Gegenwind für Windradpläne an A 72

Glitzner-Brände, Gewerbegebiets-Erweiterung - Ortschaftsrat und Bürgern reicht's offenbar: Schneidenbach ist laut Umfrage gegen ein größeres Windrad. Der Anlagenbetreiber informiert indes über Planungsdetails - zunächst nichtöffentlich.

Schneidenbach/Rotschau.

Die im Dezember öffentlich gewordenen Pläne der Firma Windstromer für die Errichtung einer weitaus größeren Anlage an ihrem Windradstandort im Gewerbegebiet an der A 72 stoßen in der Nachbarschaft des 2002 errichteten Windrads nicht auf Gegenliebe. Wie der Schneidenbacher Ortschaftsrat informiert, sind die Einwohner gegen den Bau einer neuen Anlage mit einer Nabenhöhe von 160 und einem Rotordurchmesser von 138 Metern. "Wir sind genug gebeutelt, jetzt reicht's. Einwohner und Rat sind gegen die Anlage", sagt Ortsvorsteher Jens Groschopf und legt Zahlen einer Umfrage vor.

Demnach sprachen sich 94 Prozent der Umfrageteilnehmer gegen eine größere Anlage aus, sechs Prozent befürworteten die Ausbaupläne. Bei der vom Ortschaftsrat initiierten Stimmungserhebung waren 282 Umfragebögen an die Wahlberechtigten des Ortes ausgegeben worden. Die Beteiligung lag mit 162 Bögen bei etwa 57 Prozent. "Uns ist wichtig, dass diese Willensbekundung im weiteren Verfahren zur Kenntnis genommen wird", sagt der Ratschef. Gleichwohl sei sich der Rat im Klaren, dass das Ergebnis keinen direkten Einfluss auf den Genehmigungsprozess hat. "Deswegen werden wir unsere Position mit einer Petition etwa an Stadt und Genehmigungsbehörde untermauern."

Den Schneidenbachern geht es mit der ablehnenden Haltung indes nicht allein ums Windrad. "Das Gewerbegebiet rückt immer weiter an unser Dorf heran, ein Ende der Expansion ist nicht absehbar. Offenbar interessiert die Lebensqualität bei uns keinen", sagt Rat Herbert Krause auch im Hinblick auf den Müllstandort im Dorf. Die Belastung durch Brände sowie die nervenden wie nicht ungefährlichen Transporte durchs Oberdorf spricht auch der Ortschef an: "Dazu kommt der Lärm von der A 72. Die Belastung ist insgesamt schon hoch. Wir wollen sie jetzt nicht noch mehr steigern."

Nicht wenige Schneidenbacher seien zudem von den Emissionen des Windanlagen-Standorts Pfaffengrün betroffen. "Die Lichter haben einige nachts in der Schlafstube", berichtet Jens Groschopf. Ein im Vergleich zum alten Windrad mehr als doppelt so großes sei auch ein Argument gegen neue Zuzüge, sagt Ortschaftsrätin Katrin Jäkel: "Gerade durch Zuzug haben wir wieder mehr junge Leute im Dorf und auch mehr Geburten. Diesen Trend wollen wir gerne fortgesetzt sehen."

Für die Firma Windstromer, die einen Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung der neuen Anlage beim Landratsamt eingereicht hat, ist dieser Gegenwind neu. "Wir wollen aber mit allen ins Gespräch kommen und unsere Pläne detailliert erläutern", sagt Projektkoordinatorin Dagmar Bergert. Man plane keinen neuen Windpark, sondern "einen optimierten Standort", der im Vergleich zur vorhandenen Anlage einen achtfachen Energieertrag ermögliche. Den Auftakt ihrer Informationsoffensive machte die Firma jetzt in der Sitzung des Technischen Ausschusses in Reichenbach. Das Thema wurde dort nichtöffentlich besprochen, im Anschluss soll es öffentliche Diskussionen in Gemeinde- und Ortschaftsräten geben. Auch in Rotschau, das wie Schneidenbach und Unterheinsdorf aufgrund von Abstandsregelungen von den Plänen berührt wird, gibt es laut Ortsvorsteher Veit Bursian Überlegungen, die Einwohner zu dem Projekt zu befragen. In Heinsdorf, sagt Bürgermeisterin Marion Dick, stehe die Meinungsbildung noch aus. Auch Reichenbach will der Diskussion in den städtischen Gremien nicht vorgreifen. "Wir sind jetzt in der Prüfphase", sagt Sprecherin Heike Keßler.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.