Fragen zu einem sensiblen Thema

Ein Referent der Deutschen Stiftung Organtransplantation war gestern in der Auerbacher Scholl-Schule zu Besuch. Die Zehntklässler waren neugierig.

Auerbach.

In Familien wird vermutlich selten über Organspenden gesprochen. Was aber nicht heißt, dass Jugendliche dem Thema ausweichen. Die Sächsische Landesärztekammer hat dieses Jahr das Unterrichtsmodul "Nachdenken über Organspende" ins Leben gerufen und schickt Referenten an Bildungseinrichtungen. Einer von ihnen besuchte gestern die Auerbacher Geschwister-Scholl-Schule in den Fächern Ethik und Religion.

Florian Brode von der Deutschen Stiftung Organtransplantation hält dreimal pro Monat Vorträge an Schulen und machte gestern die Erfahrung, die er überall macht, wenn ihm Jugendliche gegenübersitzen: Das Gesagte interessiert.

"Die meisten Schüler haben keine Berührungsängste, sind alle konzentriert und stellen interessante Fragen. Auch, weil die Lehrer eine top Vorbereitung leisten", berichtete Brode. Bei den Neunt- und Zehntklässlern stehen die Themen Sterben, Tod und Organspende im Lehrplan. Letzteres wird nur sporadisch behandelt. "In Ethik sprechen wir über die Abläufe", sagte Ethik-Lehrerin Daniela Taubert. Weil ihre Schüler mehr wissen wollten, suchte sie nach einem geeigneten Angebot für den Unterricht.

Die beiden zehnten Klassen befassten sich gestern den gesamten Schultag über mit der sensiblen, schwierigen Materie. Florian Brode gab Einblicke in medizinische Dinge, gesetzliche Grundlagen und den Umgang mit Angehörigen. Viele Fragen prasselten auf den Koordinator für Organspende an der Organisationszentrale Leipzig ein: Gibt es eine Altersgrenze für Spendenausweis-Träger? Nein, sagte er. "Wichtig ist aber, dass man mit der Familie darüber spricht." Kann jemand, der Krebs hat, trotzdem spenden? Natürlich, entgegnete er. Und ist es möglich, Organe verstorbener ganz kleiner Kinder zu entnehmen? Auch das bejahte Brode. Sogar bei Frühchen ab der 36. Schwangerschaftswoche. Weil das Gehirn dann voll ausgebildet sei. "Es klingt gruselig und ist traurig, aber Eltern von Kindern stimmen einer Transplantation ganz oft zu", erklärte er. Zumal transplantierte Organe 30 bis 40 Jahre funktionieren. An die 9500 Organe werden jährlich in Deutschland benötigt, allen voran Nieren.

Lilly Neubert und Marie Hildebrandt können sich vorstellen, im Fall der Fälle Organe zu spenden. "Man hat ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man anderen Leuten das Leben retten oder verbessern kann", sagte Lilly. "Man ist dann nicht umsonst gestorben", fand Marie. Die beiden 15-Jährigen sind der Meinung, auch in ihrem Alter dürfe das Thema nicht verschwiegen werden. Schließlich könne es jeden treffen, betonten sie und wollten deshalb umfassend informiert werden.

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