Falkensteiner Schandfleck soll zum Kunstobjekt werden

Die Stadt hat das Bahnhofsgebäude gekauft, allerdings kann sie damit bisher nicht viel anfangen. Mit einer ungewöhnlichen Aktion soll Ende August Farbe in die heruntergekommene Bahnhofshalle gebracht werden.

Falkenstein.

Seit über einem Jahr ist die Stadt Falkenstein im Besitz des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes - genützt hat ihr dies nicht viel. Denn nach wie vor müssen Reisende auf dem Weg von und zu den Bahnsteigen die Halle passieren, zudem befindet sich noch Bahntechnik im Gebäude. Solange die "Entwidmung" nicht erfolgt ist, bleibt dies so, unabhängig davon, dass die Stadt jetzt im Grundbuch steht. "Voraussetzung für die Entwidmung ist eine vom Gebäude unabhängige Zuwegung", erläutert Bürgermeister Marco Siegemund (CDU). Darüber verhandele man mit den zuständigen Tochterunternehmen der Bahn. Während diese sich bisher eine Rampe in den Tunnel wünschten, plädiere die Stadt für einen "höhengleichen Übergang", bei dem die Reisenden die Gleise überqueren würden. "Es ginge nur noch um ein befahrbares Gleis", so Siegemund. Per Schranke könnte es gesichert werden, sobald ein Zug einfahre. Er hofft, dass die Verantwortlichen der Bahn dieser Variante doch noch zustimmen - für die Kommune, die alles bezahlen muss, wäre sie wesentlich preiswerter.

Da in Sachen Zuwegung aber so oder so noch einige Zeit ins Land gehen wird, will die Stadt kurzfristig wenigstens den Anblick der Halle verbessern, den Siegemund derzeit als "katastrophal" und "beschämend" bezeichnet: "Das darf nicht der erste Eindruck sein, den Reisende von Falkenstein bekommen." Es reifte die Idee für ein Graffiti-Projekt, das Kinder und Jugendliche aus dem Begegnungszentrum "Vitamin B" und der Oberschule Falkenstein in der letzten Ferien- und der ersten Schulwoche in die Tat umsetzen wollen. Die Kommune konnte dafür den vogtlandweit bekannten Graffiti-Künstler und Auftragsmaler André Bretschneider gewinnen. "Pimp our Station", zu Deutsch etwa "Unseren Bahnhof aufmotzen" heißt das Projekt. "Es gibt großes Interesse und viele Vorschläge, es läuft sehr gut", so Siegemund. In dieser Woche sollen die Vorschläge gesichtet werden. Etwa 15 junge Leute könnten diese dann in die Tat umsetzen. In der letzten Ferienwoche, ab 12. August, sollen die Vorbereitungen getroffen werden, zum Beispiel das Montieren von Platten, das Abkleben und der Bau einer Absperrung, außerdem erfolgt der Grundanstrich. Bunt zugehen wird es dann in den ersten Schultagen ab 19. August. Das Begegnungszentrum kümmert sich um die Verpflegung der jungen Künstler.


Mit dem Denkmalschutz hat man das Ganze natürlich abgestimmt. Die Graffiti sollen nur bis zu einer bestimmten Höhe angebracht und die Fenster vor Beginn der Aktion verkleidet werden. "Das wird sicher eine schöne Sache - auch wenn sie aus der Not heraus geboren ist", meint der Bürgermeister.

Wofür das Gebäude künftig genutzt werden könnte, ist weitgehend offen. Ein Investor aus Bayern hat Interesse geäußert, aus dem "schönen Gebäude" etwas zu machen - ihm schwebt zum Beispiel eine Senioren-WG vor. Seinen Namen wollte er noch nicht in der Zeitung lesen. Bürgermeister Siegemund plädiert für eine Ideen-Sammlung: "Möglich ist vieles."

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