Falkenstein will Grundschule nach Alfred Roßner benennen

Lange wurde diskutiert, jetzt soll es schnell gehen: Die Stadt will einen Mann würdigen, der zahlreiche Menschen vor dem Holocaust rettete - und dafür mit dem Leben bezahlte.

Falkenstein.

Auf dem Falkensteiner Friedhof haben am Montag rund 50 Menschen anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz der Opfer der NS--Herrschaft gedacht - und insbesondere den Falkensteiner Alfred Roßner (1906 bis 1943) geehrt. Dieser hatte 1940 als Treuhänder eine Textilfabrik in Polen übernommen und alles getan, um seine jüdischen Arbeiter vor der Ermordung im Holocaust zu bewahren. Er wurde verhaftet und starb an den Folgen der Misshandlungen durch die Gestapo.

Zur Ehrung gekommen waren Vertreter von Kommunal- und Landespolitik ebenso wie zahlreiche Menschen, die das Leben Roßners der Vergessenheit entrissen haben: Der Heimathistoriker Ralph Ide ebenso wie die Autorin Hannah Miska und engagierte Schüler der Trützschler-Oberschule mit Lehrerin Martina Wohlgemuth, um einige zu nennen. Ehrengast war die Holocaust-Überlebende Henriette Kretz (86), die die Schule schon mehrfach besucht hat (siehe auch heutige Seite Zeitgeschehen).

Der SPD-Landtagsabgeordnete Frank Richter und Falkensteins Vize-Bürgermeister Ronny Kadelke (CDU) warnten in ihren Reden vor einem Wiedererstarken von Rassismus und Antisemitismus. Kadelke betonte die "Pflicht" der Stadt Falkenstein, Alfred Roßner "angemessen" zu ehren. Auf Nachfrage bestätigte er, dass die Stadt ihre bisher namenlose Grundschule nach Alfred Roßner benennen möchte: "Irgend- eine Straße im Gewerbegebiet wäre nicht würdig." Man wolle dies in diesem Jahr im Stadtrat beschließen: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Probleme gibt." Bisher erinnert nur eine kleine Gedenktafel auf dem Friedhof an den Mann, den Israel als "Gerechten unter den Völkern" geehrt hat. Schon seit 2010 wird über eine Würdigung Roßners diskutiert.


Zeitzeugen erinnern sich an Opfer des Todesmarsches bei Treuen

In Treuen wird alljährlich auf dem Friedhof am Grab für die jüdischen Frauen der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Mehr als 50 Menschen - Bürger und Zeitzeugen, Vertreter der Stadt sowie von Parteien und Kirchen - machten das Gedenken am Montag zu einer bewegenden Feier. Die erstmalige Teilnahme von Schülern der Marienschule signalisierte, dass auch die Schule die Erinnerung an die Opfer des Faschismus lebendig halten will. "Der Holocaust ist Unterrichtsstoff", sagte Lehrerin Veronika Bhardwaj, weshalb sie die Geschichtsstunde der Klasse 9 b auf den Friedhof verlegt hatte. "Die Ereignisse kurz vor Kriegsende hier in Treuen werden da natürlich mit behandelt", so die Lehrerin.

Zu diesen Ereignissen gehört der Leidensweg jener jüdischen Frauen, die als Häftlinge aus dem Konzentrationslager Groß Rosen auf einem der sogenannten Todesmärsche durch Weißensand kamen. Dort kamen am 25. Februar 1945 noch etwa 850 jüdische Frauen an. Beim Abmarsch zwei Tage später musste ein Häftlingskommando die an Hunger und Erschöpfung verstorbenen Frauen in einer Grube am Waldrand bei Weißensand verscharrte. Im Sommer 1945 wurden zehn verstorbene jüdische Frauen auf den Friedhof Treuen umgebettet.

Die heute fast 93 Jahre alte Ursula Schneider war als junges Mädchen Zeugin der Ereignisse. "Ich habe den Zug der Frauen noch wie damals vor Augen. Heimlich haben wir den Häftlingen etwas Brot zugesteckt", erinnert sich Schneider an die Tage vor bald 75 Jahren. Jürgen Talheim (79) aus Treuen berichtete, wie er als kleiner Junge im Sommer 1945 beobachtete, wie die Überreste der toten Frauen auf dem Friedhof beigesetzt wurden.

Der Erinnerungen dieser Zeitzeugen will sich Treuens Stadtarchivarin Jasmin Hain annehmen, damit diese nicht in Vergessenheit geraten. Die Historikerin sprach auf dem Gedenken neben den Bürgermeistern von Treuen und Lengenfeld, Andrea Jedzig (CDU) und Volker Bachmann (Pro Lengenfeld), sowie Pfarrer Stefan Konnerth von der Kirchgemeinde St. Bartholomäus. Alle Redner betonten, wie wichtig das Erinnern an die Opfer sei, aber auch Wachsamkeit, wenn heute Menschen wegen ihres Andersseins in Bedrängnis gerieten. "Die Alten wissen um die grauenhaften Taten, der jüngeren Generation muss das Wissen darüber immer wieder vermittelt werden", sieht Jasmin Hain dies als nicht endende Aufgabe. (how)


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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
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    Echo1
    28.01.2020

    Lob den Stadtvätern von Treuen und Falkenstein, die etwas gegen das Vergessen der Opfer des nationalsozialistische System tun. Mir fällt
    auf, dass es so etwas in der grossen Kreisstadt Auerbach nicht gibt.
    Kein Erinnerungskult!? Sport, Sport, ein aufpolliertes Kriegsdenkmal in Brunn
    für deutsche gefallene Soldaten im 2. Weltkrieg. Man sollte sich auch deren sinnlosen Sterben erinnern. Wofür fragen.
    Und aber sagen, dass darf nie wieder passieren, dass Völker aufeinander andergehetzt werden. Die Innschrift hat 2 "S" im Text. Die sehen aus wie zwei bekannte Runen des faschistischen Systems. Mein lieber Mann. Das hat ein
    Geschmäckle.