Gastro-Ausbildung: Gewinnt Falkenstein?

Immer wieder hat die Falkensteiner Berufsschule Klassen nach Schneeberg abgeben müssen. Künftig könnte es andersherum sein - fürchtet man im Erzgebirge.

Falkenstein/Schneeberg.

Dorothea Wild, Leiterin des Berufsschulzentrums (BSZ) Schneeberg/Schwarzenberg, ist beunruhigt. Nach Informationen des Kultusministeriums wird die neue sächsische Fachklassen-Liste der Berufsschulen eine Festlegung enthalten, nach der Gastro-Azubis aus dem Kreis Zwickau künftig prinzipiell am BSZ Falkenstein lernen. Der Listen-Entwurf soll im März vorliegen. "Wir würden 20 bis 25 Lehrlinge verlieren, also eine komplette Klasse", sagt sie. "Natürlich sind wir verschnupft." Demnach könnten junge Leute aus dem Raum Zwickau künftig höchstens mit Ausnahmegenehmigung eine Ausbildung zum Koch oder fürs Hotel- und Restaurantgewerbe in Schneeberg starten - wenn überhaupt. "Wir sind doch auch ländlicher Raum - man sollte uns nichts wegnehmen, um einen anderen ländlichen Raum zu stärken!", meint die Schulleiterin. Sie hofft auf einen "Kompromiss".

Bisher lief es andersherum: Der Standort Falkenstein musste wiederholt Klassen nach Schneeberg abgeben, weil die Schülerzahlen speziell bei Hotel- und Restaurantfachleuten (abgekürzt "Hofas" und "Refas", früher Kellner) zu niedrig waren. Die Azubi-Zahlen im Gastro-Bereich sanken von 132 (2014) auf 67 (2017). Im Herbst 2017 war die Empörung groß, als bekannt wurde, dass Falkenstein die neue Kellner-Klasse verliert - zwei Azubis fehlten. Das Landratsamt wusste zwar Bescheid, hatte aber sehr spät informiert. Falkensteins Bürgermeister Marco Siegemund (CDU) war außer sich, der Schulstandort in akuter Gefahr. Es gab Demonstrationen für die Falkensteiner Berufsschule. Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt, aktuell gibt es 82 Gastro-Azubis und wieder eine Klasse mit "Hofas" und "Refas". Die Außenstelle sei hoffentlich über den Berg, erklärte Uwe Flader, Leiter des BSZ "Anne Frank", kürzlich.

Zur neuesten Entwicklung äußerte Flader sich gestern zurückhaltend: Natürlich sei man froh, wenn künftig mehr Gastro-Azubis nach Falkenstein kämen. Von starren Festlegungen hält er jedoch nichts: "Es ist ja nicht sinnvoll, zum Beispiel jemanden aus Meerane zur Fahrt nach Falkenstein zu zwingen." Falls der Kreis Zwickau tatsächlich seinem BSZ zugeschlagen werde, müsse es Ausnahme-Regelungen geben. "Für die Schneeberger ist es ja auch schwierig", sagt er nach einem Telefonat mit Dorothea Wild.

Bürgermeister Marco Siegemund zeigte sich gestern überrascht: "Ich höre das erste Wort davon. Aber wenn es so wäre, wäre es für uns natürlich positiv." Dass man jetzt in Schneeberg Alarm schlägt, kann er gut nachvollziehen: "Das ging uns ja auch so."

Der Landtagsabgeordnete Sören Voigt (CDU) findet erst mal alles gut, was den BSZ-Standort in seiner Heimatstadt Falkenstein stärkt: "Wir haben genug verloren - warum sollen wir nicht auch mal etwas zurückholen?" Ansonsten müsse man sich aus eigener Kraft bemühen, die Ausbildung dauerhaft zu sichern: "Die Unternehmen sind gefragt."

Das sächsische Kultusministerium äußerte sich auf Anfrage ausweichend, prinzipiell wurde jedoch die Zuordnung des Kreises Zwickau zu Falkenstein bestätigt. Der Entwurf geht Anfang März an die Schulträger, dann wird diskutiert. Erst am 1. August tritt er in Kraft. (mit tjm)

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