Fahrzeuge für Auerbacher Wehr: Stadt bestellt scheinbar ohne Plan

Welche Anschaffungen sind für die Arbeit der Kameraden notwendig? Der neuerliche Streit im Stadtrat zeigt, dass eine teure Analyse offenbar nicht die gewünschte Klarheit gebracht hat.

Auerbach.

Im Juni 2018 ein Vorausrüstwagen für 120.000 Euro, im Januar 2019 ein Tanklöschfahrzeug für 320.000 Euro und nun noch ein großes kombiniertes Fahrzeug für 400.000 Euro: Ginge es allein nach dem Willen der Stadtverwaltung, sollte der Steuerzahler kräftig in die Ausrüstung der Auerbacher Feuerwehr investieren. Doch zum wiederholten Male konnten die Verantwortlichen den Bedarf nicht plausibel belegen. Die Folge: Der Stadtrat lehnte die jüngste gewünschte Bestellung am Montag zunächst ab.

Dabei liegt der Verwaltung seit einem Dreivierteljahr eine externe Analyse vor, auf deren Grundlage der nächste Brandschutzbedarfsplan und damit ein Leitfaden für künftige Anschaffungen erarbeitet werden sollte. Der Status quo: Die Analyse ist halb unter Verschluss, der Bedarfsplan noch offen und bestellt wird trotzdem.


Ein Blick zurück: Als im Juni 2018 der Stadtrat dem Vorausrüstwagen zähneknirschend zustimmte, war diese Anschaffung bereits umstritten und vom Kreisbrandmeister als "nicht zielführend" bezeichnet worden. Entsprechend gab es auch keine Fördermittel. Auch Auerbachs Gemeindewehrleiter Karsten Neubert kritisierte den Kauf damals und empfahl stattdessen eine förderfähige HLF-Kombination - jenes Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug, das jetzt zusätzlich bestellt werden soll. Offizielle Begründung von Oberbürgermeister Manfred Deckert (parteilos): Weil eine andere Kommune von einer Sammelbestellung abgesprungen sei, habe sich eine günstige Gelegenheit ergeben. Günstig deshalb, weil die Förderquote auf knapp 80 Prozent erhöht wurde. Die öffentliche Hand auf 400.000-Euro-Schnäppchenjagd ohne Bedarfs- beziehungsweise Ausgleichsnachweis? Das war dem Stadtrat dann doch zu viel, zumal den neuen Stadträten die nichtöffentliche Bedarfs-Analyse offensichtlich nicht vorliegt.

Der "Freien Presse" liegt die Analyse vor. Tatsächlich ist dort auf der Liste der Maßnahmeempfehlungen die Beschaffung eines HLF 20 als Ersatz für gleich zwei Fahrzeuge am Standort Auerbach aufgeführt, gleichzeitig jedoch wieder verworfen, weil ja bereits ein Vorausrüstwagen (das umstrittene, nicht geförderte Fahrzeug vom Juni 2018) bestellt sei.

Als logische Folge kam zur Sitzung am Montag bei Stadträten die Frage auf: Wie will die Stadtverwaltung die zusätzliche Anschaffung an anderer Stelle wieder kompensieren, beispielsweise mit der Abbestellung des Vorausrüstwagens, sofern das möglich sei? OB Deckert blieb die Antwort schuldig. Vielleicht auch, weil eine Kompensation gar nicht angedacht ist.

Denn wie beim Vorausrüstwagen geht auch die zusätzlich gewünschte HLF20-Beschaffung auf alleiniges Betreiben der Stadtwehr (gegen den Willen der vier weiteren Ortswehren) zurück. Nico Voigtländer, der Leiter der Stadtwehr, macht keinen Hehl daraus, dass er die Empfehlungen in der für über 10.000 Euro erstellten Analyse nicht gänzlich für sinnvoll hält. "Wir haben dazu unsere Anmerkungen gemacht, die aber nicht beachtet wurden", sagt er. Voigtländer beansprucht für sich und die Auerbacher Wehr als die Wehr, die die Hauptlast trage, zu wissen, was an Fahrzeugen gebraucht werde und was nicht.

Die neuerlichen Differenzen überraschen unterm Strich, wurde doch im Frühjahr einhellig kommuniziert: Man sei dabei, die Gräben innerhalb der Ortswehren zu überwinden; dabei geholfen habe auch die externe Analyse. Spätestens seit Montagabend ist dies auch öffentlich wieder passé.

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