Friedensbaum für Steinberg: Franzose erinnert an die Toten

Vor acht Jahren kam der Autor Laurent Guillet erstmals ins Vogtland, längst ist er hier Stammgast. Eine neue Freundschaft führte gestern zu einer Baumpflanzung der besonderen Art in Rothenkirchen.

Steinberg.

Sein Charme und sein Enthusiasmus sind offenbar überwältigend: Das Projekt des französischen Schriftstellers Laurent Guillet (49) zur Erinnerung an seinen Großonkel, der 1945 in deutscher Gefangenschaft starb, zieht immer weitere Kreise. Was daran liegt, dass Guillet immer neue Freunde gewinnt - zuletzt Andreas Gruner, den CDU-Bürgermeister von Steinberg.

Beide trafen sich vergangenen August, als Guillet durch den Wald Richtung Steinberg wanderte. Wobei sie sich fast nicht trafen - Gruner wollte dem Franzosen entgegenlaufen und suchte ihn anderthalb Stunden vergebens. Doch anschließend stimmte die Chemie sofort, beide Männer interessieren sich speziell für Schicksale im 2. Weltkrieg. Am Dienstag mündeten ihre Gespräche in einem konkreten Ergebnis: Zwischen Grundschule und Gotteshaus im Steinberger Ortsteil Rothenkirchen wurde der 14. Friedensbaum für Guillets Projekt gepflanzt, eine Rotbuche. Mit dabei waren unter anderem alle Steinberger Grundschüler und Miroslav Dornak, Bürgermeister der tschechischen Partner-Kommune Chyse. Eine kleine Tafel kündet vom Tag der Pflanzung und wirbt in vier Sprachen für Frieden und Völkerverständigung. Zwischen dem Geburtsort von Guillets Großonkels Joseph Santerre in der Bretagne und dessen Todesort im böhmischen Most hat der Schriftsteller ein Netz aus Bäumen und Gedenktafeln angelegt, wichtiger Punkt ist seit 2012 Irfersgrün. Dort war Santerre in einem Lager interniert, für die Zwangsarbeit in der Wolframitgrube Pechtelsgrün.


Laurent Guillet will verhindern, dass die Toten von damals in Vergessenheit geraten. Und hat jetzt das Schicksal eines anderen französischen Kriegsgefangenen aufgeklärt, der in Wildenau begraben liegt: Auguste Briand war 1945 bei einem Fliegerangriff gestorben. "Er hätte überall aus Frankreich stammen können - doch er kam aus einem Dorf in der Bretagne, nur 66 Kilometer von meinem Wohnort entfernt", berichtete Guillet gestern in fast perfektem Deutsch. "Das kann kein Zufall sein." Und mahnte: "Wir dürfen die Toten nicht vergessen." Bürgermeister Gruner betonte: "Frieden ist nicht selbstverständlich." Und Europa sei viel mehr als Bürokratie: "Europa ist unser Fundament, Europa sind wir alle." Zum Schluss pressten Kinder und Erwachsene ihre Hände in eine frische Beton-Bank neben dem Baum: Dieser besondere Tag hinterlässt besondere Spuren.

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