Festival erweist sich als Familientreffen

1200 Besucher und 150 Helfer haben für ein tolles Wochenende am Mühlteich gesorgt. Dazu kamen Bands am laufenden Band.

Hauptmannsgrün.

Die Geräusche eines Bobbycars auf dem Asphalt des Weges zum Mühlteich-Campingplatz sind fast lauter als die Musik aus dem Zelt, auf das der Knirps mit Kopfhörern zusteuert.

Beim L*abore-Festival tritt gerade Heated Land auf. Der Herkunftsort der Band ist Augsburg, doch Sänger Andreas Mayrock lebt in Hamburg und ist mit dem Vogtland verbandelt. "Vor sieben Jahren war ich mit meiner Freundin bei diesem Festival, jetzt stehe ich das erste Mal selbst auf der Bühne", gesteht der Frontmann mit Blick zu Barbara Schürer und deren Mutter, denn L*abore ist so etwas wie ein Familientreffen. "Am Sonntag kommt die Band zu uns zum Mittagessen. Es gibt Sauerbraten und Wickelklöße", erklärt Petra Schürer, im Nachbardorf Oberheinsdorf zuhause. Sie ist froh, dass die beiden Töchter wieder einmal in der Heimat weilen. Barbaras Schwester Lisette, die als Bühnen- und Kostümbildnerin arbeitet, hat am Nachmittag Maskentheater geboten und Haikus, also kleine Verse, zum Thema Obst ans Publikum verteilt. Wenn man schon da ist, kann man sich auch irgendwie einbringen - das sehen viele der Festivalteilnehmer so.


"Hier sind alle offen, jeder spricht mit jedem, keiner guckt auf das Alter", lobt Petra Schürer das Festival. Mit ihren 65 Jahren ist sie eine der älteren auf dem Platz. Das ist einer der Vorzüge des Festivals, an dem etwa 1200 Besucher teilnehmen und bei dem rund 150 Helfer aktiv sind. Da sind die Typen in Walz-Kleidung mit schrägen Koteletten und Bart, die sich im Hutzuwerfen üben, neben jungen Männern mit Dreadlocks oder ein paar Hippies. Selbst mit kariert geschminktem Gesicht und Propellerhut fällt man nicht so recht auf. Bei den Damen reicht es von bauchfrei bis zum langen Kleid.

90 Prozent der Besucher haben Wochenendtickets gekauft. Die Autokennzeichen verraten viele Regionen Deutschlands. Auch einen Australier, einen Italiener und einen Isländer hat Vereinschef Roland Löbel gesichtet. "Schon bei den Helfern ist die Altersspanne groß, zwischen 17 und 48. Inzwischen rücken die ersten Kinder der Aktiven vom Anfang nach", sagt er, bevor er ans Telefon muss und eine Band nach Hauptmannsgrün lotst, die in Netzschkau gestrandet war. Hauptmannsgrün und das Festival, das gehört für ihn zusammen. "Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Leuten, zur Gemeindeverwaltung, der Bauer gibt uns die Wiese als Parkplatz, vom Bäcker holen wir Brötchen, die Bewohner kommen her. Zum ersten Mal wird Hauptmannsgrüner Honig hier verkauft", sagt er stolz. Honig, Bio-Eis, vegetarische und vegane Speisen - das gab es bei den ersten Festivals noch nicht. Mit dem Publikum veränderte sich das Rahmenprogramm, auch das für die Kinder, die vor 19 Jahren noch nicht einmal in den Vorstellungen der Festivalfreunde existierten.

Auf der Waldbühne löst inzwischen Hush Moss die holländischen Nachwuchsmusiker von Loko ab. Die Amsterdamer haben den Bandwettbewerb der niederländischen Teilnehmer und damit ihren Startplatz beim Festival gewonnen. "Das ist das erste größere Festival, auf dem wir spielen. Wir waren schon als Gast bei großen Festivals, aber das hier ist etwas Besonderes", sagt Bassist Dion Borst. "Die Bands sind sehr unterschiedlich. Wir haben viel Inspiration für unsere Musik bekommen", fügt Drummer Leon Zevenhek an. Ben Schepers, der quirlige Moderator aus den Niederlanden, schaut auf seine Moderationskarten und die Uhr. Aufgrund der Bühnen, die abwechselnd oder parallel bespielt werden, ist er ständig unterwegs. "Die Jungs haben unheimlich viel geprobt und dann ihr gesamtes Repertoire runtergespielt. Ich nenne es psychedelischen Garagen-Pop. Schön, dass wir hier auch Nachwuchsbands eine Perspektive geben können", sagt er, winkt den Eltern der drei zu, die wie selbstverständlich mitgereist sind, und zieht weiter zur nächsten Bühne.

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