Flößer hoffen auf reichlich Kohle

Fast eine Woche hat der Erdmeiler in Muldenberg geschwelt. Wenn er nächste Woche geöffnet wird, dann wird es für alle Beteiligten spannend.

Muldenberg.

Gelingt das Experiment oder nicht? Noch müssen sich die 26 Mitglieder vom Vogtländischen Flößerverein Muldenberg gedulden. Seit vergangenem Samstag gibt ihr Meiler am Dorfplatz permanent "Rauchzeichen". Eine Woche muss das knapp zwei Meter hohe Bauwerk schwelen. Dann naht langsam der große Moment: Im Gegensatz zu vorangegangenen Meiler-Konstruktionen werden die Hobbyflößer diesmal nicht löschen. "Wir wollen ihn zum ersten Mal ausgehen lassen", erklärt ihr Vorsitzender Bernd Kramer. Und damit das ausgestorbene Handwerk so pflegen, wie es einst tatsächlich auch im Vogtland praktiziert wurde.

Einen Tag waren Bernd Kramer und etwa fünf Mitstreiter mit dem Bau beschäftigt. Im Innern werden um einen Quandel herum stattliche Birkenholz-Scheite kegelförmig geschichtet, darauf Heu verteilt und eine dicke Erdschicht befestigt. Mit Quandel meint der Fachmann eine Art Schornstein. Das Zünden erfolgt am Boden: per Rohr und Lunte. Zu guter Letzt bekommt der Meiler Löcher, um Wasserdampf ablassen zu können.


Mit dem Bau ist es noch lange nicht getan. Denn dann steht das Konstrukt rund um die Uhr unter Beobachtung. Im Drei-Schicht-System schieben jeweils zwei Mann Wache. Langweilig werde es während der achtstündigen Beaufsichtigung nicht, versichert Bernd Kramer. Man hält sich gegenseitig wach und hat sich obendrein häuslich eingerichtet, eine Hütte aufgestellt und zum Ausleuchten Scheinwerfer aufgestellt. Sorgen machen sich die Erbauer weniger um Vandalismus. Vielmehr wird fast ständig Ausschau nach Anzeichen für Flammen im Meiler-Bauch gehalten. "Wenn man in Chroniken von früher nachliest, ist es schon passiert, dass einer weggebrannt ist", weiß Bernd Kramer. Dann gerät der Erdmantel ins Rutschen, und es muss mit viel Aufwand nachgearbeitet werden.

Diesmal bekamen die Muldenberger Unterstützung von zwei Vertretern des befreundeten Flößervereins Lychen in der Uckermark. Klaus Schöttler, sein Vorsitzender, meldete sich gleich zweimal zur Nachtschicht. Weil er so etwas noch nie erlebt hat. "Wir bauen selber keine Meiler, deshalb wollte ich einfach mal mit dabei sein", erzählt er. Zur Holzkohlenernte sind die beiden längst über alle Berge. Bernd Kramer und sein Verein hoffen, wieder fette Beute zu machen. Im Abstand von zwei, drei Jahren raucht im 1. Deutschen Flößerdorf ein Meiler, und bis dato kam jedes Mal Kohle für 200 bis 300 Säcke zum Vorschein. Verkauft wird die frische Ware vom Flößerverein. Wegen der guten Qualität sei die Nachfrage groß und Holzkohle vom letzten Meiler vor einem halben Jahr ausgegangen, sagt Kramer. Frühestens zwei Tage nach Beginn des Flößerfestes am Himmelfahrtstag kann der Verkauf starten. Dann wird auf dem Dorfplatz weiter gefeiert.

www.floesser-verein.de

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