Feuerwehr: Der Streitbare verabschiedet sich von der Front

Er ist seit 1975 bei der Feuerwehr, seit 2009 Leiter der größten Einheit und stand zuletzt mit im Fokus des jahrelangen Feuerwehrzoffs in Auerbach: Gunter Heckel tritt als Wehrleiter ab.

Auerbach.

Mit 65 sei es Zeit einen Schritt zurückzutreten: Gunter Heckel sieht die jüngeren Kameraden in der Pflicht. Seit 2009 war er Leiter der Auerbacher Ortswehr. Jetzt tritt er für dieses Amt nicht mehr an. Wer an seiner Stelle anlässlich der Jahreshauptversammlung am gestrigen Freitagabend zum Chef der Ortswehr Auerbach gewählt wurde, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.

Gunter Heckel ist ein Feuerwehr-Urgestein in Auerbach. 1975 trat der damals 21-Jährige den Kameraden bei. Wobei seinerzeit die Motivation eine pragmatischere gewesen sei, als in späteren Jahren, so Heckel. Die Mitgliedschaft habe damals für ihn den Zugang zu dem in der DDR raren Wohnraum beschleunigt, erinnert er sich amüsiert. Später sei daraus eine ernsthafte Berufung geworden, insbesondere als es in den Wendejahren darum ging, Verantwortung zu übernehmen. Während vieler Jahre war Gunter Heckel Zugführer, bis er zum Chef gewählt wurde.

Feuerwehr damals und heute: Das seien zwei Welten, fährt der erfahrene Mann fort. Während einst das Löschen von Bränden im Vordergrund stand, bedeute Feuerwehr heute vor allem technische Hilfe: bei Unwetterfolgen, Unfällen - und Bränden. Auch Türnotöffnungen, bei Senioren beispielsweise, seien zunehmend ein Thema. Parallel entwickelten sich Fahrzeuge und Ausrüstung rasant weiter, sodass sich heute keiner mehr vorstellen könne, unter welchen Bedingungen die Feuerwehr vor 30 Jahren arbeitete. Was ihm zu denken gibt: "Die Menschen haben sich ebenfalls verändert." Früher seien Anstand und Respekt gegenüber Rettungskräften selbstverständlich gewesen, heute erlebe er immer wieder Pöbeleien und Aggressionen gegenüber den Einsatzkräften.

Die Anforderungen an die Wehrleute sind also permanent gestiegen - auf allen Ebenen. Ausbildung sei deshalb ein Punkt gewesen, den er immer vorangetrieben habe, sagt Gunter Heckel und Nico Voigtländer, sein bisheriger Stellvertreter, bestätigt das.

Heckel ist ein Mann klarer Worte: Oberbürgermeister Manfred Deckert (parteilos), der sein "hohes ehrenamtliches Engagement" schätzt, bescheinigt dem scheidenden Feuerwehr-Chef: "Er ist hart in der Sache, stellt sich aber auch immer wieder vor seine Truppe." Vom "geborenen Kommandanten", dessen Eigenschaften vor allem in Einsatzmomenten gefragt sind, spricht Stadtsprecher Hagen Hartwig. Und Nico Voigtländer ergänzt: Als Wehrleiter habe er die Truppe immer zusammengehalten und deren Interessen durchgesetzt.

Die Kehrseite: Die Interessen der etwa 55 Aktive starken Auerbacher Ortswehr deckten sich in den vergangenen zwei, drei Jahren nicht immer mit jenen der vier umliegenden Ortswehren, in denen nochmals rund 100 Wehrleute aktiv sind. Gunter Heckel macht keinen Hehl daraus, dass er für die Auerbacher Einheit den Status der wichtigsten im Sinne einer "Stützpunktwehr" beansprucht. Und daraus auch Entscheidungsansprüche ableitete, wie ihm von Seiten des außer Dienst gestellten und eigentlich übergeordneten Gemeindewehrleiters Karsten Neubert mehrmals vorgeworfen wurde. Neubert, seit 2010 oberster gewählter Feuerwehr-Chef in Auerbach, bedauert im Nachgang das Zerwürfnis, weil die ersten Jahre der Zusammenarbeit "sehr gut" gewesen seien. Trotz aller Kritik verweist auch er auf Heckels Verdienste für die Feuerwehr in Auerbach.

Für Gunter Heckel selbst ist das Freimachen des Chefpostens kein Abschied von der Auerbacher Wehr. Selbstverständlich bleibe er der Einheit erhalten.

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