehmer meldet sich. Buchdrucker und Kupferstecher heißen die beiden Arten des Insekts, die die Fichten heimsuchen. Von einer "noch nie da gewesenen Massenvermehrung" schreibt der Sachsenforst in seinem Aufruf zur Schulung. Auch Scharschmidt zeichnet ein düsteres Bild: Das Ganze habe "die Dimension einer Katastrophe" erreicht, schildert er. Die Waldbesitzer nicken ernst.

Es ist die extreme Trockenheit dieses Jahres, die die Fichten in mehrfacher Hinsicht schwächt. "Wenn der Baum stark genug ist, wehrt er den Käfer mit Harz ab", erläutert Scharschmidt. "Aber woher soll er jetzt das Harz nehmen? Es gibt ja keine Feuchtigkeit." Der Trockenstress führe außerdem zur verstärkten Bildung von Zapfen und Samen, was den Fichten zusätzlich Kraft raube. Inzwischen sei der Fichtenwald an sich "in Gefahr", so der Förster. Doch was tun?


Es bleibt zunächst nur Krisenmanagement: Vom Käfer befallene Bäume müssten so schnell wie möglich gefällt und entfernt werden. Und zwar am besten gleich zur Verarbeitung oder mindestens 500 Meter entfernt von gesundem Wald. Sonst verbreitet sich das Insekt vom Holzstapel aus weiter.

Das Problem: Angesichts der Massen an Käferholz klappt es mit dem schnellen Abfahren nicht. Die Stapel müssten deshalb eigentlich alle mit Gift gespritzt werden, meint der Förster: "Doch dafür braucht man einen Giftschein." Und für den Holzeinschlag ist der Motorsägen-Schein Bedingung. "Der kostet inzwischen 570 Euro und dauert vier Tage", schildert Scharschmidt - zum Entsetzen manches Waldbesitzers. "Mein Sohn wollte den Schein eigentlich machen, um mir zu helfen - aber wer soll das denn bezahlen?", fragt ein Mann. "Früher war das umsonst!" Scharschmidt verweist auf den Krisenstab, der jetzt im Sachsenforst gebildet werden soll: "Vielleicht wird da ja eine Änderung beschlossen." Dafür solle er sich einsetzen, geben ihm die Waldbesitzer mit auf den Weg.

Das große Angebot habe den Holzmarkt zusammenbrechen lassen, berichtet der Förster: Für Käferholz gebe es 35 Euro pro Festmeter, selbst für gesundes Holz nur 60 Euro. Im vergangenen Jahr seien es noch 80 bis 90 Euro gewesen.

Selbst uralte Bäume würden vom Käfer nicht verschont, muss Scharschmidt auf Nachfrage mitteilen: "Der Käfer kennt keine Regeln, er hat auch 150 Jahre alte Fichten befallen." Frost bremse zwar die Aktivitäten des Käfers, schade ihm jedoch nicht viel. "Am schlimmsten ist für ihn ein wechselhaftes Wetter, auf das er sich nicht richtig einstellen kann." Gute Erfahrungen habe er mit Käferfallen gemacht - allerdings sei der Lockstoff teuer, und die Fallen müssten ständig kontrolliert werden.

Eine dauerhafte Lösung soll der Waldumbau bringen: Laubbäume, Tannen und Douglasien statt Fichten-Monokultur heißt das Credo. "Doch wie soll man etwas pflanzen, wenn der Boden bis in 1,80 Meter Tiefe ausgedörrt ist?", fragt einer der privaten Besitzer resigniert.


Förderung für Waldumbau

Der Freistaat fördert den Waldumbau mit bis zu 75 Prozent der Nettoausgaben. Förderfähige Arten sind Laubbäume, Tannen, Douglasien oder Waldsträucher. Ausgeschlossen ist die Esche (wegen des Eschensterbens).

Es gilt eine "Bagatellgrenze" von 2000 Euro. Infos unter:

www.sachsenforst.de

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