Feuerwehr geht bei der Anwerbung neue Wege

Bei ihrem regulären Donnerstagsdienst hatte die Treuener Wehr jetzt Verstärkung. Zwei Interessenten nutzten das Angebot eines Schnupper-Einsatzes für Quereinsteiger.

Treuen.

Eine ganze Menge Neues prasselt auf Toni Erdmann ein: Anweisungen entgegennehmen, in die Uniform steigen, ausrücken, Unfallort absichern, Technik startklar machen und zwei verletzte Personen aus ihren verkeilten Fahrzeugen befreien. Bei einer Simulation am Donnerstagabend im ehemaligen Treuener Bauhofgelände probte die Freiwillige Feuerwehr den Ernstfall. Jede Woche trainieren die Aktiven, allerdings seltener in so großem Stil. Diesmal diente die zweieinhalbstündige Zusammenkunft vor allem der Rekrutierung neuer Mitglieder - speziell Erwachsener.

Toni Erdmann war einer von zwei Interessenten. Der andere wurde für eine simulierte Brandbekämpfung im Kulturzentrum eingeteilt. Erlebt hat Toni Erdmann so etwas noch nie. Vielleicht wird daraus ein neues Hobby. Anderthalb Stunden nach Einsatzbeginn wollte er noch keine endgültige Entscheidung treffen. Sein Neffe habe ihn mit ins Gerätehaus genommen, erzählte der 36-jährige Treuener. Vorstellen könne er sich ein solches Ehrenamt schon, sagte Erdmann. Weil das eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung sei. "Es macht Spaß, ist aber auch ganz schön stressig", schilderte er seine Eindrücke. Man müsse sich auf verschiedene Dinge gleichzeitig konzentrieren. Auch mit den vielen Fachausdrücken im eingespielten Team konnte Toni Erdmann naturgemäß (noch) wenig anfangen.

Daniel Löwenhagen und seine Kameraden wollen niemanden drängen. "Sie müssen sich heute nicht entscheiden", sagte der Stadtwehrleiter. Besteht ernsthaftes Interesse, löst das eine Kettenreaktion aus: Der Neuzugang erhält Schutzausrüstung und durchläuft einen etwa 70-stündigen Grundlehrgang samt Prüfung. Darauf folgt eine zweijährige vertiefte Ausbildung. "Am Ende ist er Truppmann", erklärte Löwenhagen. Um bei Alarm vollständig einsatzbereit zu sein, müssen jene Truppmänner mindestens 18 Jahre alt sein. "Bis dahin ist alles, was gefährlich ist, tabu."

Dass sich nur zwei Interessenten zum Dienst meldeten, hatte Daniel Löwenhagen zufolge auch Vorteile. "So können wir viel besser auf die Leute eingehen und sie richtig in die Gruppen integrieren", sagte er. Für Quereinsteiger gibt es solche Gelegenheiten allerdings nur selten. "Wir sind damit mal neue Wege gegangen und werden das sicherlich nochmal in der Form machen", erklärte Gemeindewehrleiter Andy Kropf. Ziel sei es, Klischees abzubauen und zu zeigen, was hinter den Kulissen der Feuerwehr abläuft.

Drei der insgesamt 38 Treuener aktiven Feuerwehrleute sind Quereinsteiger. Eine obere Altersgrenze für Neulinge gäbe es zwar nicht mehr, ältere Kandidaten müssten aber die Ausbildungszeit einkalkulieren, sagte Daniel Löwenhagen. "Und sie müssen halbwegs fit sein. Am wichtigsten ist aber Interesse."

Der klassische Rekrutierungsweg sei nach wie vor derjenige über die Jugendfeuerwehr. Deswegen veranstaltete die Treuener Wehr am Freitagabend für junge Leute ein Schnuppertraining mit der aktuell 16-köpfigen Truppe.

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