Flößerei prägt Muldenberg bis heute

Mit Schauvorführungen und vielen Gästen haben die Muldenberger am Sonnabend den 425. Jahrestag der Ersterwähnung ihres Dorfes gefeiert.

Muldenberg.

Das Himmelfahrtswochenende hat für Muldenberg dieses Jahr im Zeichen zweier Feierlichkeiten gestanden: Auf das obligatorische Flößerfest am Donnerstag folgte zwei Tage später die 425-Jahr-Feier. In beiden Fällen wurde an die Geschichte erinnert und Tradition gepflegt. Flößer, Pechsieder, Köhler, Stellmacher, Spinner, ein Schmied und andere Handwerker ließen sich über die Schulter schauen. Daneben kamen Freunde des Schnitzens mit Kettensägen auf ihre Kosten. Am Samstag übte sich die Jugendfeuerwehr vor Gästeaugen im Löschen einer kleinen Pappschule. Musik, Tanz, Infostände und ein Feuerwerk machten die Geburtstagsfeier rund.

In den von der Gemeinde, Vereinen und Privatleuten organisierten Jubiläumstag stieg der staatlich anerkannte Erholungsort mit einer Flößerwanderung ein. Dem alten Gewerke kommt mit Abstand die größte Bedeutung für die Ortsgeschichte zu, und der Scheitholztransport auf Gewässern hat wie kein anderes Handwerk den Ort geprägt: Muldenberg trägt den Titel "1. Deutsches Flößerdorf", hat einen Flößerverein, außerdem optimale Bedingungen für die heute hobbymäßige Ausübung jener Tradition. "Die ersten Siedler hier waren Flößer, und die Floßgräben sind noch original von damals", berichtete Vizevereinschef Ulrich Görner. "Im Wald wurde das Holz geschlagen und zwischendurch Holzkohlemeiler gebaut. Deshalb pflegen wir auch diese Tradition." Eine Woche lang hatte der vom Verein angelegte Meiler auf dem Floßplatz geraucht. Zum Fest war die frische Holzkohle in 170 Säcke verpackt und verkaufsfertig.

Obwohl dem Vogtländischen Flößerverein Muldenberg auch Frauen angehören, war das Schauflößen wie üblich Männersache. "Das ist eine ziemliche körperliche Anstrengung", erklärte Jürgen Görner. Und es war sicherlich auch Tradition. Auf diese Weise reiste Holz aus vogtländischen Wäldern im 16. und 17. Jahrhundert die Göltzsch und die Weiße Elster hinauf bis in die Leipziger Tiefebene. Als Hauptabnehmer sind die Städte Leipzig und Halle überliefert. Geflößt wurde Görner zufolge im Frühjahr. "Weil der Wasserstand nach der Schneeschmelze am höchsten war." Nach dem Aufkommen der Eisenbahn war's mit der Flößerei vorbei.

Mit seinen knapp 200 Einwohnern hat Muldenberg zwei Bahnhaltestellen, von denen eine noch in Betrieb ist. Außerdem eine Talsperre und vier Gaststätten. "Das ist schon erstaunlich", findet Jürgen Görner: "Weil wir viele Dinge haben, mit denen wir punkten können: die Natur, das Umfeld, eine Talsperre, Wanderwege und die Anbindung an die Kammloipe."

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