Familie verliert ihr Heim - Kind in letzter Minute gerettet

Erst vor zwei Jahren war das Ehepaar mit drei Kindern in das Haus an der Schulstraße eingezogen. Nach dem Brand vom Montagabend sind die Peters in einem Notquartier untergekommen. Und sie haben ein Riesenproblem.

Auerbach.

Nur ein paar Minuten sei ihr jüngster Sohn am Montagabend allein in seiner Spielecke im Dachgeschoss gewesen, sagt Natali Peters: "Als ich wieder hochkam, stand er schon mitten im Qualm." Sofort habe sie den Sechsjährigen gepackt und die Treppe hinuntergetragen: "Dabei konnte ich kaum laufen, meine Knie waren plötzlich wie Gummi." Der kleine Louis-Joel ist behindert und braucht intensive Betreuung. Seine Mutter ist sicher: Nur kurze Zeit später wäre er durch die giftigen Rauchgase gestorben, die unter anderem aus seinem Bällebad aufstiegen. Was genau das Feuer unterm Dach ausgelöst hat, dazu laufen derzeit die Ermittlungen der Polizei.

In kurzer Zeit hatte sich am Montag gegen 18 Uhr aus dem Schwelbrand ein offenes Feuer entwickelt. Sohn Christian (15) hatte die Feuerwehr alarmiert, nachdem er mit kurzer Verzögerung die Rufe der Mutter hörte - er paukte gerade für die nächste Klausur und hatte deshalb Kopfhörer auf. Vater Sergej arbeitete hinterm Haus. Die Feuerwehr sei unheimlich schnell da gewesen, lobt er. Schwierig gestaltete sich die Löschwasser-Zufuhr zum Haus, das sich auf der Verlängerung der Schulstraße oberhalb der Kaiserstraße befindet. In der Straßenbaustelle waren Hydranten schlecht zu lokalisieren, Schläuche wurden über lange Distanzen gezogen. Das Dachgeschoss brannte großteils aus, Löschwasser richtete auch im Untergeschoss beträchtliche Schäden an. Vorerst ist das Haus nicht bewohnbar, wie es weiter geht, ist unklar.

Christoph Ulrich

Ulrichs Bilanz:Der „Freie Presse“-Wirtschaftsnewsletter von Chef­korrespondent Christoph Ulrich

kostenlos bestellen

Derzeit ist Familie Peters in einer Wohnung in Carolagrün untergekommen, die von der Stadt für solche Fälle vorgehalten wird. Von dort soll es voraussichtlich in einigen Tage in eine zentraler gelegene Wohnung im Neubaugebiet gehen. "Viele Nachbarn sind sofort gekommen und haben gefragt, wie sie helfen können", berichtet Sergej Peters beeindruckt. Bisher kam man darauf nur zurück, um Bernhardiner Monja in der ersten Nacht unterzubringen. Die Familie hat Verwandte und Bekannte in der Region, die in der ersten Zeit mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Während die unmittelbare Versorgung gesichert scheint, gibt es ein anderes Riesenproblem: Das von Peters' vor zwei Jahren bezogene Haus war nicht gegen Brand versichert. Vor einem Jahr habe man die Versicherung gekündigt, nachdem diese nach einem Wasserschaden nicht zahlte, so die Eheleute. "Und jetzt dieses Feuer - das ist ein böser Zufall", sagt Natali Peters. Sie möchte ein Spendenkonto einrichten und hofft auf Unterstützung bei der Finanzierung eines neuen Daches. "Ich habe immer geholfen, wenn jemand in Not war - jetzt kann ich nur beten, dass andere uns auch helfen", sagt die gläubige Christin.

Beim Feuer waren am Montagabend die Wehren von Auerbach, Reumtengrün, Rebesgrün und Vogelsgrün im Einsatz, die Rodewischer Feuerwehr stellte frische Pressluftflaschen zur Verfügung. 50-mal mussten Trupps mit Atemschutz ins Haus, um den Dachstuhlbrand zu löschen. Ein Feuerwehrmann bekam laut Wehrleiter Nico Voigtländer durch den Einsatzstress Herzprobleme und ist noch zur Beobachtung im Krankenhaus. Andere Kameraden zogen sich demnach leichte Brandwunden zu. Die Hitze war so extrem, dass etliche Helme und Atemschutzgeräte beschädigt wurden. Inmitten des Feuers blieb im Dachgeschoss der blaue Lieblingssessel der Vorbesitzerin unversehrt.

Bewertung des Artikels: Ø 3.9 Sterne bei 9 Bewertungen
Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...