Geopark kommt - später und "abgespeckt"

Ursprünglich sollte in diesem Herbst der Startschuss für das ehrgeizige Projekt "Sagenhaftes Vogtland" fallen. Doch es hakte beim Geld. Jetzt will man langsam wachsen.

Falkenstein.

"Wir haben ein Jahr verloren - es ist nicht optimal gelaufen", räumt Falkensteins Bürgermeister Marco Siegemund (CDU) ein. Er ist Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe (LAG), die den Geopark "Sagenhaftes Vogtland" auf den Weg bringen will: Geologische Besonderheiten der Region sollen so präsentiert werden, dass sie Touristen anlocken - mit Schwerpunkt auf dem Topasfelsen Schneckenstein. Um das Projekt ist es zuletzt still geworden, es gab Schwierigkeiten bei den Fördermitteln. Doch jetzt geht es los - so der Tenor des Pressegesprächs, zu dem die LAG am gestrigen Dienstag nach Falkenstein geladen hatte. Zum 1. Januar soll die Stelle des Geopark-Managers (oder der Managerin) besetzt werden, die Stellenausschreibung ist vor wenigen Tagen erschienen.

Die Stelle ist vorläufig befristet bis zum 28. Februar 2023 und wird aus einem Budget von 300.000 Euro finanziert, das zu 80 Prozent aus Fördermitteln des Leader-Programms der EU stammt. In die verbleibenden 20 Prozent teilen sich die sieben beteiligten Kommunen (Falkenstein, Grünbach, Ellefeld, Muldenhammer, Bergen, Neustadt, Werda) sowie die angrenzenden Leader-Regionen Vogtland und Westerzgebirge.

Ursprünglich sollte das Budget fast doppelt so hoch sein, es war auf 500.000 Euro beziffert. Doch es habe sich gezeigt, dass einige geplante Vorhaben nicht förderfähig seien, so Siegemund. Deshalb starte man jetzt mit einer "abgespeckten Variante": "Wir bauen in kleinen Schritten auf und brauchen einen langen Atem." Die ersten Schritte habe man bereits gemacht, hebt Leader-Regionalmanagerin Franziska Thoß hervor: Drei "Felsenwege" wurden ausgewiesen, sie führen zum Beispiel zu sehenswerten Naturgebilden (Geotopen) wie dem Großen und dem Kleinen Affenstein, Sagenstein, Rehhübel, Wendelstein, dem Schwarzen Stein, dem Elsenfelsen oder zur Ringwall-Anlage bei Werda. Zwei weitere Felsenwege im Raum Ellefeld sollen hinzukommen. Außerdem habe man 23 Sitzgruppen an Wanderwegen der Region aufgestellt.

Die neue Führungskraft des Geoparks soll künftig unter anderem Park-Führer ("Ranger") schulen und sich um den Aufbau der zunächst drei vorgesehenen Geoportale ("Willkommenszentren") kümmern. Als Standorte sind Schneckenstein und Natur- und Umweltzentrum Oberlauterbach gesetzt. Die Geotope sollen unter anderem auf Tafeln vor Ort erläutert und auf einer Internet-Seite präsentiert werden - zunächst müssten einige aber erst mal vom Bewuchs befreit und zugänglich gemacht werden, so Siegemund.

Ein Netzwerk mit Beteiligung von Wissenschaftlern, Touristikern, Gastronomen ist zu knüpfen, und die längst geplanten Arbeitsgruppen zu Umweltbildung, Geologie/ Wegeinfrastruktur und Tourismus/ Marketing sollen endlich loslegen. "Wir müssen die Akteure wieder zum Mitmachen motivieren - einige sind vielleicht enttäuscht", ahnt Siegemund. Er hatte den Start des Geoparks schon einmal für Herbst 2019 anvisiert. Jetzt will er sich nicht mehr aus dem Fenster lehnen, auch nicht zur Frage der nationalen Zertifizierung des Geoparks. "Es kann sein, dass das zehn Jahre dauert", so Siegemund. Sein Bürgermeister-Kollege aus Muldenhammer, Jürgen Mann (Freie Wähler), betont: "Ohne Unterstützung von Vogtlandkreis und Tourismusverband werden wir es nicht schaffen, den Geopark zu installieren."


Stichwort Geopark

Ein Geopark ist ein besonders ausgewiesenes Gebiet, in dem Erdgeschichte erlebbar ist. Dort wird über die Gesteine und Rohstoffe und die Entstehung von Landschaften unterrichtet, etwa durch Führungen, Info-Tafeln, Flyer oder online.

In Deutschland gibt es derzeit 16 anerkannte nationale Geoparks. Dieser Titel wird nach entsprechender Zertifizierung von der Alfred-Wegener-Stiftung vergeben. Ein Schutzstatus ist damit nicht verbunden. (bap)

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