Geläut ist wieder einsatzbereit

In Werdaer sind am Sonntag die neuen Glocken Kirche geweiht worden. Heute nehmen sie ihren Platz im Turm ein. An dem wird aber noch gebaut.

Werda.

Zielsicher haben die Kaltblüter Mara und Pegasus mit Uwe Scholz am Zügel drei Metall-Schwergewichte auf dem Wagen durch Werda gezogen. Der Umzug in Feuerwehr- und Fußgängerbegleitung endete vor der Kirche. Dort machten die drei geschmückten Glocken am gestrigen Sonntag zur feierlichen Weihe nur vorübergehend halt. Bleiben konnten sie vorerst noch nicht und wurden deshalb vom Gespann zu einem Transportunternehmen im Nachbarort zurückgebracht. Heute treten sie die gleiche Reise wieder an, um schließlich nach oben in den Kirchturm gehoben zu werden. Der wird noch bis Anfang Dezember einer Rundum-Sanierung unterzogen. Am 1. Advent sollen die Glocken ihre ersten öffentlichen Töne von sich geben - nach gut einem Jahr Ruhe im Turm.

Als eine von etlichen Gratulanten sprach Werdas Bürgermeisterin Carmen Reiher von einem "großen Ereignis". Viele Menschen nicht nur aus der Kirchgemeinde Bergen-Werda hätten hergefunden, um daran Anteil zu nehmen, sagte sie. Schließlich, so Reiher, gäbe es eine solche Gelegenheit für alle Anwesenden wahrscheinlich nur einmal. "Weil die Glocken bei guten Bedingungen 500 Jahre halten." Oder noch länger, wie die kleinste Glocke beweist. Zusammen mit den beiden neuen Klangkörpern, die vor drei Monaten in Innsbruck gegossen worden waren, läutet sie weiter. Obwohl die "alte Dame", wie sie Pfarrerin Ute Eismann zur Weihe nannte, seit 499 Jahren ihren Dienst in luftiger Höhe verrichtet. Weichen muss sie nach Worten der Pfarrerin noch lange nicht. Allerdings wurde die Auszeit genutzt, um sie einer Reparatur zu unterziehen.

Jetzt besteht das gesamte Geläut wieder aus langlebiger Bronze. Für die beiden jetzt in Rente geschickten und auf dem Friedhof zwischengelagerten Glocken war nach 1945 nur weitaus weniger beständiger Eisenhartguss zu haben. Bedingt durch beide Weltkriege ist das Geläut seit 1913 bereits das vierte im Turm. Der heutige, mit einem Gewicht von 513 Kilogramm zur Taufglocke erklärte Klangkörper war im Jahr 1520 größter und schwerster. Zum Vergleich: Die frisch gegossene große Glocke bringt knapp 889 Kilogramm auf die Waage.

Deutschlandweit fielen fast alle Bronzeglocken in beiden Weltkriegen dem Rüstungsbedarf zum Opfer. Die alte Werdaer hatte Glück: Ihr blieb das Einschmelz-Schicksal wegen des historischen Wertes erspart: Auf dem Glockenkörper befindet sich noch eine katholische Inschrift in lateinischer Sprache.

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