Gegen Recyclingfirma formiert sich Protest

In Hartmannsgrün und Pfaffengrün wollen Bürger die Ansiedlung eines Unternehmens im Industriegebiet an der A 72 verhindern. Der Ortschaftsrat teilt die Bedenken.

Hartmannsgrün.

In den beiden Treuener Ortsteilen in Nachbarschaft zum Industrie- und Gewerbegebiet Goldene Höhe geht die Sorge um: Darf und wird sich dort tatsächlich ein Recycling-Unternehmen ansiedeln? Die zur Ortschaftsratssitzung am Donnerstag in Hartmannsgrün zahlreich anwesenden Einwohner wollen den Bau verhindern, da sie negative Auswirkungen auf die Umwelt befürchten.

Fakt ist, dass die Plauener Firma SRH Kunststoffe Anfang 2017 ein Grundstück auf dem Gelände erwarb. Seitdem zeichne sich jedoch kein Vorwärtskommen ab, schilderte Treuens Bürgermeisterin Andrea Jedzig (CDU) den aktuellen Stand.

Der Bauherr hat vor, am Treuener Standort PET-Plastikflaschen zu reinigen und zu schreddern. Mit dem Antrag und positiven Stadtratsbeschluss von 2015 erging die Auflage, alle Abläufe im Gebäude unterzubringen - vom Materialanliefern bis zum Abtransport.

Beruhigen konnte das die Hartmannsgrüner und Pfaffengrüner nicht. Sie haben erhebliche Zweifel am umweltgerechten Wirtschaften und verweisen dazu auf Vorfälle am bisherigen Standort in Plauen: Am jetzigen Standort auf dem ehemaligen Plamag-Gelände lagerte bis vor Kurzem tonnenweise geschreddertes Plastik unter freiem Himmel, teilweise ohne Schutzmaßnahmen. Die Bewohner der Treuener Ortsteile befürchten Geruchsbelästigung, Plastikmüll in der Natur und noch Schlimmeres, etwa im Brandfall - nicht zuletzt wegen der Brände in der Müllbehandlungsanlage im benachbarten Schneidenbach.

Alle drei Jahre sei eine Brandverhütungsschau erforderlich, entgegnete Ortsvorsteher und Wehrleiter René Spranger (DSU). Außerdem werde eine Löschwasserrückhaltung eingebaut.

Gert Heckel aus Pfaffengrün befürchtete derweil, dass eine solche Ansiedlung die Qualität des Industriegebietes insgesamt schmälern könnte. Gedanken machten sich Ortschaftsrat und Gäste auch darüber, wie sich der Bau noch verhindern lasse. "Die Auflagen müssen so hoch geschraubt werden, dass die Firma abspringt", fand Ortschaftsrat Gerhard Jacobi (SG Pfaffengrün). Vorerst bezog der Ortschaftsrat Hartmannsgrün/Pfaffengrün geschlossen Stellung - per spontan gefasstem Beschluss, in dem diese Art der Gewerbeansiedlung abgelehnt wird. Viel Gewicht hat der Beschluss freilich nicht. Der Ortschaftsrat ist im Gegensatz zum Stadtrat lediglich beratendes Gremium. Und der sprach sich vor drei Jahren mit 14 Ja-Stimmen und sieben Enthaltungen für die Niederlassung aus. Niemand hatte dagegen aufbegehrt.

Auf die Frage, wie es dazu kam, verwies Andrea Jedzig zunächst auf eine Art Zwickmühle. "An der Stelle gibt es keine Geländeregulierung. Wir hatten große Probleme, jemanden für das Grundstück zu finden", sagte die Bürgermeisterin. "Aber ausgerechnet eine solche Firma?", wurde ihr aus den Besucherreihen entgegengehalten. Der Standort sei als Übergangslösung gedacht, erklärte Andrea Jedzig. Und der Firmenchef habe glaubhaft erklärt, dass keine Giftstoffe austreten würden. Ortsvorsteher Spranger, der damals auch im Stadtrat saß, hatte sich der Stimme enthalten - und bereut es heute zutiefst. "Uns wurde das Projekt so vorgestellt, dass wir nicht unbedingt Bedenken haben mussten", erinnerte er sich.

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6Kommentare
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    Zeitungss
    12.11.2018

    Ich komme noch einmal auf die Überschrift in der FP zurück, genau so schätze ich die Reaktion der Bertoffenen ein, gleich NULL. Der Protest ist nicht überhörbar, kommt mit dieser Aktivität leider nicht an. Fazit, in der FP wäre für wirklich wichtige Dinge Platz, eigentlich funktioniert es so ganz gut.

  • 0
    2
    Zeitungss
    11.11.2018

    War das jetzt nur Werbung für den Ort oder sind die Betroffenen wirklich so besorgt ????? Besorgnis sieht anders aus wenn der Untergang naht, wobei ich mich dazu auch gerne belehren lasse.

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    2
    Zeitungss
    11.11.2018

    Vorschlag zur Güte. Die jeweiligen Bürgermeistereien nehmen den Plastikmüll ihrer Einwohner zurück, schreddern und lagern ihn im Amt. Wenn es brennen sollte, betrifft es nur die einheimischen Abfälle, was dann keinerlei Schadstoffe freisetzen würde. Jetzt ist es mir doch noch eingefallen, die Einwohner dieser Gemeinden haben Plastik schon aus ihrem Leben verbannt und auf Glas umgestellt, wie konnte ich das in meinem letzten Beitrag nur vergessen und könnte ihr Veto sogar verstehen.
    Wer JA zu den Annehmlichkeiten des Lebens sagt, sollte es auch bei der Entsorgung dieses tun. Irgend wie erinnert es mich wieder an Neumark, Strom ja, aber keine Leitungen. Wer diesen Zustand normal findet, darf wieder in ROT.

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    Tauchsieder
    11.11.2018

    Die Pfaffengrüner, ein gebeuteltes Dorf.
    In südlicher Richtung unmittelbar an der A72 gelegen. In östlicher Richtung von drei riesengroßen "Ventilatoren" eingekreist. Demnächst in westlicher Richtung eine Müllverwertungsanlage. Da wäre doch in nördlicher Richtung noch Platz für ein Biogasanlage.

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    2
    Zeitungss
    10.11.2018

    Wie soll also der Plastikmüll entsorgt werden ???? Im besagten Landstrich kennt man die Plastikflasche schon nicht mehr, richtig ????
    Es erinnert mich etwas an Neumark, die wollen zwar Strom, aber keinesfalls eine Leitung. Die Forschung arbeitet fieberhaft daran, hoffen wir auf baldige Ergebnisse.

  • 2
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    Tauchsieder
    10.11.2018

    > Und der Firmenchef habe glaubhaft erklärt, dass keine Giftstoffe austreten würden. <
    Wer`s glaubt wird selig. Die Gegend verkommt zu einem Müllfleck im Vogtland. Da wäre ganz in der Nähe die ständig brennende Deponie Schneidenbach. In Herlasgrün gehen auch solche Ideen und Anwandlungen in diese Richtung. Und jetzt hier noch ein richtiger Kracher.
    Man braucht sich doch bloß mit den Leuten im Bereich an der "Plamag" in Plauen unterhalten, dem jetzigen Standort dieser Firma. Dann würde der Stadtrat von Treuen Bauklötzer staunen (siehe Bericht der "FP" vom 17.8.18). Man sollte übrigens als Stadtrat Vorschläge aus der Gemeinde nicht einfach vom Tisch wischen, dass könnte später einmal ins Gegenteil umschlagen.



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