Geständnis kommt erst mit starker Verzögerung

Wegen Fahrerflucht hat das Landgericht Zwickau einen Reichenbacher zu einer Geldstrafe verhängt. Die Strategie des 31-Jährigen brachte ihn um ein Haar ins Gefängnis.

Reichenbach/Zwickau.

Eigentlich gab es so gut wir keinen Zweifel an dem, was in jener Novembernacht vor rund einem Jahr passiert war: Der VW Polo eines 31-jährigen Mannes kam von der Straße Am Graben in Reichenbach ab, überfuhr eine Laterne und krachte gegen eine Hauswand. Beweise: eine kaputte Laterne, ein völlig demoliertes Auto und das Kennzeichen des 31-Jährigen an der Unfallstelle.

Nur bei einem Punkt gab es zwar zahlreiche Indizien, aber keinen glasklaren Beweis: Saß der 31-Jährige im entscheidenden Moment wirklich selbst am Steuer? In diese Richtung zielte am Mittwoch die Strategie der beiden Anwälte bei der Berufungsverhandlung am Zwickauer Landgericht. Bei jedem Zeugen bohrten sie hartnäckig nach, ob dies ohne jeden Zweifel bewiesen werden könne. Wer sonst der Unfallfahrer gewesen sein soll, war dagegen kein Thema. Dies hätte wohl auch nur der Fahrzeughalter sagen können - also der Angeklagte selbst. Aber der schwieg und wollte gar nicht aussagen.

Das ist prinzipiell sein gutes Recht. Diese Strategie hatte er schon beim ersten Prozess zu diesem Thema am Auerbacher Amtsgericht verfolgt. Erfolgreich war er damit aber nicht. Im Gegenteil. Der dortige Richter verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten - ohne Bewährung. Das ist für Fahrerflucht ein sehr hartes Urteil. Ursache dafür war offenbar zum einen die Tatsache, dass der Angeklagte vorbestraft war und unter Bewährung stand. Und zum zweiten eben sein hartnäckiges Schweigen.

Als Zeuge sagte unter anderem ein Polizist aus, der das demolierte Unfallfahrzeug unter die Lupe genommen hatte. Er gab an, dass sich auf dem Beifahrersitz beziehungsweise im dazu gehörenden Fußraum ein Rucksack, ein Geldbeutel, Handschuhe und Wasserflaschen befunden hätten. Dies sprach gegen die Möglichkeit, dass sich neben dem Fahrer - wer auch immer das war - noch eine weitere Person im Wagen befunden hatte. Es war aber auch kein hundertprozentiger Beweis. Als weiterer Zeuge sagte ein Polizist aus dem Revier Plauen aus, bei dem einen Tag nach dem Unfall ein Mann angerufen, sich mit dem Namen des Angeklagten vorgestellt und die Unfallflucht gestanden hatte. Die verwendete Telefonnummer war die des Angeklagten. Aber rein hypothetisch hätte der Anrufer trotzdem jemand anderes sein können. Am Ende sahen jedoch sowohl der Angeklagte als auch seine Anwälte ein, dass dies alles zu dünn war, um den Prozess zu gewinnen. Vor allem da - wie der Richter mitteilte - im Auto ausschließlich die DNA-Spuren des 31-Jährigen gefunden wurde. Dieser brach daraufhin sein Schweigen und legte ein umfassendes Geständnis ab.

Das Gefängnis blieb ihm daraufhin erspart. Das Gericht verurteilte ihn stattdessen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen a 14 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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