Freie-Wähler-Frontfrau will von Reichenbach aus in den Landtag

Wahl 2019: Cathleen Martin ist die sächsische Spitzenkandidatin ihrer Partei zur Landtagswahl. Sie wohnt bei Wurzen. Warum hängen ihre Plakate dann hier?

Reichenbach.

Geboren ist sie in Leipzig. Wohnen tut sie in einem kleinen Dorf bei Wurzen. Als Direktkandidatin der Freien Wähler zur Landtagswahl am 1. September tritt Cathleen Martin aber in Reichenbach an. Am gestrigen Freitag hat sie angefangen, ihre Plakate im Wahlkreis Vogtland 4 aufzuhängen.

Ums Eck ist das nicht gerade. Wohlüberlegt schon. "Wir hatten noch vier unbesetzte Wahlkreise in Sachsen und ich hab mich gezielt für Reichenbach entschieden, weil die Gegend ländlich geprägt ist", sagt die 45-jährige Polizistin. "Das Dorf, in dem ich wohne, hat 282 Einwohner. Mit Themen wie schlechtem öffentlichem Nahverkehr, Ärztemangel und fehlenden Einkaufsmöglichkeiten kenn ich mich aus."


Martin ist die Spitzenkandidatin ihrer Partei für ganz Sachsen und steht damit auf Platz 1 der Landesliste. Sprich: Knacken die Freien Wähler tatsächlich die Fünf-Prozent-Hürde, ist sie in jedem Fall drin im Landtag. Umfragen sehen die Gruppierung zurzeit bei drei bis vier Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, auf diesem Wege in das Parlament zu kommen, ist also allemal höher als in Reichenbach und Umgebung das Direktmandat zu holen. Denn das Vogtland ist nicht gerade eine Freie-Wähler-Hochburg. "Wir wollten aber ein Zeichen setzen, dass uns diese Region wichtig ist", begründet Cathleen Martin ihren Kampf um das Direktmandat.

Selbst wenn das für sie im August eine wahre Ochsentour bedeutet. Plauen, Zittau, Schwarzenberg ... - als Spitzenkandidatin muss sie überall Flagge zeigen. "An den Wochenenden will ich aber in meinem Wahlkreis unterwegs sein und mich mit den Menschen quasi am Gartenzaun unterhalten", sagt die 45-Jährige.

Themen gibt es genug. Als Kriminalbeamtin und Vorsitzende der Deutschen Polizei-Gewerkschaft in Sachsen liegt ihr innere Sicherheit besonders am Herzen. 1500 zusätzliche Polizisten will sie einstellen - pro Jahr. Gibt es dafür überhaupt genug qualifizierte Bewerber? "Der Beruf muss lukrativer werden", ist sie überzeugt. Außerdem gehören ihrer Meinung nach die Einstellungsvoraussetzungen dringend auf den Prüfstand. "Verpflichtend vorgeschrieben sind militärische Liegestütze, also mit dem Kinn bis auf den Boden", so Martin. "Ich kenne zwei Frauen, die nicht genommen wurden, weil das wegen ihrer großen Oberweite anatomisch einfach nicht möglich war."

Die geschiedene Mutter zweier Söhne will sich auch beim Thema Familienpolitik einbringen. Kostenloses Schulessen sowie freie Schülerbeförderung sind zwei ihrer Forderungen.

Außerdem möchte sie sich für die Entbürokratisierung gerade für Handwerksbetriebe stark machen. "Mein Cousin hat in der Schweiz Koch gelernt und wollte eigentlich in Leipzig ein Restaurant aufmachen", berichtet sie. "Aber er hat es nicht geschafft, alle Genehmigungen zusammenzutragen. ,Dann bleib ich halt in Zermatt', hat er irgendwann gesagt. Deshalb ist er immer noch in der Schweiz."

Ob sie mit ihren Ideen die Vogtländer überzeugen kann, wird sich zeigen. Ihr Manko ist, dass die Freien Wähler im Landkreis schwach vertreten sind, auch personell. Das will Martin ändern - aber nicht um jeden Preis. "Wir wollen keine Rechts- oder Linksextremen und gucken uns Leute genau an, die beitreten wollen", so die Kandidatin. Ob Handwerker oder Beamter sei nicht wichtig. Entscheidend sei, dass sie schon außerhalb der Politik etwas geworden sind. Martin: "Leute, die zu uns wollen, um auf diese Weise etwas zu werden, brauchen wir nicht."

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