Geknüpfte Gebilde, die an Spitze erinnern

Im Kreuzgewölbe des Plauener Spitzenmuseums ist zurzeit eine Sonderausstellung zum Thema "Margaretenspitze" zu sehen.

Plauen.

In neun Vitrinen zeigt das Plauener Spitzenmuseum derzeit Arbeiten von Margarete Naumann, der Entwicklerin der so genannten Margaretenspitze, eine dieser besonderen Knüpftechniken. Darüber hinaus sind Werke der Plauenerin Heike Becker zu sehen, die seit Anfang des neuen Jahrtausends mit dieser Technik arbeitet.

Während es moderne Maschinen und Verfahren heutzutage ermöglichen, sogar dreidimensionale Spitze herzustellen, sah das zu Zeiten von Margarete Naumann (1881-1946) noch gänzlich anders aus. Plauener Spitze wurde zweidimensional auf den damaligen Maschinen produziert. Margarete Naumann entwickelte Anfang des vergangenen Jahrhunderts eine Knüpftechnik, die mit gerade einmal zwei verschiedenen Knoten auskommt. Damit entstehen dreidimensionale Gebilde, die bei Verwendung von zarten Garnen an Spitze erinnern.

Wie Katrin Färber, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vogtlandmuseums, in Erklärung der Ausstellung beschreibt, glaubte Margarete Naumann damals, mit ihrer Handspitze eine Erwerbsquelle für Frauen im Vogtland und im Erzgebirge schaffen zu können. Von 1914 bis 1921 hielt sie Kurse für Margaretentechnik an der Frauenabteilung der Plauener Kunstschule sowie in den Außenstellen Eibenstock und Annaberg. Von 1921 bis 1925 gab es eine Schule für Margaretentechnik. Zu sehen sind in den Vitrinen Arbeiten von Margarete Naumann selbst sowie auch Werke ihrer Schüler wie das spektakuläre Objekt "Die Blaubeersammler", welches einst Naumanns Schüler für ihre Lehrerin knüpften.

Neben diesen Arbeiten, die sich seit Jahren im Besitz des Vogtlandmuseums befinden und bereits Teil mehrerer Ausstellungen zum Thema Margaretenspitze, so in den Jahren 1995 und 2013 im Vogtlandmuseum sowie 2007 im Spitzenmuseum waren, werden in der aktuellen Schau auch verschiedene Knüpfobjekte der Plauenerin Heike Becker gezeigt. 2002 lernte sie die Knüpftechnik bei Lotte Heinemann aus Peine. Seit Anfang der 1990er-Jahre hatte sich die Handarbeitstechniken liebende Frau mit der besonderen dreidimensionalen Knüpftechnik der Margarete Naumann beschäftigt. Immer wieder besuchte sie das Vogtlandmuseum Plauen und versuchte, die Technik der Margaretenspitze zu entschlüsseln. Mehr noch: Lotte Heinemann entwickelte Vorlagen für diese Technik und gab schließlich Kurse.

Vorlagen aus der Zeit der Margarete Naumann existieren im Gegensatz dazu nicht. Nach einem Kurs in der Plauener Schaustickerei am Obstgartenweg, bei dem auch Heike Becker die Knüpftechnik von Lotte Heinemann erlernte, vervollkommnete sie ihr Können immer wieder. Heute ist Heike Becker nicht nur Autorin vieler Bücher zum Thema "Margaretenspitze", sondern nimmt seit Jahren auch an textilen Kunstausstellungen wie beispielsweise der Textil-Art in Berlin teil. Ihr Kunstwerk für die Schau aus dem Jahre 2018 ist im Kreuzgewölbegang des Spitzenmuseums mit einem Lichtherz beleuchtet.

Dass Beckers Herz tatsächlich für die Margaretenspitze schlägt, wird auch in den Vitrinen mit ihren Ausstellungsobjekten ersichtlich. Roter Hut mit Gürtel und Tasche in Margaretenspitze, Knüpfschmuck für Braut und Bräutigam bis hin zu einer Eule im Bilderrahmen. Wer möchte, kann allein im Mittelgang des Spitzenmuseums viel Zeit verbringen und sich in die märchenhafte Welt der Margaretenspitze begeben. Und mit ein wenig Glück werden Besucher Ausstellerin Heike Becker sogar persönlich antreffen. "Ein paar Tage im Monat passe ich auf das Spitzenmuseum auf. Die Arbeit mit den Besuchern macht viel Spaß und ich erkläre ihnen sehr gerne alles, was ich über Plauener Spitze und Margaretenspitze weiß", freut sich Heike Becker schon auf viele nette weitere Gespräche.

Geöffnet hat das Plauener Spitzenmuseum außer montags täglich in der Zeit von 11 bis 17 Uhr. Die Sonderausstellung "Margaretenspitze" soll mindestens bis Ende des Jahres zu sehen sein.

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