Geburtstagstour setzt musikalisches Denkmal

Mit Liedern von Rio Reiser und Gerhard Gundermann hat das Bandprojekt Tricando am Samstag in Auerbach sein Publikum berührt.

Auerbach.

Eine Konstellation der besonderen Art treibt die Musiker von Tricando derzeit um. Im Januar und Februar sind sie auf Geburtstagstour. Eine ihrer Stationen war am Samstag die Auerbacher Göltzschtalgalerie Nicolaikirche. Dort bekam das Publikum gut zwei Stunden zu hören, was es mit der Tour auf sich hat: Eine Band mit drei Musikern singt und spielt Titel von Rio Reiser und Gerhard Gundermann. Obendrein liegen die Geburtstage aller fünf Männer innerhalb der beiden Tour-Monate.

Dass Reisers und Gundermanns Lieder auch im Vogtland nicht aus der Mode gekommen sind, ließ die Publikumsstruktur erahnen. Viele jüngere Menschen saßen dem Dresdner Trio gegenüber. "Das ist noch Musik, die hat eben einfach alles. Eine klasse Melodie und Texte, die einen ansprechen und richtig nahe gehen. Ein schöner Kontrast zu dem, was man überall hört", fand die 26-jährige Auerbacherin Hannah Walther. Bandgründer Andreas Zöllner mag eigenen Worten zufolge die Bandbreite der zwei Sänger und Komponisten. "Sie lassen sich nicht festsetzen auf eine Rolle", erzählte er. Vom Revoluzzer bis zum nachdenklichen Typ sei alles zu finden. Und: "Bei Gundermann kommen die Lieder mit Altersweisheit früher als bei anderen", sagte Zöllner, bevor die ersten Töne von "Ich habe keine Zeit mehr" den Saal in Beschlag nehmen.

Rio Reiser machte im Westen Karriere, Gerhard Gundermann ging als singender Baggerfahrer in die DDR-Musikgeschichte ein. "Für mich sind die Ähnlichkeiten spannender als die Unterschiede", sagte Andreas Zöllner. Eine tragische Gemeinsamkeit sei ihr früher Tod. "Beide sind keine 50 Jahre alt geworden." Am 21. Februar, einen Tag vor dem letzten Tournee-Konzert, hätte Gundermann 65. Geburtstag gefeiert. Wie es der Zufall will, wird auch Frontmann Zöllner an dem Tag ein Jahr älter, sprich 57.

Tricando gibt es seit September 2018. Die Idee, Rio Reiser und Gerhard Gundermann ein Projekt zu widmen, entstand schon 2017. Mit der Rollenverteilung pflegen Andreas Zöllner, Enrico Schneider und Paul Zöllner keinen ausgetretenen Pfaden zu folgen. Alle lassen mehr oder weniger oft ihre Stimmen hören. Unterstützt werden sie von etlichen Instrumenten von der Gitarre bis zur Flöte. Mal rockig, mal leise. Mal tiefgründig und kritisch, mal weich und melancholisch.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.