"Für uns kam nichts anderes als die Selbstständigkeit in Frage"

Nach 25 Jahren: Wie aus Fiedis Fitness-World in Falkenstein Injoy mit 3000 Kunden und 35 Mitarbeitern wurde

Ins kalte Wasser gesprungen und geschwommen: Vor 25 Jahre haben Nicole und Andreas Fiedler in Falkenstein Fiedis Fitness-World gegründet. Die damals 18 Jahre junge Frau brachte eine kaufmännische Ausbildung mit, ihr 26-jähriger Mann war Baufacharbeiter und Gewichtheber. Heute betreiben sie zwei Studios und zwei Physiotherapien. Mit Nicole Fiedler sprach Lutz Hergert.

Freie Presse: Wenn Sie die vergangenen 25 Jahre Revue passieren lassen, was hat sich in dieser Zeit in der Fitness-Branche am stärksten verändert?

Nicole Fiedler: Während früher kaum Frauen an Geräten trainiert und meistens Kurse belegt haben, wird heute überall geschlechterübergreifend trainiert. Die Frauen sind an den Geräten und die Männer nehmen an Kursen wie Yoga teil. Außerdem hat die Technik einen großen Sprung gemacht. Dadurch kann man zielgerichteter trainieren. Dazu gehört zum Beispiel die Herzfrequenzkontrolle. Ein relativ neues Verfahren ist die Ergospirometrie und das Trainieren mit Avataren.

Was verbirgt sich hinter Ergospirometrie?

Das ist ein Verfahren, bei dem die Atemgase eines trainierenden Menschen gemessen werden. Dabei kann man zum Beispiel feststellen, wie viel Energie er dabei umsetzt. Die Avatare sind vereinfacht gesagt Computeranimationen, die auf Bildschirmen die Übungen vormachen.

Bedeutet das, dass künftig die Computer die Rolle der Trainer übernehmen?

Das wird sicher in einigen Studios so gehandhabt, aber wir wollen diesen Trend nicht mitgehen. Unserer Meinung nach sollen Menschen auch von Menschen betreut werden und nicht von Maschinen. Uns ist es wichtig, den Kontakt zu den Menschen zu erhalten.

Welche Trends haben Sie und Ihr Mann in der Fitness-Branche kommen und gehen sehen?

Das Zumba als Fitness-Konzept hat sich in den vergangenen zehn Jahren etabliert. Seit fünf, sechs Jahren spüren wir wieder ein stärkeres Interesse an Yoga, dem wir mit Kursen Rechnung tragen. Und seit drei, vier Jahren spielt der Reha-Sport eine immer größere Rolle.

Das bedeutet Sport auf Rezept ...

Ja. Es treiben Menschen auf Verordnung des Arztes Sport. Die Übungen sind beispielsweise speziell auf Herz-Kreislauf- oder Rückenprobleme ausgerichtet. Um in solchen Fällen auch mit Fachleuten noch besser helfen zu können, haben wir zwei Physiotherapien gegründet.

Gibt es Trends, die ganz von der Bildfläche verschwunden sind?

Ein Beispiel dafür ist das Slide. Dort konnte man mit Spezialschuhen auf Spezialmatten sozusagen auf der Stelle Schlittschuh fahren. Nachgelassen hat auch das Interesse für Spinning. Wir bieten es noch an, aber auch Kurse für ältere Kunden mit höherem Sattel und Fahrradlenker. Das ist eher ein Wellnessradeln.

Wie viele Kunden und Trainer gibt es in ihren Studios?

An unseren Standorten in Falkenstein und Oelsnitz haben wir 35 Mitarbeiter und etwa 3000 Kunden.

Wie kamen Sie und Ihr Mann 1993 auf die Idee, ein Fitness-Studio zu gründen?

Wir haben beide gerne Sport getrieben. Mein Mann war Gewichtheber in Rodewisch und hat an DDR-Meisterschaften teilgenommen. Ich habe Leichtathletik gemacht. Da in meiner Familie auch schon vor mir fast alle selbstständig waren, kam für uns fast nichts anderes in Frage.

Hatten sie Probleme bei der Gründung ihres Fitness-Studios zu überwinden?

1993 war die Zeit, in der viele Studios pleite gingen, die unmittelbar nach der Wende eröffnet hatten. Für uns war es deshalb problematisch, einen Geldgeber zu finden.

1995 haben sie ein zweites Studio in Oelsnitz eröffnet. Gab es sie Pläne für weitere Expansionen?

Wir hatten im ersten Jahr eine gute Entwicklung genommen und bekamen in Oelsnitz eine leer stehende Immobilie angeboten. Da haben wir zugeschlagen. Auf eine weitere Expansion haben wir verzichtet, weil wir uns nicht verzetteln wollten.

Warum ist aus Fiedis Fitness-World Injoy geworden?

Wir haben uns 2008 mit elf anderen sächsischen Studios als Franchisenehmer Injoy angeschlossen, weil wir dadurch unter dem Markennamen überregional werben können und weil wir einem strengen Qualitätstest unterworfen sind. Wir werden jedes Jahr nach einem 1800 Punkte umfassenden Katalog geprüft. Außerdem finden permanent verdeckte Kontrollen statt.

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