Gastwirte bangen täglich ums Geschäft

Unabhängig von Verlusten während der coronabedingten Schließzeit läuft das Geschäft durchwachsen. Vor allem das Personal bekommt dies direkt zu spüren, wie eine Umfrage unter Gastwirten in der Region zeigt.

Mitte Mai gab Sachsens Regierung grünes Licht: Lokale im Freistaat durften unter Beachtung diverser Corona-Auflagen wie Abstandhalten, Personal-Mundschutz und Desinfektion wieder Gäste begrüßen. Nach zweimonatiger Schließung schöpften Gastronomen vorsichtig Hoffnung. Die aktuelle Zwischenbilanz ist allerdings durchwachsen.

Ria Weller, Mitinhaberin der Treuener Gaststätte "Vaterland", musste sich zunächst in Geduld üben. "Die ersten zwei Wochen waren miserabel", erzählt sie. "Dann hat es sich gut entwickelt. Was aber nach wie vor fehlt, sind die ganzen Familienfeiern." Mit ihrem Mann Christian Weller-Musiol schmeißt sie das Unternehmen momentan allein. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Um die Abstände zwischen den Gästen einhalten zu können, mussten Sitzplätze weichen. "Dafür haben wir jetzt einen kleinen Hofgarten", sagt Ria Weller. "Und der wird gut genutzt." Wie viele andere Lokale hielt sich das "Vaterland" während der Schließzeit mit Außer-Haus-Verkauf über Wasser und zehrte von Rücklagen. Angst vor Gaststättenbesuchen müsse niemand haben, betont Ria Weller. "Wenn sich jeder an die Regeln hält, funktioniert das."

Danny Tröger bewirtschaftet die Berggaststätte Steinberg. Gute Erfahrungen machte er schon am Eröffnungstag. "Das ist gleich einwandfrei angelaufen", berichtet der Gastronom. Daran habe sich bis heute nichts geändert. "Wir mussten ein paar Tische entfernen, und unsere Mitarbeiter haben erst mal weiter Kurzarbeit. Aber wir waren nicht gezwungen, jemanden zu entlassen."

Dirk Martin vom Gasthof "Fronberg" in Reumtengrün schildert eine Berg- und Talfahrt. Die Auslastung liege bei 50 Prozent, sagt er. "Mal ist es mehr, mal weniger." Vor der Eingangstür hat er einen nicht zu übersehenden Desinfektionsspender für Gäste angebracht. "Außer Familien hatten wir bis jetzt keine größeren Gruppen", bedauert Dirk Martin. Mitarbeiter auf Pauschalbasis kann das Wirtsehepaar vorerst nicht beschäftigen. "Das ist komplett weggebrochen", sagt er. Auch beim Speisenangebot musste aufgrund gesunkener Einnahmen hier und da der Rotstift angesetzt werden.

Annett Zoglauer-Schmider und ihr Mann Thomas Schmider führen das Falkensteiner Hotel-Restaurant "Jägerhalle" und berichten Ähnliches. "Wir haben in der Zeit 67 Prozent weniger Umsatz", so die Gastwirtin. Speisekarten schrumpften, und zu allem Übel machten sich Kündigungen erforderlich. "Wegen Corona haben wir zwei Leute verloren", so Zoglauer-Schmider. Die Zeit von Mitte März bis Mitte Mai verlangte ihnen besonders viel ab. "Um unser Geschäft zu halten, arbeiteten mein Mann und ich täglich zwölf bis 14 Stunden. Auch jetzt fehlen uns noch die Feierlichkeiten. Die Leute kommen zu zweit oder zu viert. Wir können nur kämpfen."

Bei Peter Ciba vom Auerbacher Gasthof "Zur Eiche" mischen sich vorsichtige Hoffnung und Skepsis. Der Biergarten "brummt", dafür klafft an anderer Stelle eine gewaltige Lücke. "Sorgen macht uns der große Saal. Mit Veranstaltungen sieht des düster aus", erzählt er. Auch auf Lieferantenseite lichten sich die Reihen. "Manche unserer Geschäftspartner haben schon aufgegeben." Im eigenen Haus musste er diesen Schritt noch nicht gehen. Die Mitarbeiter seien alle noch dabei, freut sich Peter Ciba. "Wir suchen sogar aktuell welche."

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